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Aserbaidschan investiert 3 Milliarden Dollar in die Modernisierung der Landwirtschaft
Aserbaidschan · 12.06.2026

Aserbaidschan investiert 3 Milliarden Dollar in die Modernisierung der Landwirtschaft

Mit einem neuen Agrarprogramm will Aserbaidschan seine Landwirtschaft effizienter und exportorientierter gestalten.

Aserbaidschan hat ein umfassendes Programm zur Modernisierung seines Agrarsektors aufgelegt. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 sollen insgesamt 5 Milliarden Manat (rund 2,94 Milliarden US-Dollar) investiert werden. Die Finanzierung soll sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Mitteln erfolgen. Ziel des Programms ist es, die Wertschöpfung in der Landwirtschaft zu steigern, die Bewässerungsinfrastruktur auszubauen, die Landnutzung effizienter zu gestalten und die Exporte deutlich zu erhöhen.

Nach Angaben von Bagish Ahmadov, Berater des Zentrums für Wirtschaftsreformanalyse und Kommunikation, soll die Wertschöpfung in Landwirtschaft, Fischerei, Aquakultur und Lebensmittelverarbeitung bis 2030 um 10% gegenüber dem Niveau von 2025 steigen. Gleichzeitig wird ein Anstieg der Exporte von Agrar-, Fischerei- und Verarbeitungsprodukten um 33,8% erwartet.

Von den geplanten Investitionen sollen 2 Milliarden Manat aus staatlichen Mitteln stammen, während weitere 3 Milliarden Manat durch private Investitionen mobilisiert werden sollen. Die Regierung setzt dabei verstärkt auf öffentlich-private Partnerschaften.

Landwirtschaftsminister Majnun Mammadov verwies auf strukturelle Probleme der aktuellen Agrarproduktion. Zwar entfallen rund 74% der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf Getreide- und Futterpflanzen, diese erzeugen jedoch lediglich etwa 11% des Produktionswertes. Künftig soll die Landwirtschaft stärker auf ertragreichere und höherwertige Kulturen ausgerichtet werden. Gleichzeitig betonte Mammadov die Bedeutung der Getreideproduktion für die Ernährungssicherheit des Landes. Ziel sei nicht die Ausweitung der Anbauflächen, sondern höhere Erträge pro Hektar.

Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf dem Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur. Nach Angaben der staatlichen Wasserbehörde sollen in diesem Jahr mehr als 1,5 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Flächen bewässert und rund 6,8 Milliarden Kubikmeter Wasser bereitgestellt werden.

Zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten zählt der neue Schirwan-Bewässerungskanal. Das 204 Kilometer lange Projekt soll die Wasserversorgung von rund 112.000 Hektar bestehender Anbauflächen verbessern und zusätzlich mehr als 100.000 Hektar neues Agrarland erschließen.

Darüber hinaus arbeitet die Regierung an einer umfassenden Digitalisierung des Wassermanagements. Geodaten zu Grundstücken, Bewässerungsanlagen und Entwässerungssystemen sollen in einer einheitlichen digitalen Plattform zusammengeführt werden. Echtzeitüberwachung und elektronische Verwaltungssysteme sollen die Effizienz der Wasserverteilung verbessern.

Ein weiteres Ziel des Programms ist die Ausweitung der bewässerten Flächen auf insgesamt 300.000 Hektar. Gleichzeitig sollen internationale Erfahrungen aus Ländern wie Israel, der Türkei, Norwegen und Vietnam genutzt werden, um die Produktivität in Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur zu steigern.

Auch die Viehwirtschaft soll gestärkt werden. Geplant ist die Wiederherstellung von 480.000 Hektar Weideland. Neue Förderprogramme sollen unter anderem Schlachtbetriebe, die industrielle Milchverarbeitung sowie erstmals auch die Produktion von Wolle und Tierhäuten unterstützen.

Experten sehen zudem großes Potenzial in der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Als Beispiel wurde die Granatapfelproduktion genannt. Obwohl Aserbaidschan zu den weltweit führenden Produzenten zählt, werden die Früchte bislang überwiegend unverarbeitet exportiert. Verarbeitete Produkte könnten deutlich höhere Erlöse erzielen und die Wertschöpfung erhöhen.

Neben Investitionen plant die Regierung mehrere Gesetzesreformen. Vorgesehen sind ein neues Landwirtschaftsgesetz, eine Modernisierung des Fischereirechts, ein überarbeitetes Saatgutgesetz sowie die Einführung eines Lagerquittungssystems. Letzteres soll Landwirten ermöglichen, gelagerte Agrarprodukte als Sicherheiten für Kredite zu nutzen und damit den Zugang zu Finanzierungsmitteln zu verbessern.

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