Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“
1.700 Delegierte aus 75 Ländern reisen in dieser Woche nach Aschgabat. Vom 21. bis 23. Oktober richtet Turkmenistan dort die 31. Öl- und Gaskonferenz OGT 2026 aus, das wichtigste Branchentreffen des Landes. Kurz vor dem Forum meldet der Staatskonzern Türkmengaz 80 % Baufortschritt auf dem ersten TAPI-Abschnitt nach Herat. Zugleich erklärt Aschgabat die lange gemiedene Transkaspische Pipeline zur Priorität.
TAPI: 153 Kilometer bis Herat stehen vor dem Abschluss
Die Pipeline TAPI soll Gas aus dem Riesenfeld Galkynysch über Afghanistan nach Pakistan und Indien bringen. Geplant sind rund 1.814 Kilometer Länge und 33 Mrd. Kubikmeter Jahreskapazität. Der erste afghanische Abschnitt führt über 153 Kilometer von Serhetabat nach Herat. Laut Türkmengaz ist er zu rund 80 % fertig. Der Abschluss soll bis Jahresende gelingen. Das auf Zentralasien spezialisierte US-Nachrichtenportal Eurasianet berichtete Mitte Oktober über den Stand.
Die regionale Nachrichtenplattform Times of Central Asia nannte im September Details: 122,3 Kilometer Rohr waren geschweißt und verlegt, 71,5 Kilometer davon bereits vergraben. Im Mai lagen erst 63 Kilometer, das Tempo hat sich also binnen vier Monaten verdoppelt. Ab 2027 hat der zweite Abschnitt von Herat bis zur pakistanischen Grenze Vorrang. Die afghanische Gesamtstrecke misst 816 Kilometer, ihre Finanzierung für 2027 ist offen. Türkmengaz hält die Mehrheit am Projektkonsortium, Afghanistan, Pakistan und Indien halten je 5 %. Laut Asiatischer Entwicklungsbank sollen Pakistan und Indien je 47,5 % des Gases abnehmen, Afghanistan 5 %. Erste Erlöse winken früher: Im August unterzeichneten Türkmengaz und Afghan Gas ein Memorandum über Gasverkäufe in der Provinz Herat, Mengen und Preise stehen noch aus. Parallel baut Turkmenistan in Herat an einer 500-Kilovolt-Stromleitung und an einer rund 120 Kilometer langen Bahnstrecke ab Torghundi. Einen Termin für erste Lieferungen nach Südasien nennt der Konzern dagegen nicht. „Niemand kann ein genaues Datum nennen“, sagte Türkmengaz-Vizechef Myrat Archayev Anfang Oktober in einem Interview, aus dem Eurasianet zitiert.
Kaspische Route rückt auf, China bleibt Hauptabnehmer
Archayev setzte noch eine zweite Botschaft: Die Transkaspische Pipeline nach Aserbaidschan sei „sehr relevant“ und habe Priorität. Das ist ein Kurswechsel, denn jahrelang mied Aschgabat das Projekt einer Röhre Richtung Europa. Dabei sitzt das Land laut Weltbank auf den viertgrößten Erdgasreserven der Welt. Ex-Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow erklärte die Diversifizierung der Exportrouten bereits im Februar zur nationalen Hauptaufgabe, berichtete die Times of Central Asia. Offen bleiben die Abgrenzung des Meeresbodens zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan, die Finanzierung und die Liefermengen. Laut Eurasianet treibt auch Kasachstans Routenproblem die Debatte an: Russische Exportwege fallen nach ukrainischen Drohnenangriffen immer wieder aus, die Region sucht Alternativen.
Bis auf Weiteres bleibt China der dominierende Abnehmer. Rund 30 Mrd. Kubikmeter turkmenisches Gas fließen jährlich durch die Zentralasien-China-Pipeline. Im April vereinbarte Türkmengaz mit dem chinesischen Staatskonzern CNPC die vierte Ausbaustufe von Galkynysch. Das Paket umfasst laut Times of Central Asia 5,1 Mrd. US-Dollar und soll die jährliche Aufbereitungskapazität um 10 Mrd. Kubikmeter erhöhen. Jede neue Route verringert diese Abhängigkeit nur langsam.
Neun-Monats-Bilanz: Förderplan übertroffen, Handelsdynamik lässt nach
Die Zahlen zum dritten Quartal stützen den Auftritt vor den Investoren nur teilweise. Laut einem Kabinettsbericht von Anfang Oktober erfüllte Turkmenistan den Förderplan für Erdgas und Begleitgas von Januar bis September zu 109,1 %. Darüber berichtete die aserbaidschanische Nachrichtenagentur Trend. Dieselbe Agentur meldete nach der Kabinettssitzung vom 16. Oktober eine Abkühlung im Handel: Der Umsatz der Betriebe des Handelsministeriums wuchs in neun Monaten um 13,2 % zum Vorjahr. Laut Trend-Berechnung lag das Wachstum damit 5,2 Punkte unter dem Wert von 2025. Absolute Summen nennt die Regierung nicht, unabhängige Prüfungen der Staatsdaten fehlen.
Die OGT bleibt trotzdem das Schaufenster des Jahres. 450 Unternehmen haben laut dem staatlichen Nachrichtenportal Turkmenistans ihre Teilnahme bestätigt, darunter Firmen aus Deutschland, den USA, China und Malaysia. Malaysia stellt erstmals einen eigenen Nationalpavillon mit mehr als 20 Unternehmen. Auf der Agenda stehen Galkynysch, TAPI, der Gastransport durch die Kaspi-Region, Downstream-Industrien und die Senkung von Methanemissionen. Für Investoren zählt am Ende ein Punkt: ob Aschgabat unterschriebene Lieferverträge, Preise und Finanzierungszusagen vorlegt. Bei TAPI fehlen bislang alle drei.
Quelle: Eurasianet, Times of Central Asia, Trend, Trend, turkmenistan.gov.tm (alle EN)


