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Europa kauft Rekordmengen russisches LNG
Russland · 30.04.2026

Europa kauft Rekordmengen russisches LNG

Europa importierte im März Rekordmengen russisches LNG, obwohl neue EU-Beschränkungen bereits kurz bevorstanden.

Europa hat im März so viel russisches Flüssigerdgas importiert wie nie zuvor – ausgerechnet kurz bevor neue Beschränkungen für kurzfristige LNG-Verträge in Kraft traten. Damit wird erneut sichtbar, wie groß der Widerspruch zwischen den politischen Zielen der EU und den energiepolitischen Realitäten bleibt.

Die EU steht vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits will sie ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen weiter reduzieren. Andererseits muss sie Industrie, Haushalte und Speicher mit ausreichend Gas versorgen. Seit dem Wegfall großer Teile der früheren Pipeline-Lieferungen sind die Energiekosten in Europa deutlich gestiegen. Die Lage wurde zuletzt zusätzlich belastet, weil die Gasspeicher zu Beginn der Auffüllsaison auf niedrigem Niveau lagen und zugleich Lieferungen aus Katar ausfielen.

Vor diesem Hintergrund griffen europäische Versorger im März verstärkt auf russisches LNG zurück. Nach Daten der Organisation Urgewald, die sich auf Schiffsverfolgungsdaten von Kpler stützen, importierte die EU im März 2026 rund 2,45 bis 2,46 Milliarden Kubikmeter russisches LNG. Das waren etwa 20 Prozent mehr als im Februar und rund 38 bis 40 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Rekordkäufe vor neuen Beschränkungen

Am 25. April traten neue EU-Beschränkungen in Kraft, die kurzfristige Importverträge für russisches LNG untersagen. Kurz davor sicherten sich europäische Energieunternehmen noch einmal besonders große Mengen. Allein im März wurden 25 Ladungen des von Novatek betriebenen Yamal-LNG-Projekts vollständig an europäischen Terminals entladen.

Bereits im Februar hatte sich ein ähnliches Bild gezeigt. Damals gingen sämtliche LNG-Lieferungen aus Yamal in die EU – 21 von 21 Ladungen. Im Januar wurden 23 von 25 Ladungen aus Yamal in europäischen Häfen gelöscht. Im gesamten ersten Quartal 2026 nahm die EU 69 der 71 weltweiten Yamal-Lieferungen ab. Das entspricht 97 Prozent der Produktion des Projekts.

Schätzungen zufolge zahlte Europa im ersten Quartal rund 2,88 Milliarden Euro für LNG aus Yamal. Das entspricht etwa 32 Millionen Euro pro Tag. China, das in den vergangenen Jahren als alternativer Abnehmer für russisches LNG aufgebaut wurde, erhielt im Januar lediglich zwei Lieferungen und im Februar sowie März keine.

Warum der Markt stärker war als die Politik

Der wichtigste Grund für die hohen Importe liegt im Preis- und Versorgungsschock auf den Energiemärkten. Der europäische TTF-Gaspreis stieg von rund 35 Euro je Megawattstunde im Januar und Februar auf 52,87 Euro im März. Gleichzeitig verschärften sich die Unsicherheiten bei Lieferungen aus dem Golfraum.

Katar musste Teile seiner LNG-Produktion einschränken, während auch die globalen Lieferketten für Flüssiggas unter Druck gerieten. Die USA sind inzwischen Europas wichtigster LNG-Lieferant, verkaufen einen großen Teil ihrer Mengen jedoch flexibel auf dem Weltmarkt. Dadurch konkurriert Europa direkt mit asiatischen Käufern, die in angespannten Marktphasen oft höhere Preise bieten. Mehrere ursprünglich für Europa bestimmte LNG-Tanker wurden zuletzt nach Asien umgeleitet.

Russisches LNG blieb damit für europäische Käufer kurzfristig eine der wenigen verlässlichen Quellen. Händler und Versorger sicherten sich vor Inkrafttreten der neuen Regeln zusätzliche Mengen, um Liefer- und Preisrisiken zu begrenzen. Allein im März beliefen sich die europäischen Käufe von russischem LNG auf rund 1,33 Milliarden Euro.

Europas Rolle im Yamal-System

Die Abhängigkeit ist nicht nur eine Frage der Abnahme. Europäische Unternehmen spielen auch eine wichtige Rolle in der Logistik des Yamal-Projekts. Von den 14 Arc7-Eisklasse-Tankern, die für den Transport aus der Arktis eingesetzt werden, werden elf von Unternehmen aus Großbritannien und Griechenland betrieben.

Hinzu kommen europäische Hafeninfrastruktur, Versicherungen, Wartungskapazitäten und langfristige Lieferverträge. Urgewald fasst dies so zusammen: Europa sei nicht nur Käufer, sondern auch ein zentraler Bestandteil der operativen Struktur des Projekts.

Im März erreichte Yamal LNG eine Produktion von 3,3 Millionen Tonnen – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die kurze Distanz vom arktischen Hafen Sabetta zu europäischen Terminals ermöglicht schnelle Umläufe. Jede Lieferung nach Europa dauert im Schnitt gut acht Tage. Gerade in den Wintermonaten ist dieser Zugang für das Projekt besonders wichtig.

Frankreich bleibt größter Abnehmer

Frankreich war 2025 der größte EU-Abnehmer von russischem LNG. Auf das Land entfielen 41,7 Prozent der EU-Importe. Insgesamt lieferten 87 Tanker rund 6,3 Millionen Tonnen russisches LNG an die französischen Häfen Dünkirchen und Montoir.

Auch Belgien spielte eine zentrale Rolle. Der Hafen Zeebrugge nahm 58 Schiffe mit 4,2 Millionen Tonnen auf und importierte damit allein mehr Yamal-LNG als China.

Der französische Energiekonzern TotalEnergies hält 20 Prozent am Yamal-LNG-Projekt und kauft jährlich rund 4 Millionen Tonnen. Damit ist das Unternehmen einer der wichtigsten Einzelabnehmer des Projekts.

Das Ersatzproblem bleibt ungelöst

Die EU will russische LNG-Importe schrittweise beenden. Das Verbot kurzfristiger Verträge gilt seit dem 25. April. Langfristige Verträge, die den Großteil der europäischen Yamal-Lieferungen ausmachen, sollen ab dem 1. Januar 2027 betroffen sein.

Damit steht Europa vor einem erheblichen Ersatzproblem. Ab 2027 müssten rund 15 Millionen Tonnen russisches arktisches LNG ersetzt werden. Gleichzeitig sind alternative Lieferquellen nur begrenzt verfügbar. Die USA liefern große Mengen, doch Europa steht dort im Wettbewerb mit Asien. Katar fällt als verlässlicher Zusatzlieferant derzeit nur eingeschränkt ins Gewicht.

Auch für Russland wäre der Verlust des europäischen Marktes schwer zu kompensieren. Studien deuten darauf hin, dass die vorhandene Tankerkapazität nicht ausreicht, um Yamal-Mengen in gleichem Umfang nach Asien umzuleiten. Ohne Zugang zu europäischen Häfen könnten die jährlichen Lieferungen aus Yamal deutlich sinken.

In den vergangenen vier Jahren zahlte Europa mehr als 230 Milliarden US-Dollar für russische Öl- und Gasimporte. Viele Verträge laufen noch lange, teils bis in die 2040er-Jahre. Politisch verfolgt die EU den Ausstieg aus russischer Energie. Der Markt zeigte im März jedoch erneut, dass dieser Ausstieg deutlich schwieriger ist, als es die Beschlüsse vermuten lassen.

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