Usbekistan wagt den Schritt auf die internationalen Kapitalmärkte – und kann dabei auf prominente Unterstützung zählen. Zu den Investoren, die den geplanten Börsengang des Nationalen Investitionsfonds UzNIF begleiten, gehört auch der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock.
Wie der Fonds mitteilte, haben mehrere große institutionelle Investoren sogenannte Eckpfeilervereinbarungen unterzeichnet. Neben BlackRock zählen dazu auch Fonds von Franklin Resources, Redwheel sowie zwei Tochtergesellschaften der Allan & Gill Gray Foundation. Solche Vereinbarungen gelten als wichtiges Signal für die Platzierung, da sie frühzeitig Nachfrage absichern.
Insgesamt beläuft sich das Volumen dieser Zusagen auf rund 300 Millionen US-Dollar in Form von Global Depositary Receipts (GDRs). Dabei handelt es sich um Zertifikate, die Aktien repräsentieren und an internationalen Börsen gehandelt werden können.
Der geplante Börsengang soll sowohl Stammaktien als auch GDRs umfassen und parallel an der Londoner Börse sowie in Taschkent stattfinden. UzNIF bestätigte, dass die Transaktion weiter voranschreitet.
Strategischer Schritt auf internationale Märkte
Hinter dem Fonds steht vollständig der usbekische Staat: Alleiniger Anteilseigner ist das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. UzNIF wurde erst im August 2024 per Präsidialerlass gegründet. Ziel ist es, staatliche Vermögenswerte effizienter zu verwalten, die Unternehmensführung zu verbessern und die Transformation staatlicher Unternehmen voranzutreiben.
Ende 2025 hielt der Fonds Minderheitsbeteiligungen an 13 Unternehmen aus zentralen Sektoren wie Luftfahrt, Energie, Telekommunikation und Bankwesen. Der Gesamtwert dieser Beteiligungen lag bei rund 2,44 Milliarden US-Dollar.
Das Portfolio ist stark auf Infrastruktur ausgerichtet. Den größten Anteil nimmt der Transportsektor mit 32,4 Prozent ein, gefolgt von Energieerzeugung (19,1 Prozent), Telekommunikation (15,2 Prozent), Versorgungswirtschaft (14,9 Prozent) und dem Bankensektor (13,4 Prozent).
Zu den wichtigsten Beteiligungen gehören unter anderem Uzbekistan Airways, Uzbekhydroenergo, Uzbektelecom, das nationale Stromnetz sowie mehrere regionale Versorgungsunternehmen und Banken.
Internationale Partner begleiten den Börsengang
Für die operative Vorbereitung setzt Usbekistan auf internationale Expertise. Der Fonds wird von einer lokalen Einheit von Franklin Templeton verwaltet. Der US-Vermögensverwalter soll unter anderem Governance-Strukturen verbessern, internationale Rechnungslegungsstandards einführen und ausgewählte Beteiligungen für Kapitalmarkttransaktionen vorbereiten.
Auch bei der Platzierung arbeitet UzNIF mit internationalen Finanzhäusern zusammen. Jefferies übernimmt die Rolle des globalen Koordinators. Unterstützt wird die Transaktion von weiteren Banken, darunter die Abu Dhabi Commercial Bank, Raiffeisen Bank International sowie mehrere regionale Investmenthäuser für die inländische Platzierung.
Die Regierung plant, den Börsengang als Auftakt eines breiteren Privatisierungsprogramms zu nutzen. Bis 2028 sollen mehrere große Staatsunternehmen schrittweise an die Börse gebracht werden – darunter die nationale Fluggesellschaft, der Stromnetzbetreiber und der Telekommunikationsanbieter.
Preisfindung steht noch aus
Die angebotenen Wertpapiere werden internationalen Investoren über etablierte Strukturen zugänglich gemacht. In den USA richtet sich das Angebot an qualifizierte institutionelle Investoren nach Rule 144A, außerhalb der USA erfolgt es im Rahmen von Offshore-Transaktionen gemäß Regulation S.
Der endgültige Ausgabepreis sowie die Aufteilung zwischen inländischer und internationaler Tranche sollen im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens festgelegt werden. Die Preisfindung wird für Mitte Mai erwartet, der Handelsstart an den Börsen in London und Taschkent könnte kurz darauf folgen.
Das internationale Angebot beinhaltet zudem eine Mehrzuteilungsoption von bis zu 15 Prozent der GDRs – ein übliches Instrument, um die Kursentwicklung nach dem Börsengang zu stabilisieren.
Mit dem geplanten IPO testet Usbekistan erstmals in größerem Umfang die Aufnahmefähigkeit internationaler Kapitalmärkte – und versucht gleichzeitig, Investoren enger an die wirtschaftliche Transformation des Landes zu binden.
