Aserbaidschans Exporte ohne Öl sind von Januar bis August 2026 um 17,6% auf 2,81 Mrd. US-Dollar gestiegen. Das meldet das Zentrum für Analyse wirtschaftlicher Reformen (CAERC), eine staatliche Stelle in Baku. Allein im August legten die Ausfuhren um 13% auf 350,8 Mio. US-Dollar zu. Das Land gewinnt damit Abstand zum Ölgeschäft, das schwächelt.
Öl und Gas bremsen, alles andere wächst
Das Staatliche Statistikkomitee beziffert die Wirtschaftsleistung der ersten acht Monate auf 87,7 Mrd. Manat. Das Plus liegt bei 1,2% zum Vorjahreszeitraum. Der Öl- und Gassektor schrumpfte um 0,8% auf 26,2 Mrd. Manat. Die Wirtschaft ohne Öl und Gas wuchs um 2,1% auf 61,5 Mrd. Manat. Die Industrieproduktion ohne Öl stieg um 5,4%, während die gesamte Industrie um 0,4% sank.
Präsident Ilham Aliyev nannte die Struktur am 26. September beim zweiten Internationalen Investitionsforum in Baku. Der Nichtölsektor mache derzeit mehr als 70% der Wirtschaftsleistung aus, sagte er. Zugleich betonte er: „Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wird fortgesetzt, um die Dominanz von Öl und Gas bei den Exporten zu verringern.“
Das Öl bleibt trotzdem der Anker der Staatsfinanzen. Die staatliche Ölgesellschaft SOCAR meldet für ihre Vermarktungsabteilung, die Nichtöl-Waren verkauft, ein Minus. Ihre Erlöse fielen von Januar bis August um 23,9% auf 207,3 Mio. US-Dollar. Das sind 65 Mio. US-Dollar weniger als im Vorjahreszeitraum.
Landwirtschaft und Metalle tragen den Zuwachs
Nach Angaben des CAERC verkaufte Aserbaidschan Agrarerzeugnisse für 732 Mio. US-Dollar, ein Plus von 19,2%. Verarbeitete Agrarprodukte brachten 255,8 Mio. US-Dollar ein, 22,1% mehr als im Vorjahr. Zusammen kommen beide Gruppen auf 987,8 Mio. US-Dollar und wachsen um 19,9%.
Bei einzelnen Waren fallen die Sprünge größer aus. Die Zuckerausfuhr hat sich mehr als verdoppelt, laut CAERC auf das 2,3-Fache. Baumwollgarn legte um 62,2% zu, Aluminium um 42,8%. Tierische und pflanzliche Fette und Öle wuchsen um 30,2%, Eisenmetalle um 20,5%. Obst und Gemüse liegen 13,7% über dem Vorjahr, Tee 12,1%.
Der Staat stützt diese Entwicklung. Er will Exporteuren einen Teil der Logistikkosten erstatten, wie die Agentur Trend berichtet.
Für deutsche Exporteure und Investoren folgt daraus: Aserbaidschan sucht Partner für Verarbeitung, Metall und Agrartechnik. Wer Maschinen für Zuckerfabriken, Spinnereien oder Aluminiumwerke liefert, trifft auf staatliche Förderung und wachsende Nachfrage. Investoren sollten die Ölabhängigkeit der Staatseinnahmen einpreisen: Ein schwacher Ölpreis trifft den Haushalt zuerst, die Kaufkraft danach.
Quellen: Staatliches Statistikkomitee Aserbaidschans (EN), Zentrum für Analyse wirtschaftlicher Reformen CAERC (EN), Präsidialverwaltung über APA (EN), Report.az (EN), Trend (EN)
SK, Frankfurt
