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Erdoğan lockt Investoren mit Steuerfreiheit
Türkei · 30.04.2026

Erdoğan lockt Investoren mit Steuerfreiheit

Die Türkei will ausländische Investoren mit bis zu 20 Jahren Steuerfreiheit anziehen und Istanbul als Finanzzentrum stärken.

Ausländische Investoren, die in die Türkei umziehen, sollen im Rahmen eines neuen Anreizpakets eine Steuerbefreiung von bis zu 20 Jahren erhalten. Präsident Recep Tayyip Erdoğan stellte das Programm am 24. April in Istanbul vor.

Die türkische Regierung will das Land damit attraktiver für internationales Kapital machen. Besonders im Blick stehen Investoren, vermögende Privatpersonen und Fachkräfte, die angesichts der angespannten Lage in der Golfregion nach alternativen Standorten suchen könnten. Gleichzeitig bleibt die Türkei selbst mit Herausforderungen konfrontiert: Das Vertrauen vieler Anleger in Rechtsstaatlichkeit, Justiz und wirtschaftliche Stabilität gilt weiterhin als begrenzt.

Bei der Veranstaltung „Türkiye Century Strong Center for Investment Program“ im Dolmabahçe-Arbeitsbüro versprach Erdoğan, die Türkei zu einem globalen Anziehungspunkt für Kapital, Handel und Talente zu machen. Das angekündigte Paket soll dem Parlament in Kürze vorgelegt werden.

„Alle Wirtschaftsbereiche versuchen, sich in einem dichten Nebel zurechtzufinden“, zitierte Turkiye Today Erdoğan. Er bezog sich dabei auf die Auswirkungen regionaler Unsicherheiten auf Energie, Produktion, Handel, Tourismus und Transport.

Steuerfreiheit für neue Ansässige

Erdoğan betonte, die klassische Beschreibung der Türkei als Brücke zwischen Ost und West greife heute zu kurz. Das Land sei nicht nur ein Korridor, sondern eine zentrale Basis für Energie- und Handelsrouten in der Region.

Kern des Pakets ist eine weitreichende Steuerregelung für Personen, die in die Türkei umziehen. Wer in den vergangenen drei Jahren nicht in der Türkei steuerlich ansässig war, soll 20 Jahre lang keine türkischen Steuern auf ausländische Einkünfte und Kapitalgewinne zahlen müssen. Besteuert würden nur Einkünfte, die innerhalb der Türkei erzielt werden.

Auch bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer sind Erleichterungen geplant. Für diese Gruppe soll der Steuersatz auf 1 Prozent begrenzt werden.

Das Programm dürfte zudem türkischen Staatsbürgern und Unternehmen ermöglichen, im Ausland gehaltene Vermögenswerte zu einem reduzierten Steuersatz in die Türkei zurückzuführen.

Vorteile für Exporteure und Transitgeschäfte

Erdoğans Finanzpaket sieht auch eine deutliche Senkung der Körperschaftsteuer für exportierende Produktionsunternehmen vor. Der Satz soll von 25 Prozent auf 9 Prozent sinken. Andere exportierende Unternehmen würden mit 14 Prozent besteuert.

Derzeit erhalten Exporteure lediglich eine Ermäßigung um 5 Prozentpunkte. Hersteller bekommen zusätzlich einen weiteren Prozentpunkt Rabatt.

Auch im Transitgeschäft plant die Regierung stärkere Anreize. Gewinne aus Transitverkehr und grenzüberschreitender Handelsvermittlung sollen im Istanbuler Finanzzentrum vollständig von der Körperschaftsteuer befreit werden. Bisher gilt dort ein Abzug von 50 Prozent.

Für Unternehmen außerhalb des Finanzzentrums sollen 95 Prozent der Gewinne aus Transitgeschäften steuerfrei bleiben.

Das Istanbuler Finanzzentrum auf der asiatischen Seite der Stadt wurde 2023 eröffnet. Dort sitzen unter anderem die Zentralbank, die Borsa Istanbul und mehrere Aufsichtsbehörden. Die Regierung will das IFC langfristig als Konkurrenz zu Finanzzentren wie Dubai, London und anderen internationalen Standorten etablieren.

Die Türkei setzt dabei auch auf ihre geografische Lage. Das Land liegt an einem wichtigen Punkt zwischen Europa, dem Südkaukasus, Zentralasien und China. Zugleich investiert Ankara stark in den Ausbau seines Schienennetzes, um die Güterverkehrskapazität über den Bosporus deutlich zu erhöhen.

Ob die neuen Steueranreize große internationale Investoren tatsächlich in größerem Umfang anziehen, bleibt offen. Die finanziellen Vorteile sind beträchtlich. Entscheidend dürfte jedoch sein, ob die Türkei auch bei Rechtssicherheit, Währungsstabilität und institutionellem Vertrauen überzeugen kann.

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