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Verdoppelt sich Russlands schwaches BIP-Wachstum im nächsten Jahr?
Russland · 30.09.2026

Verdoppelt sich Russlands schwaches BIP-Wachstum im nächsten Jahr?

Die russische Regierung hebt ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 % an und erwartet für 2027 1,4 %. OECD und EBRD sehen Russlands Wirtschaft auch im nächsten Jahr kaum schneller wachsen.

Autor: Klaus Dormann


Jetzt ist sie da – die „Prognose der sozioökonomischen Entwicklung der Russischen Föderation für das Jahr 2027 und für den Planungszeitraum 2028 und 2029“ der russischen Regierung. Das „Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung“ hat seine Prognose für Russlands diesjähriges Wirtschaftswachstum von 0,4 % auf 0,6 % angehoben. Das teilte Minister Maxim Reschetnikow am 24. September auf einer Regierungssitzung mit. Angekündigt hatte er diese Erhöhung schon Anfang September.

Die neue Wachstumsprognose der russischen Regierung für 2026 ist kaum höher als in der letzten Woche veröffentlichte Prognosen westlicher Beobachter. So haben jetzt sowohl die OECD als auch die Londoner Entwicklungsbank „European Bank for Reconstruction and Development“ das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft auf 0,5 % veranschlagt. Auch die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute erwarten in ihrer am Donnerstag veröffentlichten „Gemeinschaftsdiagnose“ eine Halbierung des Wirtschaftswachstums in Russland auf nur noch 0,5 % im laufenden Jahr.

Dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr nur sehr schwach wachsen wird, ist also inzwischen weitgehend „Konsens“. Umstritten ist aber weiterhin, ob das Wachstum so schwach bleibt oder schon im nächsten Jahr merklich anzieht und wie von der Regierung erwartet 1,4 % erreicht. Für 2028 erwartet die Regierung wie bisher eine weitere Beschleunigung des Wachstums auf 1,9 % und für 2029 auf 2,4 %.

Wirtschaftsminister: Die Regierungsprognose ist „eher konservativ“

Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Maxim Reschetnikow, betonte in der Regierungssitzung, die Prognose der Regierung bleibe insgesamt „eher konservativ“. Das „externe Preisumfeld“ – womit er wohl vor allem die Ölpreisentwicklung meinte – könnte sich als günstiger als angenommen erweisen.

Reschetnikow unterstrich, die Wirtschaftspolitik der Regierung müsse sich darauf konzentrieren, die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen und die Investitionen wieder in Gang zu bringen. Er betonte im Hinblick auf die hohen Kreditzinsen, dass „die vorgeschlagene Haushaltsstruktur Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik und die Wiederbelebung der Investitionstätigkeit schafft“. Darüber hinaus seien für ein nachhaltiges Wachstum aber auch „aktive Strukturreformen“ erforderlich (Finmarket.ru).

Der Konsum stützt das Wachstum

Der Minister hob die Bedeutung der Konsumnachfrage als „Rückgrat des Wirtschaftswachstums“ hervor. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel wird 2026 laut der Prognose real um 4,6 % steigen, verglichen mit 0,8 %, die das Ministerium im Frühjahr erwartet hatte. Die Prognose für das diesjährige Wachstum der Reallöhne wurde von 2,2 % auf 4 % nach oben revidiert (Reuters).

Ein Vertreter des Ministeriums fügte hinzu, dass der zweite Faktor für das Wachstum des Konsums ein unerwartet schneller Rückgang der Sparquote sei. Im Jahr 2025 habe sie bei 16,6 % gelegen. In diesem Jahr werde ein Rückgang auf 9,5 % erwartet (die vorherige Prognose lag bei 14,3 %).

Die Industrie wächst erst im nächsten Jahr wieder

Die Industrieproduktion wird laut der Prognose im laufenden Jahr insgesamt um 0,2 % sinken – eine merkliche Abwärtskorrektur gegenüber der im Frühjahr prognostizierten Wachstumsrate von 0,6 %. Nach Angaben des Statistikamtes Rosstat stagnierte die Industrieproduktion von Januar bis August 2026 im Jahresvergleich (0,0 %). Dabei war sie im August 0,6 % niedriger als im Vorjahr (Finmarket.ru).

Russland: Industrieproduktion
Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in %

Diagramm: Veränderung der Industrieproduktion in Russland gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent bis August 2026, Quelle TradingEconomics

TradingEconomics: Russland Industrieproduktion, 23.09.26

Die Prognose für das Wachstum der Industrie im nächsten Jahr wurde hingegen von 2,1 % auf 2,2 % angehoben, die Prognose für 2028 von 2,4 % auf 2,7 % (Vedomosti.ru).

Die deutlich sinkenden Investitionen steigen erst ab 2028 spürbar

Seine Investitionsprognose hat das Ministerium für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert (-5,4 % gegenüber -1,5 % in der Frühjahrsprognose). Der Rückgang der Investitionen habe bereits im vergangenen Jahr begonnen (-2,3 % im Jahr 2025), erklärte ein Ministeriumssprecher laut Vedomosti. Die Entwicklung der Investitionen werde u. a. durch die allgemeine Unsicherheit und die Leitzinsprognose der Zentralbank beeinflusst. Das Ministerium prognostiziert für 2027 eine minimale Erholung der Investitionen mit einem Anstieg von 0,2 %. Für die Jahre 2028 bis 2029 wird eine Beschleunigung des Wachstums der Investitionen auf 2,5 % bzw. 3 % erwartet.

Die Nettoexporte werden laut der Prognose in den nächsten drei Jahren durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte pro Jahr zum BIP-Wachstum beitragen (Expert.ru).

Die Inflation fällt Ende 2027 auf das angestrebte Ziel von 4 Prozent

Seine Prognose für den jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise im Dezember 2026 hat das Ministerium jetzt von 5,2 % auf 6,8 % angehoben. Diese Prognose liegt aber noch innerhalb der Prognose-Spanne der Zentralbank, die am Jahresende 2026 mit einem Preisanstieg von 6 bis 7 % rechnet.

Hauptgrund für die höhere Inflationsprognose für 2026 sind die steigenden Kraftstoffpreise, die sich auf die Preise anderer Güter auswirken, so ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums gegenüber Vedomosti. Er fügte hinzu, dass die preistreibende Wirkung der Kraftstoffkrise auf die allgemeine Preisentwicklung „noch recht schwach“ sei. Auch die Abwertung des Rubels trage zur Beschleunigung der Inflation bei. Ein möglicher preisdämpfender Faktor seien die Schwierigkeiten beim Export von Getreide (wegen des Ukraine-Krieges). Das höhere Angebot von Getreide im Inland könnte zu niedrigeren Preisen führen.

Für den Zeitraum 2027 bis 2029 rechnet das Ministerium mit einer Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 4 %.

„Konservative“ Ölpreisprognosen der russischen Regierung

Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow betonte bei der Sitzung der Regierung, die Regierung habe bei der Anhebung ihrer Prognosen für die Ölpreise deren starke Schwankungen berücksichtigt. Die Ölpreisentwicklung spiegele weitgehend die aktuellen Entwicklungen „rund um die Arabische Halbinsel“.

Die folgende Abbildung aus dem Wochenbericht des Forschungsinstituts der Moskauer VEB-Entwicklungsgesellschaft zeigt die diesjährige Entwicklung der Preise von Brent-Öl (grüne Linie) und Urals-Öl (rote Linie) seit dem Frühjahr. Zuletzt war der Urals-Preis laut dieser Abbildung nicht mehr niedriger als der Brent-Preis, sondern mit 114 US-Dollar höher als der Brent-Preis mit 107 US-Dollar (s. auch: TradingEconomics: Urals Oil; dpa-AFX). Die Differenz zwischen den Preisen von Brent und Urals wurde negativ (die blaue Fläche in der Abbildung zeigt diesen „Abschlag“ in Prozent, linke Skala).

Ölpreisentwicklung in US-Dollar/Barrel seit März 2026

Diagramm: Preise für Brent-Öl und Urals-Öl in US-Dollar je Barrel seit März 2026 sowie Abschlag des Urals-Preises in Prozent, Quelle VEB-Institut

VEB-Institut: Weltwirtschaft und Märkte, 25.09.26

Der Preis für Brent-Rohöl wird laut der Regierungsprognose im Jahresdurchschnitt 2026 voraussichtlich auf 85,7 US-Dollar steigen. Urals-Rohöl werde zwar auch im Preis steigen, gleichzeitig aber deutlich niedriger als Brent-Öl bei 61,2 US-Dollar notieren. Die Preisprognose für Brent-Öl wurde im Vergleich zur Mai-Prognose deutlich stärker angehoben als die Prognose für Urals-Öl, weil die Regierung, so der Minister, jetzt mit einem höheren Abschlag des Urals-Preises gegenüber dem Brent-Preis rechnet.

Ab 2027 werden die Rohölpreise nach Einschätzung der Regierung langsam sinken. Der Preis für Brent-Rohöl wird 2027 auf 73 US-Dollar pro Barrel fallen und bis 2029 weiter auf 66 US-Dollar sinken. Der Preis für Urals-Rohöl wird ab 2027 jährlich um rund einen US-Dollar abnehmen: von 53 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2027 auf 52 US-Dollar im Jahr 2028 und 51 US-Dollar im Jahr 2029.

Für 2027 erwartet die Regierung 1,4 % Wachstum, die EBRD nur 0,7 %

Im nächsten Jahr wird sich Russlands schwaches Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Regierung zwar gut verdoppeln und von 0,6 auf 1,4 % steigen. Die „Gemeinschaftsdiagnose“ der deutschen Institute erwartet dann auch immerhin einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1 %. Die OECD und die EBRD rechnen 2027 aber mit keiner merklichen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Nach ihrer Einschätzung wird Russlands BIP im nächsten Jahr nur um 0,6 % (OECD) bzw. 0,7 % (EBRD) wachsen, also fast so schwach wie in diesem Jahr.

BIP-Prognosen für Russland 2025 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Tabelle: Prognosen von Regierung, Zentralbank, OECD, EBRD, IWF, deutschen Instituten und Banken für das reale BIP-Wachstum Russlands 2025 bis 2027

Zusammenstellung: Klaus Dormann; Stand: 24.09.26

Russlands Wachstum bleibt viel schwächer als das weltweite Wachstum

Für das Jahr 2027 prognostiziert die russische Regierung – wie bereits im Mai – eine Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 1,4 %. Selbst bei diesem Anstieg wird Russlands Wirtschaftswachstum nach Einschätzung des IWF immer noch weit unter dem Wachstum der Weltwirtschaft bleiben. In der Juli-Ausgabe seines „World Economic Outlook“ erwartete der IWF für das Jahr 2027 jedenfalls ein globales Wirtschaftswachstum von 3,4 %.

Die deutschen Konjunkturforschungsinstitute prognostizieren in ihrer gerade aktualisierten „Gemeinschaftsdiagnose“ ein Wachstum der Weltwirtschaft von 2,5 % im nächsten Jahr, während die Produktion der russischen Wirtschaft gleichzeitig nach Einschätzung der Institute nur um 1 % steigen dürfte. Auch 2028 werde Russlands Wirtschaftswachstum mit 1 % weit hinter dem globalen Wachstum von erneut 2,5 % zurückbleiben.

Bei der Diskussion der deutschen Institute über ihre Prognose des diesjährigen Wachstums der russischen Wirtschaft in der „Gemeinschaftsdiagnose“ haben sich offenbar die Argumente des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, des Münchner ifo Instituts und des Berliner DIW durchgesetzt. Diese drei Institute hatten bereits in ihren Anfang September veröffentlichten individuellen „Herbstprognosen“ das Wachstum in Russland für 2026 auf nur noch 0,4 bzw. 0,5 % veranschlagt.

Die Prognosen der fünf Institute für Russlands Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr lagen in den „Herbstprognosen“ der Institute weit auseinander. Während das Kieler IfW 2027 mit einem „Null-Wachstum“ eine völlige Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Produktion erwartete, rechnete das Berliner DIW für das nächste Jahr mit einer Beschleunigung des Wachstums auf 1,5 %.

Die deutschen Institute erwarten keinen Rückgang der Inflationsrate auf 4 %

Raum für einige Erläuterungen ihrer Prognosen zur Entwicklung der russischen Wirtschaft fanden die Institute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose leider nicht. Der Tabelle zur Entwicklung der Weltkonjunktur kann man lediglich noch eine Einschätzung der Inflationsentwicklung in Russland entnehmen.

Die Institute rechnen damit, dass der Anstieg der Verbraucherpreise von 8,7 % im Jahr 2025 auf 6,4 % im laufenden Jahr sinken dürfte. Für 2027 und 2028 erwarten sie in Russland einen Preisanstieg von jeweils 5,5 %. Sie gehen also davon aus, dass die russische Zentralbank ihr Inflationsziel von 4 % bis 2028 nicht erreicht.

Die russische Regierung prognostiziert hingegen ebenso wie die russische Zentralbank, dass die jährliche Inflationsrate in Russland bereits im Dezember 2027 auf das angestrebte Ziel von 4 Prozent sinkt und 2028 dieses Niveau hält. Wie die erste Zeile der folgenden Tabelle zeigt, erwartet die Zentralbank, dass die jährliche Inflationsrate von 6 bis 7 % im Dezember 2026 auf jeweils 4 % am Ende der Jahre 2027 bis 2029 sinken wird. Ab 2028 werde das Inflationsziel von 4 % auch im Jahresdurchschnitt erreicht sein (zweite Zeile der Tabelle).

Mittelfristige Prognose der russischen Zentralbank (Auszug)

Tabelle: Auszug aus der mittelfristigen Prognose der Bank of Russia vom 24. Juli 2026 mit Inflation, Leitzins und BIP-Wachstum bis 2029

Russische Zentralbank: Bank of Russia’s medium-term forecast following the Bank of Russia Board of Directors’ key rate meeting on 24 July 2026; Auszug; 24.07.26

Aktuelle Preisentwicklung: Die jährliche Inflationsrate betrug zuletzt 6,2 %

Laut dem Wochenbericht des VEB-Instituts ist der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise in der Woche zum 21. September auf 6,2 % gesunken, verglichen mit 6,3 % in der Vorwoche. Im Dezember 2025 war die Inflationsrate auf nur noch 5,6 % gesunken, wie die folgende Abbildung ausweist. Im Mai 2026 war sie mit 5,3 % noch etwas niedriger. Im August erreichte sie im Vergleich zum Vorjahresmonat aber wieder 6,3 % (Finmarket.ru; Trading Economics).

Die farbigen Säulenabschnitte in der folgenden Abbildung zeigen den Beitrag der Lebensmittel (hellgrün), der Nicht-Lebensmittel (grau) und der Dienstleistungen (blau) zum gesamten Anstieg der Verbraucherpreise. Die rote Linie zeigt die Veränderungsrate der industriellen Erzeugerpreise.

Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent

Diagramm: Jährliche Inflationsrate in Russland mit Beiträgen von Lebensmitteln, Nicht-Lebensmitteln und Dienstleistungen sowie Erzeugerpreisen, Quelle VEB-Institut

VEB-Institut: Weltwirtschaft und Märkte, Wochenbericht, 25.09.26

EBRD: Russlands Wirtschaft wächst auch 2027 nur sehr schwach

Die Londoner Entwicklungsbank EBRD fördert zwar seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 keine Investitionen in Russland mehr. Dennoch veröffentlicht sie weiterhin Prognosen zur Entwicklung der russischen Wirtschaft. Die Bank begründet dies damit, dass Entwicklungen in der russischen Wirtschaft erhebliche Auswirkungen auf viele Länder haben, in denen sie tätig ist, insbesondere in Zentralasien und dem Kaukasus.

Ihre Anfang Juni veröffentlichten Prognosen für das Wachstum der russischen Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 senkte die EBRD in der letzten Woche um jeweils 0,3 Prozentpunkte. Sie erwartet in den „Regional Economic Prospects“ jetzt in Russland 2026 nur noch einen BIP-Anstieg von 0,5 %. Im Jahr 2027 werde er mit 0,7 % kaum höher sein. Zudem würden sich „Abwärtsrisiken“ für diese Prognosen durch weitere Sanktionen und erneute Beschädigungen der Logistik- und Energieinfrastruktur Russlands ergeben.

Zur Entwicklung der russischen Wirtschaft in den Jahren 2025 und 2026 merkt die EBRD zusammengefasst an:

Russlands reales Wirtschaftswachstum sank von 4,9 Prozent im Jahr 2024 auf 1 Prozent im Jahr 2025. Die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion wurde angesichts einer nachlassenden Dynamik im Privatsektor zunehmend von öffentlichen Ausgaben, einschließlich der Militärausgaben, abhängig.

Im Verlauf des ersten Halbjahres 2026 erholte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion nach einem Rückgang von 0,2 % im ersten Quartal im zweiten Quartal mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,3 %. Demgegenüber blieb die Industrieproduktion schwach. Die Stimmung in der Wirtschaft blieb gedrückt.

Der Anstieg der Verbraucherpreise sank im Juli 2026 zwar auf 6 %, was eine Senkung der Leitzinsen mit sich brachte. Aufgrund des Arbeitskräftemangels und staatlicher Ausgabenprogramme hält der Preisdruck aber weiterhin an.

Hohe Verteidigungsausgaben haben zu einem Anstieg des Defizits im russischen Staatshaushalt und einer stärkeren Abhängigkeit des Haushalts von der Aufnahme von inländischen Krediten geführt. Die außenwirtschaftliche Lage Russlands blieb dank höherer Ölpreise „robust“.

Auch die Wirtschaft der Ukraine wächst 2026 langsamer

In der Ukraine erwartet die EBRD 2026 jetzt nur noch ein Wachstum von 1,5 % – das ist ein Minus von 0,7 Prozentpunkten gegenüber der Juni-Prognose. Die Prognose für das kommende Jahr senkte die EBRD noch deutlich stärker von vier auf 2,5 %.

EBRD: Wachstum in der Ukraine

Diagramm: Prognose der EBRD für das Wirtschaftswachstum der Ukraine 2026 und 2027, Quelle Handelsblatt

Handelsblatt; C. Volkery: Ukraine. „Die Wirtschaft stürzt ab“ – Putins Angriffe ruinieren die Ukraine; 24.09.26

Als Hauptgrund für das schwächere Wachstum der Wirtschaft in der Ukraine nennt die EBRD die Blockade der ukrainischen Exporte über das Schwarze Meer. EBRD-Chefökonomin Beata Javorcik sagte dem Handelsblatt, nach den russischen Angriffen auf Schiffe und Hafenanlagen seien die Getreide- und Pflanzenölexporte der Ukraine im August um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der Export liege auf dem niedrigsten Niveau seit August 2022.

Werden jetzt russische Währungsreserven zugunsten der Ukraine genutzt?

Im Verteidigungshaushalt der Ukraine klafft in diesem Jahr laut dem Handelsblatt ein neues Loch von 23 Milliarden Euro. Die Regierung habe dem Parlament verschiedene Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung vorgeschlagen, aber es gebe Widerstand gegen Steuererhöhungen.

EBRD-Ökonomin Javorcik meint, letztlich blieben nur die internationalen Geldgeber als Lösung der Haushaltsprobleme. In Kiew wird nun damit gerechnet, dass die EU-Staaten einige Zahlungen aus dem 90-Milliarden-Euro-Hilfskredit für das Land vorziehen. Dieser sollte eigentlich bis Ende 2027 reichen. Es zeichnet sich aber schon seit längerer Zeit ab, dass der Kredit vorher ausgeschöpft sein wird.

Deshalb haben einige EU-Staaten eine erneute Diskussion über einen Zugriff auf eingefrorene russische Vermögenswerte angestoßen. Beim Finanzdienstleister „Euroclear“ in Belgien lagern rund 200 Milliarden Euro an russischem Zentralbankvermögen. Langfristig gebe es keine andere Lösung, als auf das russische Vermögen zuzugreifen, um die Ukraine zu finanzieren, sagt ein hochrangiger EU-Diplomat. Die Alternative wäre eine zusätzliche Belastung der europäischen Steuerzahler, und das wollten die meisten Regierungschefs vermeiden, so das Handelsblatt.

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