Der steuerliche Puffer für Dieselpreise in der Türkei ist aufgebraucht. Seit dem 20. März liegt die Sonderverbrauchssteuer (ÖTV) auf Diesel bei null – Preiserhöhungen schlagen damit erstmals ungebremst auf die Verbraucher durch.
Hintergrund ist der starke Anstieg der Ölpreise und Raffineriemargen. Bereits wenige Tage nach der Steueranpassung wurde eine weitere Preiserhöhung um 6,6 Lira pro Liter angekündigt. Der bislang genutzte Steuermechanismus zur Abfederung der Kosten greift damit nicht mehr.
Anfang März hatte die Regierung noch versucht, den Preisdruck über das sogenannte „Echelle-mobile“-System zu dämpfen. Dabei wurden 75 Prozent der Preissteigerungen über niedrigere Steuern abgefangen. Doch dieser Spielraum ist nun erschöpft.
Vor der Anpassung lag die Dieselsteuer noch bei 13,90 Lira pro Liter. Mit dem vollständigen Abbau dieses Puffers erreichen die internationalen Preisbewegungen nun direkt die Zapfsäulen.
Preise steigen rasant
Die Folgen zeigen sich deutlich: Seit Ende Februar ist Diesel in der Türkei um 57 Prozent teurer geworden, Benzin um 37 Prozent. Eine Entspannung ist bislang nicht in Sicht, da sowohl Rohölpreise als auch Raffineriemargen weiter hoch bleiben.

Tweet von @e507: Warum steigen die Dieselpreise schneller als die Benzinpreise? Die Benzinmargen steigen langsamer, da Europa und die Türkei Nettoexporteure von Benzin sind.
Die Preisbildung folgt dabei einer komplexen Formel aus internationalen Produktpreisen, Wechselkurs, Steuern und Margen. Neben der nun weggefallenen Verbrauchssteuer bleibt insbesondere die Mehrwertsteuer bestehen – ein Punkt, den Kritiker seit Langem als versteckte Doppelbelastung bezeichnen.

Tabelle: Berechnung der Kraftstoffpreise in der Türkei.
Ohne den bisherigen Steuermechanismus wäre Diesel sogar noch deutlich teurer: Experten zufolge läge der Literpreis aktuell rund 16,7 Lira höher.
Trotz dieser Dämpfung steigt der Druck auf Verbraucher und Wirtschaft. Denn Kraftstoffe wirken in der Türkei als zentraler Kostenfaktor – von Transport über Produktion bis hin zu Lebensmitteln.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich der Preisschock zunehmend in der Inflation niederschlagen wird. Eine schnelle Entlastung ist derzeit nicht absehbar.

Tabelle: Steuerbelastung auf Kraftstoffpreise in der Türkei (Stand: 21. März).


