Der türkische Autobauer Tofaş treibt den Ausbau seiner Produktion für Stellantis weiter voran – und sichert sich dafür frisches Kapital aus Spanien. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung an die Börse erklärte, hat Tofaş mit der BBVA einen Exportkredit über 276 Millionen Euro vereinbart. In der Summe enthalten ist auch die Versicherungsprämie für die Finanzierung.
Tofaş will die Kreditlinie innerhalb eines Monats ziehen. Die Laufzeit endet im Dezember 2034. Je nach Auszahlungsplan und durchschnittlicher Laufzeit liegen die jährlichen Gesamtkosten des Darlehens laut Unternehmen zwischen dem Sechsmonats-Euribor zuzüglich 2,25 bis 2,35 Prozent. Tilgung und Zinszahlungen sollen halbjährlich erfolgen.
Geld für den Ausbau der K9-Produktion
Mit dem Kredit finanziert Tofaş Investitionen in die Produktion neuer leichter Nutzfahrzeuge der K9-Reihe für Stellantis. Für den Aufbau der Fertigung sind nach Unternehmensangaben 256 Millionen Euro vorgesehen.
Bereits im September hatte Tofaş mit Stellantis Europe eine Produktionsvereinbarung unterzeichnet. Demnach soll das Werk in der Türkei neue K9-Modelle sowie Kombiversionen für mehrere Konzernmarken fertigen, darunter Fiat, Opel, Citroën und Peugeot. Die Fahrzeuge basieren auf einer Multi-Energie-Plattform.
Der Produktionsstart ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Tofaş rechnet im Rahmen des Projekts mit einer jährlichen Kapazität von 150.000 Fahrzeugen, einschließlich CKD-Einheiten für die Montage. Bis zum vierten Quartal 2034 will das Unternehmen rund 660.000 Fahrzeuge produzieren – CKD-Einheiten nicht eingerechnet. Etwa 80 Prozent davon sollen für den türkischen Markt bestimmt sein.
Die enge Verbindung zu Stellantis prägt das Geschäft von Tofaş schon heute deutlich. Im Jahr 2024 entfielen 16 Prozent der gesamten Erlöse auf Verkäufe an Stellantis Europe. Gleichzeitig machten Einkäufe bei Stellantis Europe 48 Prozent der Kosten der von Tofaş verkauften Waren aus.
Zweite große Finanzierung in kurzer Zeit
Der neue BBVA-Kredit ist nicht die erste große Finanzierung für den Ausbau der Produktion. Bereits im Dezember 2024 hatte Tofaş einen an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelten Konsortialkredit über 295 Millionen Euro aufgenommen. Die Kosten dieser Finanzierung lagen, abhängig von der Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele, zwischen Euribor plus 2,27 und 2,37 Prozent.
Auch damals stand der Ausbau der Modellpalette für Stellantis im Mittelpunkt. Im November 2024 hatte Tofaş die endgültige Vereinbarung zur Produktion des neuen leichten Nutzfahrzeugs K0 und einer Kombiversion auf Multi-Energie-Plattformen unterzeichnet. Die Fahrzeuge sind ebenfalls für Marken wie Fiat, Opel, Citroën und Peugeot vorgesehen.
Im Rahmen dieses Projekts plant Tofaş die Fertigung von insgesamt einer Million Fahrzeugen zwischen 2024 und 2032. Nach Angaben des türkischen Autojournalisten Emre Özpeynirci soll das Unternehmen dabei unter anderem Benzin- und Hybridversionen bekannter Stellantis-Modelle bauen – darunter Varianten von Opel/Vauxhall Vivaro und Zafira, Fiat Scudo, Peugeot Expert und Traveller sowie Citroën Jumpy und Spacetourer.
Nordamerika rückt in den Fokus
Im Oktober 2025 verlängerte Tofaş zudem die Produktion des Modells Tipo/Egea bis zum 30. Juni 2026. Gleichzeitig vereinbarte das Unternehmen mit Stellantis Europe den Export von 230.000 Fahrzeugen aus dem K0-Projekt nach Nordamerika. Daraufhin erhöhte Tofaş die veranschlagte Gesamtinvestition für das K0-Modell auf 386 Millionen Euro.
Die Fahrzeuge sollen ab 2027 unter der Marke Ram ProMaster City auf dem nordamerikanischen Markt angeboten werden. Damit gewinnt das Projekt für Tofaş über die Türkei und Europa hinaus strategische Bedeutung.
Tofaş nach der Stellantis-Neuordnung
Seit der Fusion von Fiat Chrysler und dem französischen PSA-Konzern im Jahr 2021 zu Stellantis hat sich auch die Rolle von Tofaş neu definiert. 2025 schloss das Unternehmen die Übernahme von Stellantis Otomotiv vollständig für 400 Millionen Euro ab. Zuvor hatte diese Gesellschaft die Marken Peugeot, Citroën, Opel und DS in der Türkei vertrieben.
Tofaş selbst ist ein 38:38-Joint-Venture zwischen der türkischen Koç Holding und Stellantis. Die restlichen 24 Prozent werden an der Börse in Istanbul gehandelt.
Weniger Produktion, mehr Umsatz
Das Werk von Tofaş in Bursa verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 420.000 Fahrzeugen, darunter 218.000 Pkw und 202.000 leichte Nutzfahrzeuge. Nach einer Ausweitung im Jahr 2017 auf 450.000 Einheiten blieb die Kapazität bis 2024 stabil.
Die Produktion erreichte 2017 mit 384.174 Fahrzeugen ihren bisherigen Höchststand. Seitdem ging sie deutlich zurück und fiel 2025 auf 131.666 Einheiten, was rund 9 Prozent der gesamten türkischen Fahrzeugproduktion entsprach. Für 2025 rechnet Tofaş mit einer Produktion zwischen 140.000 und 150.000 Fahrzeugen.
Trotz des Produktionsrückgangs legte der Absatz kräftig zu. Ausschlaggebend dafür waren vor allem zusätzliche Importe und die stärkere Einbindung in das Vertriebsnetz von Stellantis nach der Übernahme von Stellantis Otomotiv. Tofaş baut damit seinen Kurs vom klassischen Hersteller zum stärker integrierten Industrie- und Vertriebspartner innerhalb des Stellantis-Konzerns weiter aus.
