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Polens Einzelhandel beschleunigt sich im Juni
Mitteleuropa · 22.07.2026

Polens Einzelhandel beschleunigt sich im Juni

Die Einzelhandelsumsätze in Polen legten im Juni deutlich stärker zu als erwartet. Analysten sehen darin ein positives Signal für Konsum und Wirtschaftswachstum.

Die Einzelhandelsumsätze in Polen sind im Juni gegenüber dem Vorjahr real um 6,2% gestiegen, nachdem sie im Mai um 3,0% zugelegt hatten. Das teilte das polnische Statistikamt GUS am 22. Juli mit.

Die Juni-Daten lagen rund einen Prozentpunkt über den Konsensprognosen. Dazu trug unter anderem die höhere Zahl der Handelstage im Vergleich zum Vorjahresmonat bei. Das kräftige Konsumwachstum überrascht viele Analysten, da sich das reale Einkommenswachstum der privaten Haushalte zuletzt deutlich abgeschwächt hat.

„Trotz eines deutlich verlangsamten realen Einkommenswachstums, das auf geringere nominale Lohnzuwächse und einen unerwarteten Anstieg der Inflation zurückzuführen ist, beschleunigen sich die Einzelhandelsumsätze“, erklärte die Bank Pekao. Nach Einschätzung der Analysten ging das reale Lohnwachstum im ersten Halbjahr bereits um rund einen Prozentpunkt zurück und könnte sich in den kommenden Monaten weiter abschwächen.

Gleichzeitig wertet Pekao die aktuellen Zahlen als positives Signal für den privaten Konsum.

„Die Juni-Umsätze lassen auf einen stärkeren privaten Konsum schließen als noch vor einigen Monaten erwartet. Dennoch gehen wir weiterhin davon aus, dass sich das Konsumwachstum im Jahresverlauf abschwächen wird.“

Breites Wachstum in nahezu allen Segmenten

Nach Angaben von GUS verzeichneten im Juni alle acht Hauptsegmente des Einzelhandels Zuwächse gegenüber dem Vorjahr, nachdem im Mai lediglich sechs Bereiche gewachsen waren. Besonders stark entwickelten sich langlebige Konsumgüter sowie Lebensmittel.

Der Umsatz mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren stieg um 1,7%, nachdem er im Mai noch um 2,8% gesunken war.

Besonders kräftig legte der Absatz von Möbeln, Audio- und Videogeräten sowie Haushaltsgeräten zu. Er stieg um 14,8% gegenüber dem Vorjahr, nach 4,5% im Mai.

Auch der Verkauf von Autos und Autoteilen beschleunigte sich deutlich und wuchs um 9,6%, verglichen mit 2,1% im Vormonat.

Der Kraftstoffabsatz erhöhte sich um 9,0%, nach 9,9% im Mai. Die Umsätze mit Arzneimitteln und Kosmetika stiegen um 10,2%.

Im Bereich Textilien, Bekleidung und Schuhe betrug das Wachstum 3,3%, während die Kategorie Presse und Bücher nach dem Rückgang im Mai wieder um 3,0% zulegte. Das Segment Sonstige Waren verzeichnete ein Plus von 9,9%.

Positive Signale auch im Monatsvergleich

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Einzelhandelsumsätze zu konstanten Preisen im Juni um 1,4%, nachdem sie im Mai um 1,7% zurückgegangen waren.

Zu laufenden Preisen erhöhten sich die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 6,8%, nach 4,4% im Mai. Gegenüber dem Vormonat ergab sich ein leichtes Plus von 0,2%, nachdem im Mai noch ein Rückgang von 2,0% verzeichnet worden war.

Auch die saisonbereinigten Daten fielen positiv aus. Sie zeigen einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 4,7% gegenüber dem Vorjahr sowie ein Plus von 1,7% gegenüber Mai.

Konsum bleibt wichtige Stütze der Wirtschaft

Nach Einschätzung der Bank Millennium bestätigen die aktuellen Zahlen eine Beschleunigung des polnischen Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal.

„Die Einzelhandelsumsätze im Juni stützen unsere Einschätzung, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf rund 3,7% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, nach 3,5% im ersten Quartal“, erklärte die Bank.

Die Analysten gehen davon aus, dass der private Konsum auch in den kommenden Quartalen eine tragende Säule der Wirtschaft bleiben wird, auch wenn sich das Wachstum bei rund 3% stabilisieren dürfte. Gleichzeitig dürften Investitionen – insbesondere durch EU-Fördermittel – zunehmend zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Als größtes Risiko für den weiteren Konjunkturverlauf nennt Millennium weiterhin das geopolitische Umfeld.

Zinssenkungen vorerst nicht erwartet

Nach Einschätzung der Bank Millennium ändern die jüngsten Konjunkturdaten nichts an den Erwartungen für die Geldpolitik.

Die Analysten gehen weiterhin davon aus, dass die polnische Nationalbank ihren Leitzins in den kommenden Monaten unverändert lassen wird.

Die Zentralbank hatte den Leitzins in diesem Jahr einmal um 25 Basispunkte auf 3,75% gesenkt – den niedrigsten Stand seit März 2022 – und ihn seitdem auf vier aufeinanderfolgenden Sitzungen unverändert belassen.

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