← Startseite
Home/ Mitteleuropa/ Ungarn peilt Euro-Einführung bis 2030 an
Ungarn peilt Euro-Einführung bis 2030 an
Mitteleuropa · 29.06.2026

Ungarn peilt Euro-Einführung bis 2030 an

Ungarn könnte bis 2030 der Eurozone beitreten. Die Regierung setzt auf Finanzstabilität, EU-Mittel und niedrigere Finanzierungskosten.

Ungarn könnte die Maastricht-Kriterien für die Einführung des Euro bis zum Jahr 2030 erfüllen – und das ohne Sparmaßnahmen. Das erklärte Ministerpräsident Péter Magyar auf einer Pressekonferenz am 26. Juni nach Gesprächen mit dem Präsidenten der Eurogruppe und griechischen Finanzminister Kyriakos Pierrakakis in Budapest.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI verfolgt die Regierung das Ziel, bis zum Ende des Jahrzehnts die finanzpolitischen Voraussetzungen für einen Beitritt zur Eurozone zu schaffen.

Finanzstabilität als Schlüssel zum Euro

Magyar betonte, dass die Wiederherstellung des Vertrauens nationaler und internationaler Investoren, die vollständige Nutzung der EU-Fördermittel sowie bessere Finanzierungsbedingungen entscheidend seien, um den Euro einführen zu können.

Die größte Herausforderung sieht der Ministerpräsident in der Senkung der Staatsverschuldung – einem der zentralen Maastricht-Kriterien. Gleichzeitig könnten niedrigere Finanzierungskosten den Staatshaushalt jährlich um bis zu 100 Milliarden Forint (rund 280 Millionen Euro) entlasten. Diese Mittel könnten anschließend in wirtschaftliche Entwicklung und den Ausbau öffentlicher Dienstleistungen fließen – zwei zentrale Wahlversprechen der Regierungspartei Tisza.

Sinkende Anleiherenditen stärken Optimismus

Nach Einschätzung Magyars signalisiert die Entwicklung an den Finanzmärkten wachsendes Vertrauen in die ungarische Wirtschaft. Sowohl die Renditen ungarischer Staatsanleihen als auch der Wechselkurs des Forint hätten sich deutlich verbessert.

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sank von 7,5% auf 5,1%. Auch kurzfristige Finanzierungskosten gingen zurück. Bei der jüngsten Auktion platzierte die staatliche Schuldenagentur AKK dreimonatige Schatzanweisungen im Volumen von 20 Milliarden Forint. Die durchschnittliche Rendite lag bei 5,46% und damit leicht über der Benchmark des Sekundärmarktes.

Euro soll Haushaltsdisziplin stärken

Nach Ansicht Magyars würde die Einführung des Euro für mehr wirtschaftliche Planbarkeit sorgen und zugleich die Haushaltsdisziplin stärken. Die gemeinsame Währung könne dauerhaft hohe Haushaltsdefizite und Inflationsrisiken begrenzen.

Zugleich unterstrich er, dass eine Entscheidung über den Beitritt zur Eurozone nur nach einer umfassenden Konsultation der Bevölkerung getroffen werde.

Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis sicherte Ungarn Unterstützung auf dem Weg zur Einführung der Gemeinschaftswährung zu. Zudem erklärte er, dass der überarbeitete ungarische Resilienzplan bereits auf der Ecofin-Sitzung am 10. Juli verabschiedet werden könne.

Neue Haushaltsplanung ab Herbst

Finanzminister András Kármán kündigte an, dass der überarbeitete Haushalt für 2026 Ende August dem Parlament vorgelegt werde. Der Haushaltsentwurf für 2027 soll bis Ende Oktober folgen. Damit kehrt Ungarn zur früheren Praxis zurück, die Haushaltsberatungen wieder im Herbst durchzuführen.

Märkte setzen auf bessere Beziehungen zur EU

Nach Einschätzung von Gergely Tardos, Chefökonom der OTP Bank, preisen die Finanzmärkte zunehmend eine wirtschaftspolitische Wende unter der neuen Regierung ein.

Ein wesentlicher Faktor sei die Erwartung einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Budapest und Brüssel. Dadurch könnten eingefrorene EU-Mittel freigegeben und umfangreiche Finanzzuflüsse wieder aufgenommen werden. Investoren sehen den Zugang zu europäischen Fördergeldern als entscheidend für höheres Wachstum, eine stabilere Haushaltslage und geringere externe Risiken.

Große Zustimmung in der Bevölkerung

Auch in der Bevölkerung genießt die Euro-Einführung weiterhin breite Unterstützung. Jüngste Umfragen zeigen, dass nahezu 80% der Ungarn den Forint langfristig durch den Euro ersetzen möchten. Weniger als ein Viertel lehnt diesen Schritt ab.

Besonders hoch ist die Zustimmung unter den Anhängern der Regierungspartei Tisza: Mehr als 90% sprechen sich grundsätzlich für einen Beitritt zur Eurozone aus. Unter den Wählern der oppositionellen Fidesz-Partei überwiegt dagegen die Skepsis. Rund zwei Drittel lehnen eine Einführung des Euro auf absehbare Zeit ab.

Die Umfrage zeigt außerdem, dass Vorbehalte insbesondere bei älteren Menschen, Bewohnern ländlicher Regionen sowie Personen mit niedrigerem Bildungsniveau verbreitet sind.

Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit der jüngsten Eurobarometer-Erhebung. Diese weist mit 80 % den höchsten jemals gemessenen Zuspruch zur gemeinsamen europäischen Währung in einem EU-Mitgliedstaat außerhalb der Eurozone aus – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

EU-Fördermittel Euro-Einführung 2030 Eurozone Beitritt Forint Euro Maastricht-Kriterien Péter Magyar Staatsverschuldung Ungarn ungarische Geldpolitik ungarische Wirtschaft Ungarn Euro
LinkedIn X
Mehr aus MitteleuropaKuratierte Auswahl
Mitteleuropa · 15.07.2026 Tusk setzt auf Offshore-Windkraft für KI-Zentren
Mitteleuropa · 15.07.2026 Polnischer Venture-Capital-Markt erreicht Rekordniveau
Mitteleuropa · 10.07.2026 EBRD: NPL-Quote in Osteuropa erreicht Rekordtief