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Einzelhandel plus 3,8%: Polens Kunden kaufen Autos und Möbel, aber weniger Kleidung
Mitteleuropa · 29.09.2026

Einzelhandel plus 3,8%: Polens Kunden kaufen Autos und Möbel, aber weniger Kleidung

Polens Einzelhandel setzt im August 3,8% mehr um als im Vorjahr. Das meldete das Statistikamt GUS am 22. September, gerechnet in konstanten Preisen. Analysten hatten 4,5% erwartet, so die Umfrage der Agentur PAP Biznes. Gegenüber dem Juli sank der Umsatz um 0,3%. In laufenden Preisen liegt das Plus bei 6,4%.

Langlebige Güter treiben den Umsatz

Kraftfahrzeuge legen um 11,7% zu, Möbel, Elektronik und Haushaltsgeräte um 10,6%. Sonstige Waren wachsen um rund 11%, Arzneimittel und Kosmetik um 6,2%. Der Kraftstoffabsatz steigt um 1,1%, Lebensmittel und Getränke um 1,0%. Kleidung und Schuhe verlieren 2,7%.

Die Polen kaufen also große Anschaffungen, sparen aber beim Alltag. Der Kraftstoffumsatz in laufenden Preisen steigt um mehr als 20%. Fast der ganze Zuwachs geht auf höhere Preise zurück, nicht auf höhere Mengen. Das schreibt das Portal xyz.pl. Teurere Tankfüllungen erhöhen die Umsätze der Tankstellen, ohne dass mehr Kraftstoff fließt.

Saisonbereinigt fällt das Plus höher aus: xyz.pl nennt für August 4,6%. Der Rückgang gegenüber dem Vormonat zeigt also vor allem den Kalendereffekt. Der Trend bleibt intakt, auch wenn er an Schwung verliert.

Bei Kleidung und Schuhen schwächelt die Nachfrage im August. Wer Mode nach Polen liefert, spürt das zuerst. Bei Lebensmitteln bleibt das Wachstum mit 1,0% knapp über null. Der Konsum konzentriert sich damit auf wenige Warengruppen, vor allem auf Autos, Möbel und Elektronik.

Reallöhne wachsen langsamer

Der Ökonom Michał Kulbacki sieht bisher keine Bremswirkung. „Es gibt bislang kein klares Zeichen, dass hohe Kraftstoffpreise den Konsum spürbar dämpfen“, sagte er laut xyz.pl. Das Zitat stammt aus dem englischen Original und ist übersetzt.

Kulbacki warnt zugleich vor der Lohnseite. Die Reallöhne steigen nur noch um 2,1% gegenüber dem Vorjahr. Dieses Tempo trägt den Konsum auf Dauer nur schwach. Die Haushalte haben weniger Spielraum für Zusatzkäufe, sobald die Preise für Energie und Kraftstoff weiter steigen. Im August fiel der Umsatz gegenüber dem Vorjahr schon langsamer aus als im Juli, als GUS ein Plus von 3,9% meldete.

Was das für deutsche Exporteure heißt

Deutsche Autohersteller, Zulieferer und Händler finden in Polen eine stabile Nachfrage. Das gilt auch für Anbieter von Möbeln, Elektronik und Haushaltsgeräten. Bekleidungs- und Lebensmittelexporteure treffen auf einen schwachen Markt. Wer nach Polen liefert, sollte die Lohnentwicklung im Herbst beobachten. Sinken die Reallöhne weiter, trifft es zuerst die teuren Anschaffungen.

Quellen: GUS (PL/EN), PAP Biznes (PL), xyz.pl (EN)

SK, Frankfurt

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