Das US-Finanzministerium hat am 24. Juli bekannt gegeben, dass das Office of Foreign Assets Control (OFAC) vier weitere Einzelpersonen und neun Unternehmen sanktioniert hat. Die betroffenen Akteure in der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und weiteren Ländern sollen zentrale Bestandteile des internationalen Netzwerks des iranischen Milliardärs Babak Zanjani zur Umgehung der Iran-Sanktionen gewesen sein.
„Das iranische Regime zahlt weiterhin einen hohen wirtschaftlichen Preis für sein rücksichtsloses Verhalten: Der Rial ist auf ein neues Rekordtief gefallen und die Inflation bleibt hoch“, erklärte US-Finanzminister Scott Bessent.
Die neuen Sanktionen richten sich gegen Zanjanis iranisches Unternehmenskonglomerat „Dot One“ sowie gegen mehrere internationale Firmen, die seine bereits zuvor sanktionierten Kryptobörsen Zedcex Exchange Limited und Zedxion Exchange Limited sowie deren Führungskräfte unterstützt haben sollen.
Rückkehr auf die wirtschaftliche Bühne
Zanjani baute über Jahre ein weit verzweigtes Unternehmensnetzwerk auf, das Finanzdienstleistungen, Gold- und Edelmetallhandel, digitale Vermögenswerte sowie Transport- und Infrastrukturprojekte umfasst. Nach Angaben der US-Behörden diente diese Struktur dazu, Eigentumsverhältnisse zu verschleiern, Einnahmen zu verschieben und internationale Sanktionen zu umgehen.
2016 war Zanjani im Iran wegen der Veruntreuung von Geldern der bereits vom OFAC sanktionierten National Iranian Oil Company (NIOC) zum Tode verurteilt worden. 2024 wurde das Urteil in eine Haftstrafe umgewandelt.
Seit 2025 tritt er wieder öffentlich als Unterstützer staatlich geförderter Infrastrukturprojekte auf. Parallel dazu baute er mit Zedcex und Zedxion ein Netzwerk für digitale Vermögenswerte auf, das nach Angaben der USA unter anderem zur Geldwäsche für die ebenfalls sanktionierten Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) genutzt worden sein soll.
Die US-Behörden sehen in dieser Infrastruktur sowohl ein kommerzielles Geschäftsmodell als auch eine Plattform zur Umgehung internationaler Sanktionen.
Bereits im Januar hatte das OFAC Zanjani sowie die beiden Kryptobörsen Zedcex und Zedxion auf die Sanktionsliste gesetzt. Nach Angaben der Behörde wurden über mehrere Wallets Gelder bewegt, die mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehen sollen.
Verbindung zum Halkbank-Verfahren
In der Türkei ist Zanjani vor allem als Geschäftspartner von Reza Zarrab im Zusammenhang mit der Umgehung der Iran-Sanktionen über die staatliche Halkbank bekannt.
Nachdem Zarrab in den USA mit den Behörden kooperiert hatte, wurde Zanjani im Iran verhaftet und öffentlichkeitswirksam zum Tode verurteilt.
Am 14. Juli wurde Zarrab nach Anrechnung seiner bereits verbüßten Haftstrafe endgültig freigelassen. Das Urteil erging durch den New Yorker Bundesrichter Richard Berman, nachdem die US-Staatsanwaltschaft seine umfangreiche Zusammenarbeit im Halkbank-Verfahren gewürdigt hatte.
Das Konglomerat „Dot One“
Nach der Umwandlung seines Todesurteils kehrte Zanjani mit zahlreichen Unternehmen der Marke „Dot One“ ins Wirtschaftsleben zurück.
In den vergangenen zwei Jahren trat er sowohl als öffentlich sichtbarer Unternehmer als auch als strategischer Finanzier der Unternehmensgruppe auf. Über soziale Netzwerke warb er regelmäßig für Projekte des Konzerns, darunter einen Eisenbahnauftrag im Wert von 800 Millionen US-Dollar, den die Dot One Rail Company bis April 2025 mit der staatlichen iranischen Eisenbahngesellschaft abschloss.
Mit zunehmender öffentlicher Aufmerksamkeit verschleierten die Unternehmen nach Einschätzung der US-Behörden jedoch zunehmend ihre Verbindungen zu Zanjani.
Die Dot One Value Creation Group mit Sitz im Dot One Tower in Teheran fungiert als Holdinggesellschaft des Konzerns. Nach eigenen Angaben ist sie in den Bereichen Logistik, Telekommunikation, Luftfahrt, Transport und digitale Vermögenswerte tätig.
Zanjani wurde bereits 2024 zum Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens ernannt und soll weiterhin die Kontrolle über die Holding ausüben.
Goldgeschäft und digitale Vermögenswerte
Zur Unternehmensgruppe gehört auch die DotOne Gold Company, die Goldbarren produziert, lagert und verwahrt. Das Unternehmen spielt eine zentrale Rolle beim digitalen Vermögenswert „Tala Token“, der nach Unternehmensangaben durch Gold gedeckt ist.
Anfang 2025 wurden erhebliche Mengen dieses Tokens über die Infrastruktur von Zedcex gehandelt.
Nach Angaben des OFAC befinden sich sowohl Dot One Value als auch DotOne Gold Company im Besitz oder unter der Kontrolle Zanjanis beziehungsweise handeln in seinem Auftrag. Beide Unternehmen wurden daher ebenfalls sanktioniert.
Zu den weiteren betroffenen Gesellschaften zählen die DotOne Rail Company, die DotOne Barter Company, die DotOne Airlines Company sowie DotOne Trip.
Zedpay in Istanbul und Zedx in Dubai
Die US-Behörden werfen den bereits sanktionierten Kryptobörsen Zedcex und Zedxion vor, sich auf Unternehmen in der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten gestützt zu haben.
Das in Istanbul ansässige Fintech-Unternehmen Zedpay bietet digitale Geldbörsen und internationale Zahlungsdienste an. Nach Angaben des OFAC wurde Zedpay direkt in die Handelsplattform von Zedxion integriert. Dadurch konnten Nutzer ihre Wallets beim Handel verwenden, während Zedxion Zugang zu Fiat-Abwicklungs- und grenzüberschreitenden Zahlungsdiensten erhielt.
Das in Dubai ansässige Unternehmen Zedx soll für Zedcex tätig gewesen sein und unter anderem Wallets der Kryptobörse verwaltet haben. Auch Geschäftsführer Sukhrob Oimakhmadov wurde auf die US-Sanktionsliste gesetzt.
Ebenfalls betroffen ist das in Dubai ansässige Unternehmen BZ Diamond, das mit natürlichen und im Labor gezüchteten Diamanten handelt und von Zanjanis Schwester Bahareh Morteza Zanjani geleitet wird.
Nach Angaben des OFAC unterstützte BZ Diamond die digitalen Projekte von Zedxion unter anderem durch die Bewerbung des NFT-Marktplatzes, die Einführung eines eigenen Tokens auf der Zedxion-Blockchain sowie zahlreiche Transaktionen mit Wallets von Zedxion und Zedcex.
Neben Bahareh Morteza Zanjani wurde auch Solmaz Bani sanktioniert, die nach Angaben der US-Behörden Internetdomains für mehrere Unternehmen Zanjanis registriert haben soll.
Auswirkungen der Sanktionen
Mit den neuen Maßnahmen werden sämtliche Vermögenswerte und Vermögensinteressen der gelisteten Personen und Unternehmen in den Vereinigten Staaten oder unter Kontrolle von US-Personen eingefroren und müssen dem OFAC gemeldet werden.
Darüber hinaus gelten die Sanktionen auch für Unternehmen, die direkt oder indirekt zu mindestens 50 Prozent im Besitz der gelisteten Personen stehen. Sofern keine Ausnahmegenehmigung vorliegt, sind US-Personen sämtliche Transaktionen mit diesen Vermögenswerten untersagt.


