Das Verbrauchervertrauen in Tschechien ist im September um 2,8 Punkte auf 105,1 Punkte gestiegen. Das meldete das tschechische Statistikamt ČSÚ am 24. September. Vor einem Jahr lag der Wert bei 97,9 Punkten. Der Anstieg beendet zwei Monate mit sinkenden Werten.
Die Unternehmen sehen die Lage anders. Ihr Vertrauensindikator fiel um 1,8 Punkte auf 98,4 Punkte. Der Gesamtindikator sank um 1,0 Punkte auf 99,5 Punkte. Er liegt damit unter seinem langjährigen Durchschnitt.
Handel als einzige Branche mit besserer Stimmung
ČSÚ nennt als Grund für den Anstieg bei den Haushalten die geringere Sorge um die Konjunktur. „Zugleich stieg leicht der Anteil der Befragten, die in den nächsten zwölf Monaten eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage erwarten“, sagte Anastasija Neradová aus der Abteilung für Konjunkturumfragen des ČSÚ.
Die Preiserwartungen der Haushalte blieben dagegen hoch. Die Sorge vor steigenden Preisen und vor mehr Arbeitslosigkeit änderte sich laut ČSÚ gegenüber August kaum. Der Anteil der Verbraucher, die keine größeren Anschaffungen planen, sank nur geringfügig.
Bei den Unternehmen hellte sich die Stimmung nur im Handel auf. „Das Vertrauen der Unternehmer in die Wirtschaft sank im September in allen beobachteten Branchen mit Ausnahme des Handels“, sagte Jiří Obst, Leiter der Abteilung für Konjunkturumfragen des ČSÚ. Vor allem die Nachfrage in der Industrie ging deutlich zurück.
Onlinehandel treibt die Umsätze
Die harten Umsatzdaten stützen das Bild. Der Einzelhandel ohne Kfz setzte im Juli real 4,8% mehr um als ein Jahr zuvor. Das meldete ČSÚ am 4. September. Im Juni lag das Plus nach Revision bei 3,4%. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Umsätze um 0,6%.
Der Versand- und Internethandel wuchs um 12,4% und lieferte den größten Beitrag. Lebensmittelgeschäfte mit breitem Sortiment legten um 2,7% zu. Apotheken und Drogerien steigerten ihren Umsatz um 7,8%, Bekleidung und Schuhe um 8,8%. Nur der Handel mit Haushaltswaren verlor.
„Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze stiegen im Juli im Jahresvergleich den 32. Monat in Folge“, sagte Jana Gotvaldová, die bei ČSÚ die Statistik für Handel, Verkehr und Dienstleistungen leitet. Tomáš Prouza, Präsident des Handelsverbands SOCR, sieht die Löhne als Treiber. „Die Löhne steigen schon länger schneller als die Preise“, sagte er am 4. September.
Die Augustdaten zum Einzelhandel veröffentlicht ČSÚ Anfang Oktober. Petr Dufek, Chefökonom der Banka Creditas, erwartet für das Gesamtjahr ein Plus von rund 4%. Für 2027 rechnet er mit etwa 3%, weil die Inflation steigt und die Realeinkommen langsamer wachsen.
Folgen für deutsche Anbieter
Für deutsche Händler und Konsumgüterhersteller bleibt Tschechien ein wachsender Absatzmarkt. Ketten mit deutschen Eigentümern bedienen diese Nachfrage, darunter Kaufland, Lidl, Penny und Globus. Der Onlinehandel wächst mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Dort liegt das größte Potenzial für Markenhersteller. Industriezulieferer sollten dagegen die schwache Nachfrage in der tschechischen Industrie im Blick behalten. Sie trifft Maschinenbau und Vorprodukte zuerst.
Quellen: ČSÚ – Konjunkturumfragen September 2026 (CS), ČSÚ – Einzelhandel Juli 2026 (CS), ČTK (CS), fintag.cz (CS), FXstreet.cz (CS)
SK, Frankfurt


