Der Vorstandsvorsitzende von Garanti BBVA, Mahmut Akten, rechnet bei der kommenden Sitzung der türkischen Zentralbank im Juli mit einer ersten – wenn auch moderaten – Zinssenkung. Sollte sich der Inflations- und Ölpreistrend fortsetzen, könnten im September weitere Lockerungsschritte folgen.
Im Gespräch mit BloombergHT am 24. Juni erklärte Akten, dass die nächste Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) am 23. Juli voraussichtlich den Beginn eines vorsichtigen Zinssenkungszyklus markieren werde.
Sinkende Ölpreise stärken die Erwartungen
Die Erwartungen an eine Lockerung der Geldpolitik wurden durch den jüngsten Rückgang der Brent-Rohölpreise gestützt. Auslöser war das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran, das die Sorgen um die Energieversorgung vorerst abschwächte.
Nachdem die türkische Zentralbank ihre durchschnittliche Brent-Preisprognose für 2026 am 14. Mai noch deutlich von 60 auf 89 US-Dollar je Barrel angehoben hatte, notierte Brent-Rohöl am 25. Juni nur noch bei rund 73 US-Dollar. Niedrigere Energiepreise könnten den Inflationsdruck mindern und der Notenbank zusätzlichen Spielraum für Zinssenkungen verschaffen.
Uneinigkeit unter Marktbeobachtern
Nicht alle Analysten teilen jedoch die Erwartung einer baldigen Lockerung. Bereits am 19. Juni verwies Bloomberg auf Einschätzungen von Alp Serbetli, Leiter der Treasury-Abteilung von ICBC Turkey, wonach die Entwicklung der Forward Overnight Indexed Lira Swaps gegen eine Zinssenkung im Juli spreche.
Die entsprechenden Derivate, mit denen Investoren auf die künftige Zinsentwicklung wetten, fielen um 275 Basispunkte auf rund 38,2%. Nach Einschätzung Serbetlis könnte die Zentralbank stattdessen die einwöchigen Repo-Auktionen wieder aufnehmen und den Leitzins zunächst unverändert lassen.
Leitzins bleibt bislang stabil
Bei ihrer jüngsten Sitzung am 11. Juni beließ die türkische Zentralbank den einwöchigen Repo-Satz zum dritten Mal in Folge bei 37%. Auch der Übernachtzinssatz blieb unverändert bei 40%.
Seit dem 1. März hat die Zentralbank die regulären einwöchigen Repo-Auktionen ausgesetzt. Mit diesem Instrument steuert sie die Liquidität am Markt und lenkt Banken verstärkt auf die teureren Übernachtfazilitäten. Dadurch liegen sowohl die gewichteten durchschnittlichen Refinanzierungskosten als auch der Referenzzinssatz TLREF derzeit bei rund 40%.
Goldman Sachs bleibt skeptisch
Deutlich zurückhaltender beurteilt Goldman Sachs die geldpolitischen Aussichten. Die Investmentbank geht davon aus, dass der offizielle Repo-Satz bis zum Jahresende unverändert bleiben wird und die Finanzierung der Banken weiterhin überwiegend über das Overnight-Fenster erfolgt.
Als Hauptgrund nennen die Analysten die weiterhin hohen Inflationserwartungen. Für Ende 2026 rechnen sie mit einer Inflationsrate von über 30%, was aus ihrer Sicht gegen eine frühzeitige Lockerung der Geldpolitik spricht.
Ob die türkische Zentralbank bereits im Juli den ersten Zinsschritt wagt oder zunächst an ihrer restriktiven Linie festhält, dürfte daher maßgeblich davon abhängen, wie sich Inflation, Energiepreise und die geopolitische Lage in den kommenden Wochen entwickeln.

