Georgiens Exporte wuchsen von Januar bis August um 22,1% auf 5,42 Mrd. US-Dollar. Das meldet das nationale Statistikamt Geostat. Die Importe legten im selben Zeitraum nur um 3,4% auf 12,50 Mrd. US-Dollar zu. Das Handelsdefizit beträgt 7,08 Mrd. US-Dollar. Es entspricht 39,5% des gesamten Handelsumsatzes von 17,93 Mrd. US-Dollar, der um 8,4% stieg.
Autos und Mineralöl tragen die Ausfuhren
Kraftfahrzeuge bilden die größte Exportposition: 1,35 Mrd. US-Dollar oder 24,9% der Ausfuhren. Mineralölprodukte folgen mit 688,9 Mio. US-Dollar oder 12,7%. Edelmetallerze kommen auf 403,1 Mio. US-Dollar oder 7,4%.
Die wichtigsten Abnehmer sind Kirgistan mit 577,6 Mio. US-Dollar, China mit 543,7 Mio. und Russland mit 500,7 Mio. Die zehn größten Märkte nehmen 68,8% der Exporte ab.
Die Analysten von TBC Capital rechnen vor, dass Mineralölprodukte 14,2 Prozentpunkte zum Exportwachstum beitragen. Das sind 64% des gesamten Zuwachses. Ohne diese Position wäre das Plus deutlich kleiner.
Auf der Einfuhrseite liegen ebenfalls Autos vorn: 2,36 Mrd. US-Dollar oder 18,9% der Importe. Es folgen Mineralölprodukte mit 1,16 Mrd. US-Dollar und Arzneimittel mit 468,4 Mio. US-Dollar. Wichtigste Lieferanten sind die Türkei mit 1,92 Mrd. US-Dollar, Russland mit 1,53 Mrd. und die USA mit 1,51 Mrd.
Das Wachstum verlangsamt sich
Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs laut Geostat im zweiten Quartal um 6,9%. Im ersten Quartal waren es noch 9,0%. Für das erste Halbjahr nennt TBC Capital 7,8% nach 8,6% im Vorjahreszeitraum.
Den Dienstleistungen verdankt Georgien rund 96% des realen Wachstums. Der IKT-Sektor allein steuert nach Berechnung von TBC Capital „fast 29% des realen BIP-Wachstums“ bei, mehr als doppelt so viel wie der nächstgrößte Sektor. Bau und Landwirtschaft bremsten dagegen. Beide lieferten negative Beiträge.
Schwächer entwickeln sich die Auslandsüberweisungen. Schnelle Geldtransfers sanken im August um 8,2% zum Vorjahresmonat. Die Transfers aus Russland fielen gegenüber Juli um 88% auf 5,1 Mio. US-Dollar. TBC Capital führt das auf die Sanktionen gegen den Zahlungsdienst Zolotaya Korona zurück.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Georgien importiert Waren für 12,5 Mrd. US-Dollar in acht Monaten, vor allem Fahrzeuge, Kraftstoffe und Arzneimittel. Deutsche Autozulieferer und Pharmahersteller finden dort einen Markt, der trotz langsamerem Wachstum um mehr als 6% zulegt. Wer liefert, prüft Zahlungswege und Zwischenhändler: Der Anteil Russlands an Handel und Überweisungen bleibt hoch, und die Sanctions Compliance verlangt saubere Belege. Investoren finden im IKT-Sektor den stärksten Wachstumstreiber.
Quellen: Geostat (EN), TBC Capital via Georgia Today (EN), Sova News zu Geostat (EN)
SK, Frankfurt

