4,7% mehr als ein Jahr zuvor: So viel produzierte Ungarns Industrie im Juli. Das Statistikamt KSH bestätigte den Wert am Dienstag in seiner zweiten Schätzung. Gegenüber Juni legte die Produktion saison- und arbeitstagsbereinigt um 1,7% zu.
Das Wachstum ruht auf zwei Branchen. „Der Anstieg des Produktionsvolumens ging vor allem auf das Wachstum im Fahrzeugbau und in der Herstellung von Computern, elektronischen und optischen Erzeugnissen zurück, während die Produktion in der Mehrzahl der Teilbereiche des verarbeitenden Gewerbes sank“, schreibt KSH.
Fahrzeugbau trägt das Plus
Der Fahrzeugbau steht für 27,4% des verarbeitenden Gewerbes. Seine Produktion stieg um 18,0%. Die Herstellung von Kraftwagen legte um 35% zu, jene von Teilen und Zubehör nur um 1,5%. Computer, Elektronik und Optik machen 14,7% aus und wuchsen um 19,7%. Innerhalb dieser Gruppe stieg die Fertigung von Computern und Peripheriegeräten um 46%. Elektronische Bauteile und Leiterplatten sanken dagegen um 12,0%.
Die übrigen Zweige schwächeln. Die Herstellung elektrischer Ausrüstungen fiel um 6,0%. Dahinter steht ein Rückgang bei Batterien und Akkumulatoren um 15,2%. Nahrungsmittel, Getränke und Tabak gaben um 2,3% nach. Gummi, Kunststoff und Baustoffe verloren 5,6%, Metallerzeugung und Metallerzeugnisse 3,4%. Am stärksten brach die Herstellung von Koks und Mineralölerzeugnissen ein, um 14,0%.
Auftragsbestand 46% über Vorjahr
Der Export trug das Plus. Die Ausfuhren der Industrie stiegen um 6,3%, der Inlandsabsatz nur um 0,9%. Im Fahrzeugbau wuchsen die Exportverkäufe um 15,7%, bei Computern und Elektronik um 36%.
Die Auftragsbücher deuten auf weiteres Wachstum. Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe lag im Juli 17,8% über dem Vorjahr. Auslandsaufträge legten um 20% zu, Inlandsaufträge um 4,5%. Der Auftragsbestand zum Monatsende übertraf den Vorjahreswert um 46%.
Über sieben Monate fällt die Bilanz nüchterner aus. Von Januar bis Juli wuchs Ungarns Industrieproduktion um 2,7%. Die Exportverkäufe stiegen um 3,3%, der Inlandsabsatz sank um 2,0%. Von dreizehn Teilbereichen des verarbeitenden Gewerbes schrumpften sieben.
Regional klafft die Entwicklung auseinander. Die Nördliche Große Tiefebene meldete ein Plus von 32%, die Region Pest einen Rückgang um 18,3%.
Was das für deutsche Investoren bedeutet: Ungarns Industrie hängt an wenigen Branchen. Deutsche Zulieferer profitieren vom Hochlauf im Fahrzeugbau, spüren aber den Einbruch bei Batterien. Der Rückgang um 15,2% trifft ein Feld, in das europäische und asiatische Hersteller Milliarden investiert haben. Wer in Ungarn fertigt, sollte den Inlandsabsatz im Blick behalten: Er sinkt seit Jahresbeginn um 2,0%. Wachstum kommt derzeit allein aus dem Export.
Quellen: Központi Statisztikai Hivatal, Industrie Juli 2026, zweite Schätzung (EN/HU)
SK, Frankfurt


