Der türkische Pharmahersteller Turk Ilac ist mit einer inländischen Anleihe in Zahlungsverzug geraten. Das Unternehmen teilte am 16. Juli mit, dass eine ausstehende Verbindlichkeit nicht fristgerecht bedient werden konnte.
Bereits im vergangenen Monat hatte das dritte Handelsgericht in Ankara dem Unternehmen eine dreimonatige vorläufige Gläubigerschutzfrist (Konkordato) gewährt.
Mit dem Zahlungsausfall erleidet Turk Ilac einen schweren Rückschlag, nachdem das Unternehmen während der Corona-Pandemie stark gewachsen war. Infolge der Gerichtsentscheidung setzte die Borsa Istanbul den Handel mit der Aktie vorübergehend aus und stufte das Unternehmen auf die Beobachtungsliste herab.
Um seine Finanzlage zu stabilisieren, erhielt Turk Ilac von der türkischen Kapitalmarktbehörde (SPK) die Genehmigung, das eingetragene Kapital um 376% von 1,57 Milliarden auf 7,5 Milliarden Türkische Lira zu erhöhen.
Zusätzlich belastete eine mehrwöchige Unterbrechung der Serumproduktion im Werk Akyurt wegen Wartungsarbeiten die operative Geschäftsentwicklung und verringerte die kurzfristigen Einnahmen.
Neben der nun ausgefallenen Anleihe verfügt Turk Ilac über zwei weitere ausstehende Anleihen am heimischen Kapitalmarkt.
Wachsende Probleme am türkischen Kapitalmarkt
Der Zahlungsausfall reiht sich in eine zunehmende Zahl finanzieller Schwierigkeiten börsennotierter Unternehmen an der Borsa Istanbul ein. Hohe Zinsen, restriktive Kreditvergabe und das schwierige wirtschaftliche Umfeld zwingen immer mehr Unternehmen dazu, gerichtlichen Gläubigerschutz zu beantragen.
Im Jahr 2025 erreichte die Zahl der eröffneten Konkordato-Verfahren mit 2.817 einen Rekordwert.
Weitere Unternehmen unter Druck
Auch andere börsennotierte Unternehmen kämpfen mit finanziellen Problemen:
- Mega Polietilen beantragte 2024 Gläubigerschutz und schloss das Verfahren im Juni 2025 erfolgreich ab.
- Yesil GYO befindet sich nach mehreren Gerichtsentscheidungen weiterhin in einem Restrukturierungsverfahren.
- Kontrolmatik geriet Anfang Juli mit einer Anleihe in Zahlungsverzug. Bereits zuvor hatte das Unternehmen mehrere Schuldtitel nicht bedient und verhandelt derzeit mit Banken über eine finanzielle Restrukturierung.
- Vestel Elektronik beauftragte kürzlich die Investmentbank Houlihan Lokey mit der Restrukturierung einer 500-Millionen-Dollar-Euroanleihe.
- Borlease Otomotiv befindet sich seit Februar mit Kuponzahlungen auf inländische Lira-Anleihen im Verzug.
Die Entwicklung verdeutlicht den zunehmenden Druck auf viele türkische Unternehmen, deren Finanzierungskosten durch das hohe Zinsniveau und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten deutlich gestiegen sind.


