Im Westen Kasachstans und Usbekistans rückt eine bislang wenig beachtete Region ins Zentrum neuer Energiehoffnungen. Das Ustyurt-Plateau, eine weitläufige Landschaft zwischen beiden Staaten, könnte sich als eines der spannendsten Explorationsgebiete Zentralasiens erweisen. Und BP positioniert sich dabei zunehmend als treibende Kraft.
Mehrere neue Vereinbarungen und politische Signale deuten darauf hin, dass in der Region größere Erdgas- und Ölvorkommen erschlossen werden könnten. Damit gewinnt nicht nur das Plateau selbst an strategischer Bedeutung. Auch die seit Jahren diskutierte Idee eines transkaspischen Gaskorridors erhält neuen Schub.
BP baut seine Präsenz in der Region derzeit sichtbar aus. Anfang April unterzeichnete eine Tochtergesellschaft des britischen Konzerns gemeinsam mit dem kasachischen Staatsunternehmen KazMunayGaz einen Explorationsvertrag für einen aussichtsreichen Block auf dem Ustyurt-Plateau. Für Astana ist das mehr als ein Routinegeschäft: Die Vereinbarung soll den Auftakt für eine vertiefte Zusammenarbeit bei neuen Förderprojekten markieren.
Parallel dazu verdichten sich auch in Usbekistan die Hinweise auf eine neue energiepolitische Achse. Dort führt BP Gespräche über eine mögliche Beteiligung an Projekten gemeinsam mit Uzbekneftegaz und der aserbaidschanischen SOCAR. Usbekische Regierungsvertreter sprechen bereits offen davon, dass ausländische Investitionen gezielt in die Ustyurt-Region gelenkt werden sollen.
Im Hintergrund steht ein Produktionsbeteiligungsabkommen, das Usbekistan bereits im vergangenen Jahr mit SOCAR geschlossen hatte. Es umfasst die Exploration eines großen Gebiets und die gemeinsame Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger Funde. Als Präsident Shavkat Mirziyoyev kurz darauf von einem „sehr großen Erdgasfeld“ in Ustyurt sprach, wirkte das zunächst wie politische Überhöhung. Die nun laufenden Bemühungen, BP in das Projekt einzubinden, verleihen dieser Ankündigung jedoch neues Gewicht.
Auch nördlich des Plateaus mehren sich die Hinweise auf eine größere energiegeologische Neusortierung. In Kasachstan wurde Anfang April ein großes Onshore-Öl- und Gasvorkommen im Bezirk Schyljoi gemeldet. In kasachischen Medien wird der Fund bereits als „zweites Kashagan“ beschrieben – mit dem entscheidenden Unterschied, dass er an Land liegt und damit deutlich günstiger zu erschließen wäre als das technisch anspruchsvolle Offshore-Feld im Kaspischen Meer.
Gerade dieser Punkt ist für Kasachstan von erheblicher Bedeutung. Während das bestehende Kashagan-Modell stark von früheren Produktionsbeteiligungsabkommen geprägt ist, die dem Staat nur begrenzten Zugriff auf die Exporterlöse ließen, dürfte Astana bei neuen Projekten auf deutlich günstigere Bedingungen drängen. Neue Funde wären damit nicht nur ein geologischer, sondern auch ein finanzpolitischer Gewinn.
Die wirtschaftliche Fantasie reicht jedoch über einzelne Förderfelder hinaus. Mit jedem neuen Explorationsprojekt wächst die Attraktivität eines transkaspischen Exportkorridors, der Gas aus Kasachstan und Turkmenistan über Aserbaidschan nach Europa leiten könnte. Ein solcher Korridor würde an den Südlichen Gaskorridor anschließen und Zentralasien enger an die europäischen Energiemärkte anbinden.
Auch innerhalb von BP scheint diese Perspektive eine Rolle zu spielen. In Aserbaidschan ansässige Unternehmensvertreter sprechen bereits von einem möglichen neuen Energiekorridor, für den Erfahrungen aus bestehenden Projekten im Südkaukasus genutzt werden könnten. Das deutet darauf hin, dass BP nicht nur auf einzelne Felder setzt, sondern die Region als integrierten neuen Energiecluster denkt.
Für Zentralasien eröffnet sich damit ein neues Kapitel. Ustyurt könnte sich vom abgelegenen Grenzraum zu einem geostrategischen Energieknoten entwickeln – vorausgesetzt, die Hoffnungen der Geologen bestätigen sich tatsächlich in wirtschaftlich nutzbaren Mengen.
