Türkische Banken könnten nach Einschätzung von Fitch Ratings auch die Belastungen eines länger anhaltenden Iran-Konflikts verkraften, ohne zusätzliche Kapitalspritzen ihrer Aktionäre zu benötigen.
Das geht aus einem Stresstest der Ratingagentur hervor. Selbst im schwersten Szenario, in dem der Wechselkurs USD/TRY bis Ende 2026 auf 75 steigt und die Quote notleidender Kredite auf 7,5 Prozent zunimmt, würde nur eine Bank die regulatorischen Kapitalanforderungen verfehlen: die staatliche Halkbank.
Fitch testet mehrere Stressszenarien
Nach Basel-III-Regeln müssen türkische Banken eine Mindestquote für hartes Kernkapital von 4,5 Prozent einhalten. Fitch prüfte die Kapitalausstattung von neun großen türkischen Banken unter deutlich schlechteren Annahmen als im Basisszenario.
Im Basisszenario rechnet Fitch für Ende 2026 mit einem USD/TRY-Kurs von 49,5 und einer Quote notleidender Kredite von 3,4 Prozent. Diese beiden Faktoren gelten aus Sicht der Agentur als wichtigste Risiken für die Solvenz des türkischen Bankensektors.
Eine wichtige Rolle spielt zudem die Berechnung der risikogewichteten Aktiva in Fremdwährungen. Sollte die bisherige regulatorische Toleranz vollständig wegfallen, würden Wechselkursbewegungen stärker auf die Kapitalquoten durchschlagen.
Fitch geht davon aus, dass eine Abwertung der Lira um 10 Prozent die durchschnittliche CET1-Quote der untersuchten Banken um etwa 50 Basispunkte senken würde. Ein Anstieg der NPL-Quote um 1 Prozentpunkt würde die Quote bis Ende 2026 um rund 46 Basispunkte belasten.
Nur eine Bank fällt im härtesten Szenario unter die Schwelle
Im günstigeren Stressszenario, bei einem USD/TRY-Kurs von 60 und einem Anstieg der NPL-Quote um 2,5 Prozentpunkte, würde keine der untersuchten Banken gegen die gesetzlichen Mindestanforderungen verstoßen.
Erst im härtesten Szenario würde eine Bank die Mindestquote für hartes Kernkapital um 108 Basispunkte unterschreiten. Laut Fitch verfügen staatliche Banken derzeit im Durchschnitt über operative Gewinnpuffer von 5,5 Prozent der Bruttokredite, private Banken über 7,2 Prozent.
Die Quote notleidender Kredite lag Ende 2025 bei 2,5 Prozent und Mitte April 2026 bei 2,7 Prozent. Fitch erwartet für 2026 zwar einen weiteren Anstieg, hält diesen aber für beherrschbar. Besonders anfällig bleiben unbesicherte Privatkundenkredite sowie Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, da sie stärker auf Konjunkturzyklen und hohe Lira-Zinsen reagieren.
Fitch berücksichtigt in den Stresstests keine Gegenmaßnahmen der Banken, keine zusätzliche regulatorische Entlastung und keine Unterstützung durch Aktionäre. In den Ratings selbst fließt jedoch ein, dass ausländische Muttergesellschaften Banken wie QNB Turkey, Denizbank oder Garanti BBVA üblicherweise unterstützen können. Auch für staatliche Banken wird eine mögliche Unterstützung durch die türkischen Behörden berücksichtigt.
Die türkische Bankenaufsicht BDDK hatte zum 1. Januar zwei wichtige Erleichterungen bei der Berechnung risikogewichteter Aktiva aufgehoben. Fitch schätzt, dass dadurch die Kapitalquoten im Durchschnitt um 170 bis 200 Basispunkte sinken. Bei starkem Druck könnten solche Erleichterungen allerdings wieder eingeführt werden.
Nach Einschätzung von Fitch bleiben die Gewinne ein wichtiger Puffer. Türkische Banken könnten Kreditverluste über ihre operativen Erträge vor Wertminderungen auffangen. Diese Puffer sind bei privaten Banken im Durchschnitt höher als bei staatlichen Instituten. Am stärksten fällt der Puffer bei QNB Turkey aus, am niedrigsten bei Halkbank.

