Die polnischen Exporte von Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen in die Mercosur-Staaten sind im Mai – dem ersten Monat der vorläufigen Anwendung des EU-Mercosur-Handelsabkommens – im Jahresvergleich um 28% auf 5,9 Millionen Euro gestiegen. Gleichzeitig gingen die Importe aus dem südamerikanischen Staatenbund um 13,3% auf rund 141 Millionen Euro zurück. Das geht aus vorläufigen Daten des polnischen Landwirtschaftsministeriums hervor, die am 23. Juli veröffentlicht wurden.
Zu den wichtigsten polnischen Exportgütern zählten Brot- und Backwaren, Süßwaren, Malzgetränke sowie Schokolade. Die Importe wurden dagegen vor allem von Sojaschrot, Kaffee, Tabak, Erdnüssen und Orangensaft bestimmt.
„Dies ist das Ergebnis unserer Maßnahmen und einer diplomatischen Offensive mit dem Ziel, neue Absatzmärkte für polnische Lebensmittel zu erschließen“, erklärte Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski laut der staatlichen Nachrichtenagentur PAP.
Mercosur spielt bislang nur eine geringe Rolle für Polens Exporte
Im Jahr 2025 exportierte Polen Agrar- und Lebensmittelprodukte im Wert von 83,9 Millionen Euro in die Mercosur-Staaten. Damit entfielen lediglich 0,14% der gesamten polnischen Agrarexporte auf diesen Markt. Demgegenüber standen Importe im Wert von 1,713 Milliarden Euro, was mehr als 4,4% aller Agrarimporte Polens entsprach.
Die Europäische Union sowie Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay unterzeichneten das Partnerschafts- und Handelsabkommen am 17. Januar, nachdem bereits im Dezember 2024 eine politische Einigung erzielt worden war. Die Verhandlungen hatten bereits 1999 begonnen.
Die EU-Mitgliedstaaten stimmten der Unterzeichnung mit qualifizierter Mehrheit zu. Polen, Frankreich, Irland, Ungarn und Österreich lehnten das Abkommen ab, Belgien enthielt sich.
Seit dem 1. Mai gelten die handelsbezogenen Bestimmungen des Abkommens vorläufig. Für das vollständige Inkrafttreten des Partnerschaftsabkommens ist jedoch weiterhin die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente erforderlich.
Polen hält an seiner Kritik fest
Die polnische Regierung lehnt das Abkommen weiterhin ab.
„Polen hat sich von Beginn an gegen das Inkrafttreten des Abkommens in seiner jetzigen Form ausgesprochen und als einziger Mitgliedstaat das Verfahren zu seiner Annahme vor dem Gerichtshof der Europäischen Union angefochten“, sagte Krajewski.
Bereits vor der Unterzeichnung hatten polnische Bauernverbände landesweite Proteste und einen Demonstrationszug in Warschau organisiert. Sie befürchten, dass günstigere Importe von Rindfleisch, Geflügel und Zucker, die unter anderen Umwelt-, Pestizid- und Tierschutzstandards produziert werden, den Wettbewerb zulasten heimischer Erzeuger verzerren könnten.
EU setzt auf Schutzmechanismen
Befürworter des Abkommens argumentieren hingegen, dass der Abbau von Zöllen neue Exportchancen für europäische und polnische Agrarprodukte eröffnen werde.
Um die heimische Landwirtschaft zu schützen, hat die EU Importkontingente festgelegt. Diese betragen 99.000 Tonnen Rindfleisch, 180.000 Tonnen Geflügel und 25.000 Tonnen Schweinefleisch pro Jahr. Sämtliche Einfuhren müssen den EU-Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit entsprechen.
Darüber hinaus sieht das Abkommen Schutzmechanismen vor. Überschreiten die Einfuhren bestimmter Produkte einen Schwellenwert von 5% über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, kann die EU Untersuchungen einleiten und innerhalb von 21 Tagen Notfallmaßnahmen zum Schutz des Binnenmarktes ergreifen.


