Der Ausbau der Offshore-Windkraft in Polen könnte künftig den steigenden Strombedarf von Rechenzentren und Anwendungen der künstlichen Intelligenz decken. Das erklärte Premierminister Donald Tusk am 10. Juli. Zugleich betonte er, dass Strom aus Offshore-Windparks wettbewerbsfähig bleiben müsse, um Investitionen langfristig attraktiv zu machen.
Offshore-Windkraft als Grundlage für die Digitalisierung
„Diese Größenordnung erlaubt es uns, ambitioniert über Projekte nachzudenken, die für die Entwicklung künstlicher Intelligenz, des gesamten Cyberspace und von Rechenzentren unerlässlich sind“, sagte Tusk laut der staatlichen Nachrichtenagentur PAP während einer Pressekonferenz im nordpolnischen Choczewo.
Seine Aussagen erfolgten anlässlich der ersten Stromeinspeisung des Offshore-Windparks Baltic Power in das polnische Stromnetz über das Umspannwerk Choczewo.
Wettbewerbsfähige Strompreise bleiben entscheidend
Nach Angaben des Premierministers wird Polens wachsende Wirtschaft künftig deutlich mehr Strom benötigen. Deshalb setzt die Regierung auf einen diversifizierten Energiemix, bei dem erneuerbare Energien eine zentrale Rolle spielen.
Für die zweite Ausbauphase der Offshore-Windenergie werde jedoch vor allem der Strompreis ausschlaggebend sein.
„Ich bin sehr zufrieden mit diesen Erfolgen auf See. Offshore-Windenergie ist eine Quelle der Zufriedenheit und des Stolzes, aber Investoren müssen bedenken, dass dieser Strom wettbewerbsfähig sein muss“, erklärte Tusk.
Baltic Power liefert Strom für Millionen Haushalte
Baltic Power ist ein Gemeinschaftsprojekt des polnischen Energiekonzerns Orlen und des kanadischen Unternehmens Northland Power. Nach der vollständigen Inbetriebnahme aller 76 Windturbinen wird der Windpark über eine installierte Leistung von rund 1,2 GW verfügen. Bislang wurden 54 Turbinen errichtet.
Der Windpark soll jährlich rund vier Terawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht etwa drei Prozent des derzeitigen polnischen Stromverbrauchs beziehungsweise dem Bedarf von mehr als 1,5 Millionen Haushalten.
Darüber hinaus könnte Baltic Power die CO₂-Emissionen der polnischen Stromerzeugung gegenüber konventionellen Energiequellen um bis zu 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren.
Offshore-Ausbau und Kernenergie
Baltic Power ist das erste von mehreren Offshore-Projekten, die künftig über Choczewo an das Stromnetz angeschlossen werden sollen. Die dort entstehende Infrastruktur soll langfristig Strom aus sechs Offshore-Windparks mit einer Gesamtleistung von mehr als 6 GW aufnehmen – mehr als die Leistung des Braunkohlekraftwerks Bełchatów.
Polen plant, seine Offshore-Windkraftkapazität bis 2030 auf rund 5,9 GW auszubauen. Bis 2040 soll sie auf etwa 18 GW steigen.
Parallel dazu entsteht in Choczewo auch Polens erstes Kernkraftwerk, dessen Inbetriebnahme für das Ende der 2030er Jahre vorgesehen ist.


