Usbekistan bleibt aus Sicht der Asiatischen Entwicklungsbank einer der dynamischsten Wachstumsmärkte Zentralasiens. Auch in den kommenden zwei Jahren dürfte die Wirtschaft mit fast sieben Prozent pro Jahr expandieren – getragen von Konsum, Investitionen und dem fortgesetzten Umbau des Landes. Doch der optimistische Ausblick hat einen Vorbehalt: Die globalen Risiken nehmen zu, und alte strukturelle Schwächen sind noch längst nicht überwunden.
Im vergangenen Jahr legte die usbekische Wirtschaft nach Einschätzung der ADB um 7,7 Prozent zu und übertraf damit sogar die Erwartungen. Damit setzte sich der kräftige Wachstumskurs fort, nachdem das Bruttoinlandsprodukt bereits 2024 um 6,7 Prozent gestiegen war. Dass die Konjunktur so robust blieb, lag vor allem daran, dass nahezu alle großen Wirtschaftsbereiche gleichzeitig zulegten.
Dienstleistungen, Bau und Konsum treiben den Aufschwung
Am stärksten wuchs erneut der Dienstleistungssektor. Er expandierte um 14,7 Prozent und profitierte vor allem von Handel, Logistik, digitalen Angeboten und dem Tourismus. Auch die Industrie entwickelte sich solide: Ohne das Baugewerbe gerechnet lag das Wachstum bei 6,8 Prozent. Der Bausektor selbst legte sogar um 14,2 Prozent zu, angetrieben von Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur. Selbst die Landwirtschaft, die oft langsamer wächst, kam noch auf ein Plus von 4,4 Prozent.
Für die ADB ist klar: Das Rückgrat dieses Wachstums bleibt die Binnennachfrage. Die realen Einkommen der privaten Haushalte stiegen 2025 um 9,2 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Investitionen um 10,5 Prozent zu. Dabei floss Kapital vor allem in die Industrie, in die Logistik, in Bauprojekte und in die Stadtentwicklung. Getragen wurde diese Dynamik von Unternehmensmitteln, Ersparnissen der Haushalte und ausländischen Direktinvestitionen.
Auch der Konsum zog weiter an. Der bargeldlose Online-Umsatz stieg kräftig, ebenso die Erlöse im Handel und bei Finanzdienstleistungen. Damit zeigt sich, dass die usbekische Wirtschaft nicht nur von einzelnen Großprojekten lebt, sondern auch von einer breiter werdenden wirtschaftlichen Aktivität im Inland.
ADB-Landesdirektorin Kanokpan Lao-Araya sieht das Land deshalb in einer vergleichsweise starken Ausgangsposition. Die eigentliche Herausforderung bestehe nun darin, aus dem aktuellen Schwung ein produktiveres, stärker privatwirtschaftlich getragenes Wachstum zu machen.
Solide Daten – aber kein Selbstläufer
Für 2026 und 2027 erwartet die ADB zwar ein etwas geringeres, aber weiterhin sehr hohes Wachstum von 6,7 beziehungsweise 6,8 Prozent. Diese Prognosen beruhen allerdings auf Annahmen, die bereits im März getroffen wurden – zu einem Zeitpunkt, als viele Beobachter noch von einer baldigen Stabilisierung der Lage im Nahen Osten ausgingen. Inzwischen ist diese Hoffnung deutlich fragiler geworden. Damit steht auch der äußere Rahmen, auf dem Teile der Prognose beruhen, unter Vorbehalt.
Trotzdem zeigen die makroökonomischen Daten zunächst eine Verbesserung. Die Inflation sank 2025 schneller als erwartet auf 7,3 Prozent, nach 9,8 Prozent im Vorjahr. Dazu trugen eine straffere Geldpolitik, ein festerer Wechselkurs und sinkender Kostendruck bei. In den kommenden Jahren dürfte sich die Teuerung weiter abschwächen. Die ADB rechnet mit 6,5 Prozent im Jahr 2026 und einer schrittweisen Annäherung an das Inflationsziel der Zentralbank von 5 Prozent bis 2027. Ganz risikofrei ist das jedoch nicht: Höhere Energietarife oder Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln könnten die Disinflation bremsen.
Auch die Haushaltslage entwickelte sich günstiger. Das Defizit sank von 4,0 auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, obwohl der Staat seine Sozialausgaben nicht zurückfuhr. Gleichzeitig verbesserte sich die Außenwirtschaft: Die Exporte stiegen stark, die Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten legten deutlich zu, und das Leistungsbilanzdefizit verringerte sich auf rund 2,5 Prozent des BIP. Die Währungsreserven blieben auf hohem Niveau, gestützt durch Einnahmen aus Handel, Tourismus und Überweisungen.
Goldabhängigkeit und Reformdruck bleiben
Gerade hier beginnt jedoch die zweite, weniger komfortable Seite des Ausblicks. Denn trotz aller Fortschritte bleibt Usbekistan stark von Goldexporten abhängig. Fast ein Drittel der gesamten Ausfuhren entfiel im vergangenen Jahr auf das Edelmetall. Damit bleibt die Wirtschaft anfällig für Schwankungen auf den Rohstoffmärkten.
Die ADB macht deshalb deutlich, worauf es nun ankommt: auf eine schnellere Reform staatlicher Unternehmen, auf modernere Regulierung und auf einen zügigen Beitritt zur Welthandelsorganisation. Ein WTO-Beitritt könnte Reformen institutionell absichern, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und hochwertigere Investitionen anziehen. Ohne diese Schritte droht das Wachstum zwar hoch zu bleiben, aber strukturell weniger belastbar zu sein.
Hinzu kommen die bekannten externen Risiken: volatile Finanzmärkte, Unsicherheit im Welthandel, mögliche Belastungen aus dem Staatssektor und anhaltende geopolitische Spannungen. All das kann ein Land wie Usbekistan, das stark auf Offenheit, Kapitalzuflüsse und stabile Rahmenbedingungen angewiesen ist, empfindlich treffen.
Im regionalen Vergleich steht Usbekistan dennoch weiterhin gut da. Für Zentralasien insgesamt erwartet die ADB 2026 ein Wachstum von 4,2 Prozent und 2027 von 4,4 Prozent. Usbekistan wächst damit klar über dem regionalen Durchschnitt – und bleibt einer der wichtigsten Motoren der Region.
