Ungarn wird aufgrund der deutlich höheren Nachfrage als erwartet fast 1.000 MW neue Netzanschlusskapazität für Windkraftprojekte bereitstellen und damit die ursprünglich gegenüber der Europäischen Union zugesagten 700 MW übertreffen. Das gab Wirtschafts- und Energieminister István Kapitány am 17. Juli auf Facebook bekannt.
Starke Nachfrage führt zu größerem Ausbau
Die Ausweitung markiert einen bedeutenden Kurswechsel in der ungarischen Energiepolitik. Nach fast einem Jahrzehnt nahezu stagnierenden Windkraftausbaus sollen nun deutlich mehr Projekte realisiert werden als ursprünglich geplant.
Der Ausbau der Windenergie war seit 2016 praktisch zum Stillstand gekommen, nachdem die damalige Regierung strenge Abstandsregeln eingeführt hatte. Windkraftanlagen durften nur in großem Abstand zu Siedlungen errichtet werden, wodurch geeignete Standorte nahezu vollständig entfielen.
Lockerung der Regeln ebnete den Weg
Erst 2024 wurden die Vorschriften gelockert. Die Mindestabstände zwischen Windkraftanlagen und Wohngebieten wurden deutlich reduziert und an europäische Standards angepasst, wodurch neue Projekte wieder möglich wurden. Die Reform war Teil der von Ungarn zugesagten Energiemaßnahmen im Zusammenhang mit der Freigabe von Mitteln aus der EU-Wiederaufbau- und Resilienzfazilität (RRF).
Kapitány erklärte, das Programm zum Ausbau der Windenergie und zur Modernisierung des Stromnetzes solle ein ausgewogeneres Energiesystem schaffen und bestehende Netzengpässe beseitigen.
Ergänzung zur Solarenergie
Nach Angaben des Ministers ist der Ausbau der Windkraft notwendig, um die stark gewachsene Solarstromproduktion besser zu ergänzen und die Versorgungssicherheit langfristig zu erhöhen.
Die Regierung plant, die installierte Windkraftkapazität bis 2030 auf mindestens 4.000 MW auszubauen. Derzeit verfügt Ungarn lediglich über rund 330 MW installierte Windkraftleistung.
Ausschreibungen starten nach Konsultation
Laut Kapitány beginnt bereits in der kommenden Woche eine öffentliche Konsultation. Die ungarische Energieregulierungsbehörde MEKH soll bis Mitte August eine detaillierte technische Analyse der Netzkapazitäten vorlegen. Anschließend sollen die ersten Ausschreibungen veröffentlicht werden.
„Die Regierung schafft die erforderlichen Netzkapazitäten, transparente Regeln und ein berechenbares Investitionsumfeld“, erklärte Kapitány. Der Ausbau der Windenergie werde die Energieunabhängigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Versorgungssicherheit Ungarns stärken.

