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Vestel beauftragt Houlihan Lokey mit Anleihe-Restrukturierung
Türkei · 17.07.2026

Vestel beauftragt Houlihan Lokey mit Anleihe-Restrukturierung

Die türkische Vestel-Gruppe startet die Restrukturierung ihrer Euroanleihe. Gleichzeitig laufen Gespräche mit Banken und neue Lira-Anleihen werden platziert.

Vestel Elektronik (VESTL), eine Tochtergesellschaft des türkischen Mischkonzerns Zorlu Holding, hat die Restrukturierungsspezialisten von Houlihan Lokey mit der Begleitung der Gespräche mit den Inhabern ihrer Euroanleihe im Volumen von 500 Millionen US-Dollar beauftragt. Das teilte das Unternehmen am 9. Juli mit.

Die im Mai 2029 fällige Anleihe geriet nach der Ankündigung massiv unter Druck. Laut Bloomberg fiel ihr Kurs um rund sieben Cent auf etwa 52 Cent je Dollar. Die Vestel-Aktie legte dagegen um rund 3% zu.

Nächste Kuponzahlung im November

Die vierte Kuponzahlung erfolgte im Mai. Die nächste Zinszahlung ist für den 13. November vorgesehen.

Vestel hatte die fünfjährige Euroanleihe im Mai 2024 zunächst im Volumen von 450 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 9,75% emittiert. Im Juni 2024 wurde die Emission um weitere 50 Millionen US-Dollar aufgestockt.

Die Anleihe wurde bei ihrer Platzierung zu 99,516% des Nennwerts begeben. Vor Bekanntwerden der Restrukturierungspläne notierte sie noch im Bereich von 66 bis 67 Cent, bevor sie zeitweise auf rund 40 Cent abstürzte. Die aktuelle Rendite liegt bei rund 40 bis 50%.

Die Credit Default Swaps (CDS) der Türkei bewegen sich weiterhin im Bereich von rund 220 Basispunkten, während zehnjährige türkische Staatsanleihen in Euro derzeit eine Rendite von etwa 7% aufweisen.

Auch Bankkredite werden restrukturiert

Bereits am 26. Juni hatte Vestel bei türkischen Banken einen Antrag auf die Restrukturierung seiner inländischen Bankverbindlichkeiten gemäß Artikel 32 des vorläufigen Bankengesetzes Nr. 5411 gestellt.

Bereits im Februar hatte Reuters unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass Zorlu Holding und Vestel mit Banken über eine Umschuldung verhandeln.

Bloomberg berichtete im vergangenen Jahr zudem, dass Vestel- und Zorlu-CEO Ömer Yüngül Investoren erklärt habe, das Unternehmen plane zwar Stellenstreichungen, rechne jedoch nicht mit einem Zahlungsausfall.

Hoher Wettbewerbsdruck aus China

Vestel leidet zunehmend unter dem starken Wettbewerb chinesischer Hersteller auf dem europäischen Markt. Im ersten Quartal brach der Umsatz nahezu um die Hälfte ein, während sich die Verlustserie fortsetzte.

Nach einem Nettogewinn von 71 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 verbuchte das Unternehmen 2024 einen Nettoverlust von 408 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2025 weitete sich dieser auf 761 Millionen US-Dollar aus.

Ratingagenturen schlagen Alarm

Fitch Ratings stufte das Unternehmen am 1. Juli um zwei Stufen auf CCC- herab und warnte, dass die derzeitige Kapitalstruktur nicht nachhaltig sei. Gleichzeitig setzte Fitch Vestel auf die Beobachtungsliste für eine weitere mögliche Herabstufung.

Bereits im April hatte Moody’s Investors Service das Rating von Caa1 auf Caa2 gesenkt.

Beide Ratings signalisieren ein sehr hohes Ausfallrisiko und nur geringe Aussichten auf eine vollständige Rückzahlung.

Vestel bleibt am Lira-Anleihemarkt aktiv

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten setzt Vestel seine Finanzierung am heimischen Kapitalmarkt fort.

Am 7. Juli platzierte das Unternehmen 94-tägige Anleihen im Volumen von 94 Millionen Türkischen Lira zu einem jährlichen Zinssatz von 49,5%.

Bereits am 25. Juni hatte Vestel ein 106-tägiges Papier über 338 Millionen Lira zu 49% begeben und gleichzeitig mehrere auslaufende Anleihen zurückgezahlt. Auch im Mai wurden neue Lira-Anleihen emittiert sowie bestehende Verbindlichkeiten planmäßig bedient.

Bislang ist keines der inländischen Wertpapiere ausgefallen.

Ende Juni beantragte Vestel bei der türkischen Kapitalmarktaufsicht (SPK) zudem ein Emissionsprogramm über weitere 2 Milliarden Türkische Lira.

Auch Zorlu Enerji steht unter Beobachtung

Nicht nur Vestel, sondern auch die Schwestergesellschaft Zorlu Enerji (ZOREN) geriet zuletzt unter Druck.

Fitch und Moody’s verschlechterten im Oktober 2025 ihre Bonitätseinschätzungen für das Energieunternehmen. Zorlu Enerji verfügt derzeit über ein Rating von B+ (Negative) bei Fitch sowie B3 (Stable) bei Moody’s.

Zwischen Oktober 2024 und März 2025 platzierte Zorlu Enerji eine Euroanleihe im Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden US-Dollar, die mehrfach aufgestockt wurde. Das Papier notiert inzwischen bei rund 70% des Nennwerts und bietet aktuell eine Rendite von etwa 24%.

Im Februar erklärte das Management, die Investitionstätigkeit werde fortgesetzt. Im Mai meldete das Unternehmen zudem eine Verbesserung des operativen Ergebnisses im ersten Quartal.

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