Die türkische Zentralbank (CBRT) hat ihren Leitzins am 23. Juli zum vierten Mal in Folge unverändert bei 37% belassen. Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) entsprach den Erwartungen der Märkte. Auch der Übernachtkreditzins blieb unverändert bei 40%.
In ihrer begleitenden Stellungnahme erklärte die Zentralbank, dass sich der zugrunde liegende Inflationstrend im Juni leicht abgeschwächt habe. Frühindikatoren deuteten jedoch darauf hin, dass sich dieser Trend im Juli vorübergehend wieder verstärken dürfte.
Als wesentlichen Unsicherheitsfaktor nannte die Notenbank die geopolitischen Spannungen, die zuletzt erneut zu steigenden Energiepreisen geführt hätten.
Analysten erwarten vorerst keine Zinssenkung
William Jackson, Chefökonom für Schwellenländer bei Capital Economics, sieht in der Erklärung der Zentralbank ein Signal, dass kurzfristig keine Lockerung der Geldpolitik zu erwarten ist.
„Die heutige Stellungnahme der türkischen Zentralbank macht deutlich, dass die Währungshüter über den erneuten Anstieg der Ölpreise besorgt sind. Damit schwinden die verbleibenden Hoffnungen auf Zinssenkungen in den kommenden Monaten“, erklärte Jackson.
Da die Türkei nur über geringe eigene Öl- und Gasvorkommen verfügt, wirkt sich ein Anstieg der Energiepreise besonders stark auf Inflation und Leistungsbilanz aus.
Inflationsprognose bleibt erhöht
Nach Angaben des türkischen Statistikamtes TÜİK sank die Verbraucherpreisinflation im Juni leicht auf 32,11%, nachdem sie im Mai noch 32,61% betragen hatte.
Im jüngsten Inflationsbericht vom Mai hob die Zentralbank ihre Prognose für die Inflationsrate Ende 2026 auf 26% an. Im Februar hatte sie noch eine Bandbreite von 15 bis 21% erwartet.
Der nächste vierteljährliche Inflationsbericht soll am 13. August veröffentlicht werden.
Ölpreise bleiben entscheidender Faktor
Nach der Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran am 8. April hatten wieder verstärkt internationale Kapitalzuflüsse in die Türkei eingesetzt. Mit dem Wiederaufflammen der Kämpfe Anfang Juli gerieten die Ölpreise jedoch erneut unter Aufwärtsdruck.
Der Wechselkurs der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar blieb nach der Zinsentscheidung weitgehend stabil.
Die nächste Sitzung des geldpolitischen Ausschusses ist für den 10. September angesetzt. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die weitere Entwicklung der Ölpreise und der geopolitischen Lage im Nahen Osten entscheidend für den künftigen geldpolitischen Kurs sein wird.
Effektiver Refinanzierungssatz liegt bei 40%
Bereits Anfang März hatte die Zentralbank ihre einwöchigen Repo-Auktionen ausgesetzt. Mit dieser Maßnahme steuert sie die Liquiditätsversorgung der Banken gezielt über den Übernachtmarkt und hält die effektiven Refinanzierungskosten auf einem höheren Niveau.
Dadurch liegen sowohl der gewichtete durchschnittliche Refinanzierungssatz der Zentralbank als auch der Referenzzinssatz TLREF weiterhin bei rund 40%.
Viele Analysten gehen davon aus, dass die Zentralbank zunächst die regulären Repo-Auktionen wieder aufnehmen wird, bevor sie eine Senkung des offiziellen Leitzinses in Betracht zieht.


