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7,3 statt 6,0 %: IWF hebt Wachstumsprognose für Tadschikistan deutlich an
"Steppe Ahead" · 16.10.2026

7,3 statt 6,0 %: IWF hebt Wachstumsprognose für Tadschikistan deutlich an

Der IWF erwartet für Tadschikistan 2026 nun 7,3 % Wachstum statt 6,0 %, die Weltbank hebt auf 7,5 % an: Die Oktober-Prognoserunde fällt für Duschanbe so günstig aus wie für kein anderes Land Zentralasiens.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

Der Internationale Währungsfonds erwartet für Tadschikistan 2026 jetzt 7,3 % Wachstum, 1,3 Punkte mehr als im April. Für 2027 hebt der Fonds seine Schätzung sogar von 4,8 auf 6,8 % an. Grundlage ist der World Economic Outlook vom 13. Oktober, vorgelegt zur Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok. Das tadschikische Nachrichtenportal Asia-Plus wertete die Zahlen am 15. Oktober aus: Keine andere Volkswirtschaft Zentralasiens bekam in dieser Prognoserunde einen vergleichbaren Aufschlag.

Weltbank, EBRD und EFSD heben parallel an

Die Weltbank traut Tadschikistan in ihrem Oktober-Update zur Region Europa und Zentralasien 7,5 % zu, nach 6,5 % im Frühjahr. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) rechnet mit 7,9 %, der Eurasische Stabilisierungsfonds EFSD mit 7,8 %. Die Asiatische Entwicklungsbank liegt mit 7,0 % am unteren Rand. Die Regierung in Duschanbe plant ohnehin mit 8,5 %.

Die laufende Konjunktur stützt die Optimisten. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs die Wirtschaft laut amtlichen Angaben um 8,2 %, nach 8,4 % im Gesamtjahr 2025. Laut EBRD stiegen die Anlageinvestitionen im ersten Halbjahr um 35,9 % zum Vorjahr, die Exporte legten um 57,2 % zu. Nur die UN-Handelsorganisation UNCTAD schert aus. Ihr Bericht vom 9. Oktober sieht Tadschikistan 2026 bei 6,6 %, hinter Kirgisistan mit 8,8 % und Usbekistan mit 7,9 %.

Im regionalen Vergleich der Weltbank bleibt Tadschikistan damit vorn dabei: Kirgisistan führt 2026 mit 9,6 %, Usbekistan folgt mit 7,9 %, Kasachstan kommt auf 4,6 %. Zentralasien insgesamt wächst demnach um 5,8 % und bleibt die wachstumsstärkste Teilregion zwischen Warschau und Bischkek.

Bemerkenswert ist der Kontrast zum Rest der Welt. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer insgesamt erwartet der IWF 2026 eine Verlangsamung auf 3,7 %, nach 4,5 % im Vorjahr. Zentralasien wächst also mehr als doppelt so schnell wie die Vergleichsgruppe. Tadschikistan selbst hat seit 2023 kein Jahr unter 8 % abgeschlossen.

Überweisungen aus Russland und der Großbau Rogun tragen den Boom

Für 2027 und 2028 hob die Weltbank ihre Zentralasien-Prognosen im Schnitt um 0,6 Punkte an. Sie verweist auf robusten Konsum und hohe staatliche Investitionen in Verkehr und Energie. In Tadschikistan kommt das Wasserkraftwerk Rogun hinzu: Anfang Oktober sicherte sich Duschanbe dafür eine zweite Weltbank-Tranche über 300 Mio. US-Dollar.

Der Konsum hängt an den Arbeitsmigranten. Überweisungen erreichten 2024 laut IWF 48 % der Wirtschaftsleistung. Mehr als 90 % der Zuflüsse kommen laut Weltbank aus Russland, ein Spitzenwert in der Region. Zum Vergleich: In Usbekistan stammen rund 70 % der Transfers aus Russland, sie erreichten im ersten Halbjahr einen Rekord von 9,2 Mrd. US-Dollar. Die Ratingagentur S&P honorierte die Lage und stufte Tadschikistan im August hoch, zeitgleich mit Kasachstan. Die Weltbank nennt die Staatsverschuldung in Zentralasien moderat und stabil. Das hebt die Region von Mitteleuropa ab, wo die Schuldenquoten seit der Pandemie steigen und in Polen bereits 65 % der Wirtschaftsleistung übersteigen.

Auch die Binnennachfrage läuft. Die Reallöhne in Zentralasien stiegen laut Weltbank mehr als doppelt so schnell wie im Schnitt der Gesamtregion Europa und Zentralasien. In Tadschikistan treiben zudem Konsumkredite das Kreditwachstum, während Hypotheken an Finanzierungs- und Sicherheitenauflagen scheitern. Beides stützt den privaten Verbrauch, macht ihn aber zinsempfindlich.

Der globale Rahmen bleibt dagegen fragil. Weltweit erwartet der IWF für 2026 nur 3,1 % Wachstum. „Der Ausblick ist höchst uneinheitlich“, sagte IWF-Forschungsdirektorin Silvana Tenreyro laut dem US-Wirtschaftsmagazin Fortune bei der Vorstellung des Berichts in Bangkok.

Ab 2027 rechnen alle Institute mit Abkühlung

In der Richtung ab 2027 sind sich die Häuser einig: abwärts. Die Weltbank sieht Tadschikistan dann bei 6,2 %, 2028 bei 5,6 %. Der IWF erwartet 6,8 %, die EBRD 7,0 %, der EFSD 6,7 %. Der Grund ist überall derselbe: Die Abhängigkeit von Überweisungen macht das Land verwundbar. Wächst die Wirtschaft in den Gastländern der Migranten langsamer, sinken die Zuflüsse. Der EFSD erwartet eine Normalisierung der Transfers. Die ADB begründete ihre vorsichtigere Prognose mit der Eskalation des Ukraine-Kriegs und Engpässen bei der Treibstoffversorgung.

Die Preise bleiben vorerst ruhig. Der IWF erwartet 4,1 % Inflation in diesem Jahr und 4,8 % im nächsten. Offen ist, wie belastbar der Exportboom von 57 % ist: Er beruht stark auf Edelmetallen zu hohen Weltmarktpreisen. Kippt der Goldpreis oder stocken die Transfers aus Russland, greift das Abkühlungsszenario der Weltbank schneller als geplant. Bis dahin gilt: Duschanbe erlebt die beste Prognoserunde seit Jahren, finanziert von Migranten, Metallen und multilateralen Krediten.

Quelle: Asia-Plus, Weltbank ECA Economic Update, Asia-Plus zu UNCTAD, Fortune (alle EN)

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