Autor: Klaus Dormann
Jetzt ist sie da – die „Prognose der sozioökonomischen Entwicklung der Russischen Föderation für das Jahr 2027 und für den Planungszeitraum 2028 und 2029“ der russischen Regierung. Das „Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung“ hat seine Prognose für Russlands diesjähriges Wirtschaftswachstum von 0,4 % auf 0,6 % angehoben. Das teilte Minister Maxim Reschetnikow am 24. September auf einer Regierungssitzung mit. Angekündigt hatte er diese Erhöhung schon Anfang September.
Die neue Wachstumsprognose der russischen Regierung für 2026 ist kaum höher als in der letzten Woche veröffentlichte Prognosen westlicher Beobachter. So haben jetzt sowohl die OECD als auch die Londoner Entwicklungsbank „European Bank for Reconstruction and Development“ das diesjährige Wachstum der russischen Wirtschaft auf 0,5 % veranschlagt. Auch die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute erwarten in ihrer am Donnerstag veröffentlichten „Gemeinschaftsdiagnose“ eine Halbierung des Wirtschaftswachstums in Russland auf nur noch 0,5 % im laufenden Jahr.
Dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr nur sehr schwach wachsen wird, ist also inzwischen weitgehend „Konsens“. Umstritten ist aber weiterhin, ob das Wachstum so schwach bleibt oder schon im nächsten Jahr merklich anzieht und wie von der Regierung erwartet 1,4 % erreicht. Für 2028 erwartet die Regierung wie bisher eine weitere Beschleunigung des Wachstums auf 1,9 % und für 2029 auf 2,4 %.
Wirtschaftsminister: Die Regierungsprognose ist „eher konservativ“
Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Maxim Reschetnikow, betonte in der Regierungssitzung, die Prognose der Regierung bleibe insgesamt „eher konservativ“. Das „externe Preisumfeld“ – womit er wohl vor allem die Ölpreisentwicklung meinte – könnte sich als günstiger als angenommen erweisen.
Reschetnikow unterstrich, die Wirtschaftspolitik der Regierung müsse sich darauf konzentrieren, die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen und die Investitionen wieder in Gang zu bringen. Er betonte im Hinblick auf die hohen Kreditzinsen, dass „die vorgeschlagene Haushaltsstruktur Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik und die Wiederbelebung der Investitionstätigkeit schafft“. Darüber hinaus seien für ein nachhaltiges Wachstum aber auch „aktive Strukturreformen“ erforderlich (Finmarket.ru).
Der Konsum stützt das Wachstum
Der Minister hob die Bedeutung der Konsumnachfrage als „Rückgrat des Wirtschaftswachstums“ hervor. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel wird 2026 laut der Prognose real um 4,6 % steigen, verglichen mit 0,8 %, die das Ministerium im Frühjahr erwartet hatte. Die Prognose für das diesjährige Wachstum der Reallöhne wurde von 2,2 % auf 4 % nach oben revidiert (Reuters).
Ein Vertreter des Ministeriums fügte hinzu, dass der zweite Faktor für das Wachstum des Konsums ein unerwartet schneller Rückgang der Sparquote sei. Im Jahr 2025 habe sie bei 16,6 % gelegen. In diesem Jahr werde ein Rückgang auf 9,5 % erwartet (die vorherige Prognose lag bei 14,3 %).
Die Industrie wächst erst im nächsten Jahr wieder
Die Industrieproduktion wird laut der Prognose im laufenden Jahr insgesamt um 0,2 % sinken – eine merkliche Abwärtskorrektur gegenüber der im Frühjahr prognostizierten Wachstumsrate von 0,6 %. Nach Angaben des Statistikamtes Rosstat stagnierte die Industrieproduktion von Januar bis August 2026 im Jahresvergleich (0,0 %). Dabei war sie im August 0,6 % niedriger als im Vorjahr (Finmarket.ru).
Russland: Industrieproduktion
Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in %

TradingEconomics: Russland Industrieproduktion, 23.09.26
Die Prognose für das Wachstum der Industrie im nächsten Jahr wurde hingegen von 2,1 % auf 2,2 % angehoben, die Prognose für 2028 von 2,4 % auf 2,7 % (Vedomosti.ru).
Die deutlich sinkenden Investitionen steigen erst ab 2028 spürbar
Seine Investitionsprognose hat das Ministerium für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert (-5,4 % gegenüber -1,5 % in der Frühjahrsprognose). Der Rückgang der Investitionen habe bereits im vergangenen Jahr begonnen (-2,3 % im Jahr 2025), erklärte ein Ministeriumssprecher laut Vedomosti. Die Entwicklung der Investitionen werde u. a. durch die allgemeine Unsicherheit und die Leitzinsprognose der Zentralbank beeinflusst. Das Ministerium prognostiziert für 2027 eine minimale Erholung der Investitionen mit einem Anstieg von 0,2 %. Für die Jahre 2028 bis 2029 wird eine Beschleunigung des Wachstums der Investitionen auf 2,5 % bzw. 3 % erwartet.
Die Nettoexporte werden laut der Prognose in den nächsten drei Jahren durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte pro Jahr zum BIP-Wachstum beitragen (Expert.ru).
Die Inflation fällt Ende 2027 auf das angestrebte Ziel von 4 Prozent
Seine Prognose für den jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise im Dezember 2026 hat das Ministerium jetzt von 5,2 % auf 6,8 % angehoben. Diese Prognose liegt aber noch innerhalb der Prognose-Spanne der Zentralbank, die am Jahresende 2026 mit einem Preisanstieg von 6 bis 7 % rechnet.
Hauptgrund für die höhere Inflationsprognose für 2026 sind die steigenden Kraftstoffpreise, die sich auf die Preise anderer Güter auswirken, so ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums gegenüber Vedomosti. Er fügte hinzu, dass die preistreibende Wirkung der Kraftstoffkrise auf die allgemeine Preisentwicklung „noch recht schwach“ sei. Auch die Abwertung des Rubels trage zur Beschleunigung der Inflation bei. Ein möglicher preisdämpfender Faktor seien die Schwierigkeiten beim Export von Getreide (wegen des Ukraine-Krieges). Das höhere Angebot von Getreide im Inland könnte zu niedrigeren Preisen führen.
Für den Zeitraum 2027 bis 2029 rechnet das Ministerium mit einer Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 4 %.
„Konservative“ Ölpreisprognosen der russischen Regierung
Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow betonte bei der Sitzung der Regierung, die Regierung habe bei der Anhebung ihrer Prognosen für die Ölpreise deren starke Schwankungen berücksichtigt. Die Ölpreisentwicklung spiegele weitgehend die aktuellen Entwicklungen „rund um die Arabische Halbinsel“.
Die folgende Abbildung aus dem Wochenbericht des Forschungsinstituts der Moskauer VEB-Entwicklungsgesellschaft zeigt die diesjährige Entwicklung der Preise von Brent-Öl (grüne Linie) und Urals-Öl (rote Linie) seit dem Frühjahr. Zuletzt war der Urals-Preis laut dieser Abbildung nicht mehr niedriger als der Brent-Preis, sondern mit 114 US-Dollar höher als der Brent-Preis mit 107 US-Dollar (s. auch: TradingEconomics: Urals Oil; dpa-AFX). Die Differenz zwischen den Preisen von Brent und Urals wurde negativ (die blaue Fläche in der Abbildung zeigt diesen „Abschlag“ in Prozent, linke Skala).
Ölpreisentwicklung in US-Dollar/Barrel seit März 2026

VEB-Institut: Weltwirtschaft und Märkte, 25.09.26
Der Preis für Brent-Rohöl wird laut der Regierungsprognose im Jahresdurchschnitt 2026 voraussichtlich auf 85,7 US-Dollar steigen. Urals-Rohöl werde zwar auch im Preis steigen, gleichzeitig aber deutlich niedriger als Brent-Öl bei 61,2 US-Dollar notieren. Die Preisprognose für Brent-Öl wurde im Vergleich zur Mai-Prognose deutlich stärker angehoben als die Prognose für Urals-Öl, weil die Regierung, so der Minister, jetzt mit einem höheren Abschlag des Urals-Preises gegenüber dem Brent-Preis rechnet.
Ab 2027 werden die Rohölpreise nach Einschätzung der Regierung langsam sinken. Der Preis für Brent-Rohöl wird 2027 auf 73 US-Dollar pro Barrel fallen und bis 2029 weiter auf 66 US-Dollar sinken. Der Preis für Urals-Rohöl wird ab 2027 jährlich um rund einen US-Dollar abnehmen: von 53 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2027 auf 52 US-Dollar im Jahr 2028 und 51 US-Dollar im Jahr 2029.
Für 2027 erwartet die Regierung 1,4 % Wachstum, die EBRD nur 0,7 %
Im nächsten Jahr wird sich Russlands schwaches Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Regierung zwar gut verdoppeln und von 0,6 auf 1,4 % steigen. Die „Gemeinschaftsdiagnose“ der deutschen Institute erwartet dann auch immerhin einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1 %. Die OECD und die EBRD rechnen 2027 aber mit keiner merklichen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Nach ihrer Einschätzung wird Russlands BIP im nächsten Jahr nur um 0,6 % (OECD) bzw. 0,7 % (EBRD) wachsen, also fast so schwach wie in diesem Jahr.
BIP-Prognosen für Russland 2025 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Zusammenstellung: Klaus Dormann; Stand: 24.09.26
Russlands Wachstum bleibt viel schwächer als das weltweite Wachstum
Für das Jahr 2027 prognostiziert die russische Regierung – wie bereits im Mai – eine Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 1,4 %. Selbst bei diesem Anstieg wird Russlands Wirtschaftswachstum nach Einschätzung des IWF immer noch weit unter dem Wachstum der Weltwirtschaft bleiben. In der Juli-Ausgabe seines „World Economic Outlook“ erwartete der IWF für das Jahr 2027 jedenfalls ein globales Wirtschaftswachstum von 3,4 %.
Die deutschen Konjunkturforschungsinstitute prognostizieren in ihrer gerade aktualisierten „Gemeinschaftsdiagnose“ ein Wachstum der Weltwirtschaft von 2,5 % im nächsten Jahr, während die Produktion der russischen Wirtschaft gleichzeitig nach Einschätzung der Institute nur um 1 % steigen dürfte. Auch 2028 werde Russlands Wirtschaftswachstum mit 1 % weit hinter dem globalen Wachstum von erneut 2,5 % zurückbleiben.
Bei der Diskussion der deutschen Institute über ihre Prognose des diesjährigen Wachstums der russischen Wirtschaft in der „Gemeinschaftsdiagnose“ haben sich offenbar die Argumente des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, des Münchner ifo Instituts und des Berliner DIW durchgesetzt. Diese drei Institute hatten bereits in ihren Anfang September veröffentlichten individuellen „Herbstprognosen“ das Wachstum in Russland für 2026 auf nur noch 0,4 bzw. 0,5 % veranschlagt.
Die Prognosen der fünf Institute für Russlands Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr lagen in den „Herbstprognosen“ der Institute weit auseinander. Während das Kieler IfW 2027 mit einem „Null-Wachstum“ eine völlige Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Produktion erwartete, rechnete das Berliner DIW für das nächste Jahr mit einer Beschleunigung des Wachstums auf 1,5 %.
Die deutschen Institute erwarten keinen Rückgang der Inflationsrate auf 4 %
Raum für einige Erläuterungen ihrer Prognosen zur Entwicklung der russischen Wirtschaft fanden die Institute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose leider nicht. Der Tabelle zur Entwicklung der Weltkonjunktur kann man lediglich noch eine Einschätzung der Inflationsentwicklung in Russland entnehmen.
Die Institute rechnen damit, dass der Anstieg der Verbraucherpreise von 8,7 % im Jahr 2025 auf 6,4 % im laufenden Jahr sinken dürfte. Für 2027 und 2028 erwarten sie in Russland einen Preisanstieg von jeweils 5,5 %. Sie gehen also davon aus, dass die russische Zentralbank ihr Inflationsziel von 4 % bis 2028 nicht erreicht.
Die russische Regierung prognostiziert hingegen ebenso wie die russische Zentralbank, dass die jährliche Inflationsrate in Russland bereits im Dezember 2027 auf das angestrebte Ziel von 4 Prozent sinkt und 2028 dieses Niveau hält. Wie die erste Zeile der folgenden Tabelle zeigt, erwartet die Zentralbank, dass die jährliche Inflationsrate von 6 bis 7 % im Dezember 2026 auf jeweils 4 % am Ende der Jahre 2027 bis 2029 sinken wird. Ab 2028 werde das Inflationsziel von 4 % auch im Jahresdurchschnitt erreicht sein (zweite Zeile der Tabelle).
Mittelfristige Prognose der russischen Zentralbank (Auszug)

Russische Zentralbank: Bank of Russia’s medium-term forecast following the Bank of Russia Board of Directors’ key rate meeting on 24 July 2026; Auszug; 24.07.26
Aktuelle Preisentwicklung: Die jährliche Inflationsrate betrug zuletzt 6,2 %
Laut dem Wochenbericht des VEB-Instituts ist der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise in der Woche zum 21. September auf 6,2 % gesunken, verglichen mit 6,3 % in der Vorwoche. Im Dezember 2025 war die Inflationsrate auf nur noch 5,6 % gesunken, wie die folgende Abbildung ausweist. Im Mai 2026 war sie mit 5,3 % noch etwas niedriger. Im August erreichte sie im Vergleich zum Vorjahresmonat aber wieder 6,3 % (Finmarket.ru; Trading Economics).
Die farbigen Säulenabschnitte in der folgenden Abbildung zeigen den Beitrag der Lebensmittel (hellgrün), der Nicht-Lebensmittel (grau) und der Dienstleistungen (blau) zum gesamten Anstieg der Verbraucherpreise. Die rote Linie zeigt die Veränderungsrate der industriellen Erzeugerpreise.
Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent

VEB-Institut: Weltwirtschaft und Märkte, Wochenbericht, 25.09.26
EBRD: Russlands Wirtschaft wächst auch 2027 nur sehr schwach
Die Londoner Entwicklungsbank EBRD fördert zwar seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 keine Investitionen in Russland mehr. Dennoch veröffentlicht sie weiterhin Prognosen zur Entwicklung der russischen Wirtschaft. Die Bank begründet dies damit, dass Entwicklungen in der russischen Wirtschaft erhebliche Auswirkungen auf viele Länder haben, in denen sie tätig ist, insbesondere in Zentralasien und dem Kaukasus.
Ihre Anfang Juni veröffentlichten Prognosen für das Wachstum der russischen Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 senkte die EBRD in der letzten Woche um jeweils 0,3 Prozentpunkte. Sie erwartet in den „Regional Economic Prospects“ jetzt in Russland 2026 nur noch einen BIP-Anstieg von 0,5 %. Im Jahr 2027 werde er mit 0,7 % kaum höher sein. Zudem würden sich „Abwärtsrisiken“ für diese Prognosen durch weitere Sanktionen und erneute Beschädigungen der Logistik- und Energieinfrastruktur Russlands ergeben.
Zur Entwicklung der russischen Wirtschaft in den Jahren 2025 und 2026 merkt die EBRD zusammengefasst an:
Russlands reales Wirtschaftswachstum sank von 4,9 Prozent im Jahr 2024 auf 1 Prozent im Jahr 2025. Die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion wurde angesichts einer nachlassenden Dynamik im Privatsektor zunehmend von öffentlichen Ausgaben, einschließlich der Militärausgaben, abhängig.
Im Verlauf des ersten Halbjahres 2026 erholte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion nach einem Rückgang von 0,2 % im ersten Quartal im zweiten Quartal mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,3 %. Demgegenüber blieb die Industrieproduktion schwach. Die Stimmung in der Wirtschaft blieb gedrückt.
Der Anstieg der Verbraucherpreise sank im Juli 2026 zwar auf 6 %, was eine Senkung der Leitzinsen mit sich brachte. Aufgrund des Arbeitskräftemangels und staatlicher Ausgabenprogramme hält der Preisdruck aber weiterhin an.
Hohe Verteidigungsausgaben haben zu einem Anstieg des Defizits im russischen Staatshaushalt und einer stärkeren Abhängigkeit des Haushalts von der Aufnahme von inländischen Krediten geführt. Die außenwirtschaftliche Lage Russlands blieb dank höherer Ölpreise „robust“.
Auch die Wirtschaft der Ukraine wächst 2026 langsamer
In der Ukraine erwartet die EBRD 2026 jetzt nur noch ein Wachstum von 1,5 % – das ist ein Minus von 0,7 Prozentpunkten gegenüber der Juni-Prognose. Die Prognose für das kommende Jahr senkte die EBRD noch deutlich stärker von vier auf 2,5 %.
EBRD: Wachstum in der Ukraine

Handelsblatt; C. Volkery: Ukraine. „Die Wirtschaft stürzt ab“ – Putins Angriffe ruinieren die Ukraine; 24.09.26
Als Hauptgrund für das schwächere Wachstum der Wirtschaft in der Ukraine nennt die EBRD die Blockade der ukrainischen Exporte über das Schwarze Meer. EBRD-Chefökonomin Beata Javorcik sagte dem Handelsblatt, nach den russischen Angriffen auf Schiffe und Hafenanlagen seien die Getreide- und Pflanzenölexporte der Ukraine im August um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der Export liege auf dem niedrigsten Niveau seit August 2022.
Werden jetzt russische Währungsreserven zugunsten der Ukraine genutzt?
Im Verteidigungshaushalt der Ukraine klafft in diesem Jahr laut dem Handelsblatt ein neues Loch von 23 Milliarden Euro. Die Regierung habe dem Parlament verschiedene Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung vorgeschlagen, aber es gebe Widerstand gegen Steuererhöhungen.
EBRD-Ökonomin Javorcik meint, letztlich blieben nur die internationalen Geldgeber als Lösung der Haushaltsprobleme. In Kiew wird nun damit gerechnet, dass die EU-Staaten einige Zahlungen aus dem 90-Milliarden-Euro-Hilfskredit für das Land vorziehen. Dieser sollte eigentlich bis Ende 2027 reichen. Es zeichnet sich aber schon seit längerer Zeit ab, dass der Kredit vorher ausgeschöpft sein wird.
Deshalb haben einige EU-Staaten eine erneute Diskussion über einen Zugriff auf eingefrorene russische Vermögenswerte angestoßen. Beim Finanzdienstleister „Euroclear“ in Belgien lagern rund 200 Milliarden Euro an russischem Zentralbankvermögen. Langfristig gebe es keine andere Lösung, als auf das russische Vermögen zuzugreifen, um die Ukraine zu finanzieren, sagt ein hochrangiger EU-Diplomat. Die Alternative wäre eine zusätzliche Belastung der europäischen Steuerzahler, und das wollten die meisten Regierungschefs vermeiden, so das Handelsblatt.
Lesetipps
Deutsch-Russische Auslandshandelskammer
- Staat vs. Wirtschaft: Externe Verwaltung und Verstaatlichung von Vermögenswerten, 21.09.26
- Östliches Wirtschaftsforum 2026: Zitate und Ergebnisse, 08.09.26
- Konsum statt Investitionen: Potenzialwachstum in Russland höher als in Deutschland, 03.09.26
Podcasts, Videos
- russland.capital: Putin sieht die Inflation unter Kontrolle – höhere Tarife stehen noch bevor, 18.09.26; mit russland.ru-Video mit deutschen Untertiteln: Putin hält Treffen zu wirtschaftlichen Fragen ab; 18.09.26
- „Die Presse“-Korrespondent Stefan Scholl im Nachrichten-Podcast „Was wichtig ist“! Im Gespräch mit Klemens Patek: Geht Putin jetzt aufs Ganze? In Russland warten alle nur darauf, was nach den Wahlen passiert; mit Transkript; auch Youtube; 22 Min, 18.09.26
Konjunkturprognosen
- Tsargrad.Pro: Die Regierung erwartet für 2027 ein BIP-Wachstum von 1,4 %. Das reicht jedoch noch nicht aus, um die Wirtschaft auf den globalen Durchschnitt zu bringen; 25.09.26
- Finmarket.ru: Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat seine Inflations- und BIP-Wachstumsprognosen für dieses Jahr angehoben; 24.09.26
- Reuters; Darya Korsunskaya: Russia plans array of tax hikes in 2027-29 to fund military spending, 24.09.26
- Vedomosti; Ksenia Kotchenko: Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hob seine BIP-Wachstumsprognose für 2026 an und behielt sie für die nächsten drei Jahre bei. Die Inflationsschätzung wurde aufgrund des Brennstofffaktors ebenfalls deutlich erhöht; 24.09.26
- Kommersant: Das Wirtschaftsministerium hat einen Entwurf für eine makroökonomische Prognose für den Zeitraum 2027–2029 vorgelegt; 24.09.26
- Russische Regierung: Regierungstreffen 24. September 2026; Eröffnungsrede von Ministerpräsident Michail Mischustin; Bericht des Ministers für wirtschaftliche Entwicklung, Maxim Reshetnikov, über die sozioökonomische Entwicklungsprognose für 2027 und den Planungszeitraum 2028 und 2029; Bericht von Finanzminister Anton Siluanow zum Entwurf des Bundesgesetzes „Über den Bundeshaushalt für 2027 und für den Planungszeitraum 2028 und 2029 “, 24.09.26
- Deutsche Konjunkturforschungsinstitute: Gemeinschaftsdiagnose, 24.09.26
- European Bank for Reconstruction and Development, EBRD: EBRD cuts growth forecasts as energy costs, drought and food security risks weigh on its regions; Regional Economic Prospects; 24.09.26
- NTV: OECD: Das globale BIP wird in diesem Jahr um 2,9 % wachsen. 23.09.26
- Finam.ru: Die OECD hat ihre Prognose für das globale BIP-Wachstum in diesem Jahr auf 2,9 % angehoben; mit Tabelle der BIP-Prognosen; 23.09.26
- Finmarket.ru: Die OECD hat ihre Prognose für das globale BIP-Wachstum für 2026 auf 2,9 % angehoben und für 2027 auf 3 % gesenkt. 23.09.26
- OECD: OECD Economic Outlook, Interim Report September: Weathering Successive Shocks, 23.09.26
- Interfax.ru: Der Präsident rechnet damit, dass das russische BIP-Wachstum im Jahr 2026 innerhalb von 1 % liegen wird. 17.09.26
- Interfax.ru: Die Indexierung der Tarife für Wohnraum und kommunale Dienstleistungen wird die Inflation um 0,7 Prozentpunkte erhöhen und sie damit näher an die obere Grenze der Prognose der Zentralbank von 7 % heranführen; 16.09.26
- Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften, IEF-RAS: Kurzfristige Analyse der BIP-Entwicklung; 11.09.26
- OPEC-Sekretariat, Wien: Monthly Oil Market Report, 10.09.26
Finanzpolitik; Staatshaushalt
- bne Intellinews, Ben Aris: Russia’s 2027 budget plans RUB5.5tn deficit as economy stalls, 26.09.26
- RBC.ru: Mischustin: Die Binnennachfrage wird der Haupttreiber des russischen BIP-Wachstums sein; 24.09.26
- Finam.ru: Russlands Haushaltsdefizit wird in den nächsten drei Jahren jährlich etwa 2 % des BIP betragen. Priorität haben soziale Verpflichtungen, Verteidigung, Unterstützung des Militärs und technologische Führungsrolle; 24.09.26
- Finam.ru; Elena Aleshina: Das Budget und seine Parameter. Was ist bis heute bekannt? 22.09.26
- Forbes; Georgy Peremitin: Die Sberbank prognostiziert ein Haushaltsdefizit von 1,6 Billionen Rubel, das über den Schätzungen der Regierung liegt, 22.09.26
- live.euronext.com; Reuters; Darya Korsunskaya, Elena Fabrichnaya: Russia will have budget deficit not exceeding 3% of GDP in 2026, Finance Minister says, 21.09.26
- Vedomosti; Anna Vinogradova: Siluanov: Der Nationale Wohlfahrtsfonds wird bis Ende des Jahres um bis zu 1 Billion Rubel aufgefüllt; 21.09.26; Vedomosti; Ksenia Naumchik: Siluanov: Das Finanzministerium hat mit einem Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel gerechnet. 21.09.26
- Yahoo Finance; Reuters: Putin says Russia’s 2027 budget deficit seen at around 2% of GDP, 16.09.26
- U24 Media; Katherina Popilnichenko: War in Ukraine. Russia Spends Record $125 Billion on Military in First Half of 2026, Nearly 44% of Federal Budget, 09.09.26
- Finam.ru; Olga Belenkaya: Dank der Dividendeneinnahmen konnte das Finanzministerium im August einen Haushaltsüberschuss erzielen. 09.09.26
Wirtschaft insgesamt
- VEB-Institut: Weltwirtschaft und Märkte, 25.09.26
- Raiffeisenbank; Fokus-Pocus: Die Industrieproduktion stürzte erneut unter Null, 24.09.26
- Finmarket.ru: Die Industrieproduktion in Russland sank im August um 0,6 %; 23.09.26
- Politkom.ru; Nikita Maslennikow: Globale Wirtschaft – Zunahme der Risiken; 24.09.26
- Russland-Analysen; Heli Simola (Bank of Finland Institute for Emerging Economies (BOFIT)): Jenseits des Gesamtwachstums: Russlands uneinheitliche Kriegswirtschaft; 22.09.26
- Kommersant, Artem Chugunov: Der private Konsum kühlt sich nur widerwillig ab, 22.09.26
- Moscow Times; Tatjana Rybakowa: Russia Has a Labor Shortage. So Why Can’t Anyone Find a Job? 18.09.26
- Kommersant.ru; Artem Chugunov: Die Industrie hat etwas von ihrem Optimismus eingebüßt; 18.09.26
- Finmarket.ru: Putin: Russlands BIP-Wachstum wird dieses Jahr innerhalb von 1 % liegen; 18.09.26
Energiewirtschaft, Kraftstoffversorgung
- dpa-AFX: Ölpreise bauen Gewinne deutlich aus – Brent steigt über 107 US-Dollar, 24.09.26
- Global Banking & Finance Review: Russia cuts natural gas output, export forecasts, 23.09.26
- Focus; Lars-Eric Nievelstein: Russland muss auf Raffinerien verzichten, die 290.000 Barrel Öl pro Tag herstellen; 18.09.26
- Frankfurter Rundschau; Bedrettin Bölükbasi: Warum die Angriffe auf Russlands Wirtschaft Putin in die Hände spielen – gefährliche Strategie? 16.09.26
- rt.com: Der Verzicht auf russisches Gas kostete Deutschland 50 Milliarden Euro – Medien, 12.09.26
- KSE-Institute: Russian Oil Tracker August 2026: Strikes on oil infrastructure and diesel export ban reduced crude and oil products shipments through the Black Sea by 26% and 47% respectively, 2.09.26
Außenwirtschaft, Sanktionen
- RT.de: Zwangsverwaltung russischer Töchter europäischer Konzerne – Warum jetzt? 22.09.26
- Tagesschau.de: Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé in Russland unter Zwangsverwaltung, 18.09.26
- BBC, Bernd Debusmann: Trump signs sweeping Russia sanctions bill, 19.09.26
- Charlotte Observer; Patricia Zengerle, Reuters: National House passes Russia sanctions bill championed by Graham, sending it to Trump, 17.09.26
- RBC.ru: Das US-Repräsentantenhaus hat Grahams Sanktionsgesetz gegen Russland verabschiedet. 262 Kongressabgeordnete stimmten dafür, 159 dagegen. 17.09.26
- bne Intellinews; Ben Aris: Russia’s oil refining down, but shortages drive up revenues anyway, CREA-Monatsbericht zum Export fossiler Brennstoffe, 11.09.26
Geldpolitik
- russland.capital: Putin sieht die Inflation unter Kontrolle – höhere Tarife stehen noch bevor, 18.09.26
- Politkom.ru; Nikita Maslennikow: Die Regulierungsbehörde legte eine taktische Pause ein; 17.09.26
- Interfax.ru: Die Indexierung der Tarife für Wohnraum und kommunale Dienstleistungen wird die Inflation um 0,7 Prozentpunkte erhöhen und sie damit näher an die obere Grenze der Prognose der Zentralbank von 7 % heranführen; 16.09.26
- Kommersant.ru; Artem Chugunov: Die stabile Inflation wird nicht so schnell sinken; 16.09.26
- russland.capital: Teurer Sprit, teure Kredite: Russlands Zentralbank unterbricht die Zinssenkungen; mit russsland.ru-Video der Pressekonferenz der Zentralbank, 12.09.26
- russland.news; Video: Zentralbankpräsidentin zur Geldpolitik; Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses. Teilnehmer sind die Präsidentin der Bank von Russland, Elvira Nabiullina, und der stellvertretende Präsident der Bank von Russland, Alexej Zabotkin; 12.09.26.
- bne intellinews, Ben Aris: Russia’s central bank stops cutting, and blames the refineries, 11.09.26
- Finam.ru; Olga Belenkaya: Warum hat die russische Zentralbank den Zinssatz bei 14 % belassen? Was wird die Entscheidungen für den Rest des Jahres bestimmen? 11.09.26
- Finam.ru; Olga Belenkaya: Die russische Zentralbank rechnet mit einer Pause bei den Leitzinssenkungen und einer Verschärfung der Rhetorik. Die Regulierungsbehörde hat es erneut versäumt, ein klares Signal für künftige Maßnahmen zu geben. 11.09.26
- Handelsblatt: Russische Zentralbank hält an hohem Leitzins fest. 11.09.26
- Bank of Russia: Statement by Bank of Russia Governor Elvira Nabiullina in follow-up to Board of Directors meeting on 11 September 2026, 11.09.26
- Bank of Russia; Press release: Bank of Russia keeps the key rate at 14.00% p.a., 11.09.26
- Finmarket.ru: Die Deflation in Russland betrug im August 0,08%. Die jährliche Inflationsrate beschleunigte sich von 5,98 Prozent im Vormonat auf 6,33 Prozent; 11.09.26
Duma-Wahl; Politisches Umfeld
- BR24: Russland (Themenseite)
- fr.de; newsweek: Putin nutzt Rekordsieg seiner Partei als Kriegsmandat – Ökonom Gurijew warnt vor Mobilmachung, 22.09.26
- The Moscow Times: Einiges Russland vor Rekordmehrheit im Parlament bei den ersten Wahlen während des Krieges, 21.09.26
- Handelsblatt, dpa: Parlamentswahl in Kriegszeiten. Wahl in Russland endet – wie schneidet Putins Partei ab? Präsident Putin will seinen Kriegskurs bestätigen lassen. 20.09.26
- The Independent; David McHugh: Putin’s war economy is under strain. One thing is keeping it afloat. The frictions in Russia’s wartime economy are growing; 19.09.26
- ORF.at, News: Duma-Wahl als Planspiel des Kreml, 18.09.26
- CNBC; Sam Meredith, Anniek Bao: Putin braces for election stress test as Russians ‘feel the pain’ of struggling economy, Sergei Guriev told CNBC that Russians are increasingly feeling the economic pain of the Ukraine war as growth stalls, taxes rise and the Kremlin runs a significant budget deficit, 17.09.26


