Usbekistan will seinen Staatsfonds UzNIF an die Börse bringen. Der Fonds prüft einen gleichzeitigen Börsengang in London und Taschkent. Damit würde das Land sein Reformtempo am Kapitalmarkt deutlich erhöhen.
UzNIF kündigte am 9. April an, sowohl Stammaktien als auch Global Depositary Receipts platzieren zu wollen. So könnte der Fonds internationale und heimische Investoren zugleich ansprechen.
Ein Fonds für die Privatisierung
Der Staat gründete UzNIF erst im August 2024 per Präsidialerlass. Seitdem soll der Fonds die wirtschaftliche Modernisierung vorantreiben, die Unternehmensführung verbessern und staatliche Beteiligungen auf Kapitalmarktreife trimmen.
Ende 2025 hielt UzNIF Minderheitsanteile an 13 Unternehmen. Diese stammen aus den Bereichen Luftfahrt, Energie, Telekommunikation, Versorgung und Bankwesen. Das Nettovermögen des Portfolios lag bei rund 2,44 Milliarden US-Dollar.
Alleiniger Eigentümer bleibt das usbekische Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. Die Einnahmen aus dem Börsengang würden direkt an den Staat fließen. Der Fonds selbst bekäme dieses Geld nicht.
Fokus auf Infrastruktur und Versorger
Das Portfolio konzentriert sich stark auf infrastrukturlastige Branchen. Der Transportsektor macht mit 32,4 Prozent den größten Anteil aus. Dahinter folgen Energieerzeugung mit 19,1 Prozent, Telekommunikation mit 15,2 Prozent, Versorgungswirtschaft mit 14,9 Prozent und Bankwesen mit 13,4 Prozent.
Zu den wichtigsten Beteiligungen zählen Uzbekistan Airways, Uzbekhydroenergo, Uzbektelecom, die Eisenbahninfrastrukturgesellschaft und die Sanoatqurilishbank. Hinzu kommen Stromnetzbetreiber, Gasversorger, Wasserversorger und Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs.
Franklin Templeton bereitet den Fonds vor
Eine lokale Tochter von Franklin Templeton verwaltet den Fonds. Der US-Vermögensverwalter betreut weltweit rund 1,74 Billionen US-Dollar. In Usbekistan soll er die Governance verbessern, internationale Rechnungslegung einführen und ausgewählte Beteiligungen auf einen Börsengang vorbereiten.
Marius Dan, Zentralasien-Chef von Templeton Global Investments, sieht in UzNIF ein strategisches Vehikel für die Reformagenda des Landes. Der Börsengang könne internationalen Anlegern erstmals einen breiteren Zugang zur usbekischen Wirtschaft eröffnen. Zugleich würde er den lokalen Kapitalmarkt deutlich aufwerten.
London für das Ausland, Taschkent für den Heimatmarkt
Wenn die Regierung grünes Licht gibt, teilt UzNIF die Platzierung in zwei Teile. In Taschkent soll eine inländische Tranche an den Markt gehen. Parallel dazu würde eine internationale Platzierung institutionelle Investoren im Ausland ansprechen.
Die internationale Emission dürfte Jefferies koordinieren. Auch die Abu Dhabi Commercial Bank und die Raiffeisen Bank International sollen daran mitwirken. Für die lokale Tranche sind usbekische Investmenthäuser vorgesehen.
Die IPO-Pläne passen in ein größeres Privatisierungsprogramm. Bis 2028 will die Regierung mehrere Portfoliounternehmen des Fonds an die Börse bringen. Dazu gehören die nationale Fluggesellschaft, der Stromnetzbetreiber und der Telekommunikationsanbieter.
Die wirtschaftliche Lage unterstützt diese Pläne. Für 2025 rechnen viele Beobachter mit einem realen BIP-Wachstum von rund 7,7 Prozent. Vor allem die Binnennachfrage, höhere Investitionen und die marktorientierten Reformen seit 2017 treiben diese Entwicklung.
Bis 2030 will die Regierung die Wirtschaftsleistung auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar steigern. UzNIF soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Dividenden und Spielraum für Investoren
Der Fonds will den Wert seines Portfolios aktiv steigern. Dafür setzt er auf Managementverbesserungen und gezielte Börsengänge. Gleichzeitig strebt er bis 2030 eine Dividendenausschüttungsquote von mindestens 50 Prozent über alle Beteiligungen hinweg an.
Erste Dividenden könnten ab 2027 fließen. Voraussetzung bleibt, dass die Beteiligungen profitabel arbeiten.
Das Angebot könnte außerdem eine Mehrzuteilungsoption von bis zu 15 Prozent der GDRs enthalten. Diese Option soll den Handel nach dem Börsengang stabilisieren. Konkrete Angaben zu Preis und Zeitplan fehlen noch. Diese Details will der Fonds später in einem Prospekt veröffentlichen.
Für Privatanleger dürfte das Zeichnungsfenster eher knapp ausfallen. Wer sich beteiligen will, sollte sich daher früh vorbereiten und rechtzeitig ein Wertpapierdepot eröffnen.
