Tschechiens Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 1,9% gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber dem ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,4% zu. Das meldete das tschechische Statistikamt ČSÚ am 28. August. Die Behörde korrigierte damit ihre Schnellschätzung von Ende Juli nach unten, die noch 2,0% ausgewiesen hatte.
Den größten Schub lieferten die Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen binnen eines Jahres um 7,1% und trugen 1,7 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Die Konsumausgaben der Haushalte wuchsen um 2,7% und steuerten 1,1 Prozentpunkte bei. Der Staatsverbrauch legte um 1,0% zu. Gebremst hat der Lagerabbau: Die Vorratsveränderung zog 1,3 Prozentpunkte ab.
Industrie und Handel tragen die Wertschöpfung
Die Bruttowertschöpfung stieg im Quartalsvergleich um 0,4%. Die Industrie legte um 0,9% zu, Geldwesen und Versicherungen um 2,7%, die Immobilienwirtschaft um 0,6%. Auch der Bau wuchs, um 0,3%. Im Jahresvergleich stieg die Wertschöpfung um 1,8%. Die Industrie trug dazu 0,4 Prozentpunkte bei, die Gruppe aus Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie ebenfalls 0,4 Prozentpunkte, Information und Kommunikation 0,3 Prozentpunkte.
„Auf der Nachfrageseite waren die Ausgaben für den Endverbrauch der Haushalte, die Bruttoanlageinvestitionen und die Auslandsnachfrage die Hauptfaktoren des Wachstums gegenüber dem Vorquartal. Negativ wirkte die Veränderung der Lagerbestände“, kommentierte Vladimír Kermiet, Direktor der Abteilung Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen bei ČSÚ.
Der Handelsüberschuss schrumpft
Der Saldo im Außenhandel mit Waren und Dienstleistungen erreichte 99,0 Mrd. tschechische Kronen, rund 4,1 Mrd. Euro. Er lag damit 20,5 Mrd. Kronen unter dem Vorjahreswert. Die Ausfuhren stiegen real um 3,3%, getragen von Kraftfahrzeugen, Computern, elektronischen und optischen Geräten sowie Elektroausrüstung. Die Einfuhren wuchsen schneller, um 3,7%.
Der Preisdruck hält an. Der BIP-Deflator stieg im Jahresvergleich um 2,6%. Die Lohnkosten kletterten um 7,1%. Die Beschäftigung wuchs um 1,5%, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 2,8%.
Für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer zählt vor allem eine Zahl: 7,1% mehr Anlageinvestitionen. Tschechische Unternehmen kaufen wieder Ausrüstung, vor allem Fahrzeuge, dazu Wohnbauten und sonstige Bauten. Die Einfuhren wachsen schneller als die Ausfuhren, der Handelsüberschuss schrumpft. Der Markt nimmt also mehr auf als im Vorjahr. Zugleich steigen die Lohnkosten um 7,1%, schneller als die Wirtschaftsleistung. Das verteuert die Fertigung vor Ort und schmälert den Kostenvorteil, der viele deutsche Verlagerungen nach Tschechien getragen hat.
Quellen: Český statistický úřad, Rychlá informace „Tvorba a užití HDP – 2. čtvrtletí 2026“, 28.08.2026 (CS); Česká národní banka, Kurse des Devisenmarkts vom 31.08.2026 (CS)
SK, Frankfurt


