Kirgisistans Wirtschaft ist von Januar bis September um 10,8% gewachsen. Das meldete das nationale Statistikkomitee am 15. Oktober. Im Vorjahreszeitraum lag das Plus bei 10,0%. Das nominale Bruttoinlandsprodukt erreichte 1.640,9 Mrd. Som, rund 18,8 Mrd. US-Dollar.
Bau und Industrie treiben das Wachstum
Den größten Anteil an der Wirtschaftsleistung haben die Dienstleistungen mit 48,7%. Die Warenproduktion kommt auf 35,9%, die Nettogütersteuern auf 15,4%. Die Bauleistung stieg auf mehr als das 1,6-Fache des Vorjahres.
Die Industrie legte um 7,0% zu. Chemie, Mineralölverarbeitung, Holz und Papier, Fahrzeugbau und Baustoffe führten das Wachstum an. Die Metallerzeugung schrumpfte. Die Landwirtschaft wuchs um 6,5%, das Gastgewerbe um 8,6% und der Handel um 4,2%. Der Warenhandel mit dem Ausland erreichte von Januar bis August 12 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 13,3%.
Das Tempo war schon im Frühjahr hoch. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 10,1%, wie das Statistikkomitee im April meldete. Die Jahresinflation lag damals bei 11%. Dienstleistungen machten im Quartal mehr als 50% der Leistung aus, heute sind es 48,7%. Die Warenproduktion gewinnt also Gewicht.
Preise ziehen an, der Ausblick kühlt ab
Verbraucherpreise und Tarife lagen im September um 8,1% über dem Stand von Dezember 2025. Die Weltbank erwartet in ihrem Macro Poverty Outlook vom Oktober 9,6% Wachstum für 2026. Für 2027 sagt sie nur noch 7,3% voraus. Die Inflation steigt dagegen: „Die durchschnittliche Jahresinflation in Kirgisistan kann 2027 auf 13,5% steigen, nach erwarteten 12% im Jahr 2026“, heißt es in dem Bericht, hier aus dem russischen Wortlaut übersetzt.
Die Nationalbank Kirgisistans hatte im Mai ein Wachstum von etwa 10% für 2026 prognostiziert. Sie schrieb damals: „Die Wirtschaft wird dank mehrerer Faktoren weiter wachsen.“ Die Septemberdaten bestätigen diese Prognose. Als Preistreiber nannte die Bank höhere Tarife, teurere Importkraftstoffe und steigende Löhne im öffentlichen Dienst.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Der Bauboom schafft Nachfrage nach Baustoffen, Maschinen und Ausrüstung. Deutsche Exporteure sollten dort ansetzen, wo die Industrie wächst: bei Chemie, Holzverarbeitung und Fahrzeugteilen. Die Inflation von etwa 12% verteuert Verträge, die in Som laufen. Lieferanten sichern sich besser mit Euro- oder Dollarpreisen und Vorauszahlung ab. Der Außenhandel wächst mit 13,3% schneller als die Industrie, das stützt die Importnachfrage nach Investitionsgütern.
Quellen: Nationales Statistikkomitee Kirgisistans via Caspian Post/Xinhua (EN), Trading Economics (EN), Weltbank via economist.kg (RU), Nationalbank Kirgisistans via Akchabar (EN)
SK, Frankfurt

