Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 37 Prozent belassen. Das beschloss der geldpolitische Ausschuss am 22. April. Auch der Tagesgeldsatz blieb stabil bei 40 Prozent.
In ihrer Erklärung verwies die Zentralbank darauf, dass der zugrunde liegende Inflationstrend im März rückläufig war. Frühindikatoren deuteten für April jedoch wieder auf einen leichten Anstieg hin. Die Währungshüter beobachten vor allem die hohen und stark schwankenden Energiepreise sowie deren Folgen für Kosten, Konjunktur und Inflation.
Energiepreise bleiben das zentrale Risiko
Analysten gehen davon aus, dass die Zentralbank zunächst abwartet. William Jackson von Capital Economics erklärte, die türkische Notenbank dürfte die Zinsen noch einige Monate unverändert lassen, sofern die Energiepreise nicht erneut deutlich steigen. Eine Wiederaufnahme des Lockerungszyklus hält er im dritten Quartal für möglich. Seine Prognose: Der einwöchige Repo-Satz könnte Ende 2026 bei 33 Prozent liegen.
Tatsächlich liegt der effektive Finanzierungssatz derzeit bereits höher als der Leitzins. Seit dem 1. März setzt die Zentralbank ihre einwöchigen Repo-Auktionen aus. Dadurch müssen Geschäftsbanken stärker auf Übernachtfinanzierung zurückgreifen. Die gewichteten durchschnittlichen Refinanzierungskosten und der Marktzins TLREF liegen deshalb bei rund 40 Prozent.
Inflationsausblick bleibt unsicher
Die offizielle Verbraucherpreisinflation sank im März auf 30,87 Prozent im Jahresvergleich, nach 31,53 Prozent im Februar. Dennoch bleiben die Erwartungen für Ende 2026 erhöht.
Im Februar hatte die Zentralbank ihre Inflationsprognose für Ende 2026 bereits auf eine Spanne von 15 bis 21 Prozent angehoben. Zuvor hatte sie noch 13 bis 19 Prozent erwartet. Angesichts der höheren Energiepreise könnten Marktteilnehmer inzwischen mit deutlich höheren Werten rechnen.
Der nächste Inflationsbericht der Zentralbank erscheint am 14. Mai. Dann dürfte die Notenbank ihre Annahmen zu Energiepreisen und Inflation aktualisieren.
Ölpreisannahmen unter Druck
Im Februar rechnete die Zentralbank für 2026 noch mit einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von rund 60 Dollar je Barrel. Nach bisherigen Schätzungen der Notenbank erhöht ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent die Gesamtinflation um etwa 0,8 Prozentpunkte.
Finanzminister Mehmet Şimşek präsentierte Anfang April in London bereits eine deutlich höhere Annahme: Türkische Regierungsökonomen rechnen demnach für 2026 mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 85 Dollar je Barrel. Das könnte die Inflation Ende 2026 um 3,6 bis 4,4 Prozentpunkte erhöhen.
Gleichzeitig bleibt der Wechselkurs USD/TRY bislang unter Kontrolle. Nach der Entspannung der Lage im Nahen Osten nahmen auch Portfoliozuflüsse in die Türkei wieder zu.
Nächste Sitzung im Juni
Die nächste Zinssitzung findet am 11. Juni statt. Derzeit rechnen die meisten Beobachter mit keiner Änderung. Sollte sich der Kapitalzufluss stabilisieren, könnte jedoch auch eine Zinssenkung um 100 Basispunkte wieder auf die Tagesordnung rücken.
Vor der jüngsten regionalen Eskalation hatte die Zentralbank ihren Zinssenkungszyklus bereits begonnen. Der Leitzins sank im Januar auf 37 Prozent, nachdem er im Juli 2025 noch bei 46 Prozent gelegen hatte. Bei der März-Sitzung blieb der Satz unverändert.
