Die Vereinigten Arabischen Emirate versuchen, ihre Position als wichtiges Ziel für internationale Investoren zu behaupten. Zugleich wächst der Wettbewerb durch Länder wie die Türkei, die sich ebenfalls als regionaler Standort für Kapital, Fachkräfte und Unternehmen profilieren wollen.
Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten haben die Verwundbarkeit der Golfregion sichtbar gemacht. Der Luftverkehr war zeitweise beeinträchtigt, Lieferketten standen unter Druck, und einige ausländische Beschäftigte prüften vorübergehend Alternativen. Auch Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus belasteten Handel, Energieexporte und Transportwege.
Vor diesem Hintergrund wird in der Region verstärkt darüber diskutiert, ob die Türkei für internationale Investoren und Fachkräfte an Attraktivität gewinnen könnte. Ankara versucht, sich als sicherer und gut angebundener Standort zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten zu positionieren. Dazu gehören neue steuerliche Anreize und Programme für ausländische Investoren, die unter anderem vom türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek vorgestellt werden sollen.
Dubai lockert Visa-Regeln für Immobilieninvestoren
Die VAE reagieren nun mit eigenen Maßnahmen. Besonders Dubai hat die Bedingungen für Aufenthaltsvisa auf Basis von Immobilieninvestitionen angepasst. Das Emirat hob die bisherige Mindestgrenze von 750.000 Dirham für Alleineigentümer auf. Für gemeinschaftlich gehaltene Immobilien wurde zugleich eine neue Untergrenze von 400.000 Dirham pro Anteil eingeführt.
Damit wird der Zugang zur zweijährigen, an Immobilienbesitz geknüpften Aufenthaltserlaubnis erleichtert. Diese Visakategorie wurde 2019 eingeführt, um ausländisches Kapital anzuziehen, ohne dass Investoren einen lokalen Sponsor benötigen.
Bei Immobilien, die über Hypotheken oder Ratenzahlungen finanziert werden, müssen Käufer weiterhin eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Bank oder des Bauträgers vorlegen. Für fertiggestellte Immobilien gilt zudem, dass mindestens 50 Prozent des Immobilienwerts bezahlt sein müssen. Berechtigte Investoren können auch Familienmitglieder im Rahmen der Aufenthaltserlaubnis sponsern.
Immobilienmarkt bleibt stark
Die Anpassung erfolgt in einer Phase, in der Dubais Immobilienmarkt weiter solide Zahlen zeigt. Im ersten Quartal 2026 erreichten die Transaktionen ein Volumen von 138,7 Milliarden Dirham, umgerechnet rund 37,45 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wertzuwachs von 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Transaktionen stieg um 4,35 Prozent.
Auch die durchschnittliche Transaktionsgröße nahm zu. Im Januar lag sie bei rund 3,3 Millionen Dirham. Das deutet auf eine stärkere Beteiligung institutioneller Anleger und vermögender Privatpersonen hin.
Neben den Visa-Regeln setzen die VAE auch auf steuerliche Anreize. Ende März kündigte die Regierung die erste Phase eines Programms zur Förderung von Forschung und Entwicklung an. Unternehmen können dabei Steuergutschriften von bis zu 50 Prozent auf förderfähige F&E-Ausgaben erhalten, begrenzt auf 5 Millionen Dirham.
Die Türkei versucht zwar, sich stärker als Alternative für internationale Investoren zu positionieren. Die VAE verfügen jedoch weiterhin über erhebliche Vorteile: eine etablierte Finanz- und Immobilieninfrastruktur, internationale Netzwerke, hohe Lebensqualität und langjährige Erfahrung im Wettbewerb um globales Kapital.
Der Wettbewerb zwischen Dubai und Istanbul dürfte sich damit weiter verschärfen. Für Investoren entsteht dadurch mehr Auswahl – und für beide Standorte der Druck, bessere rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu bieten.
