Die Inflation in der Slowakei lag im September bei 3,1%. Das meldete das slowakische Statistikamt ŠÚ SR am 15. Oktober. Die Rate blieb gegenüber August unverändert und ist die niedrigste seit 21 Monaten. Im Monatsvergleich stiegen die Preise um 0,2%, so stark wie seit vier Monaten nicht mehr. Im Schnitt der ersten neun Monate lag die Teuerung bei 3,5%.
Lebensmittel billiger, Kraftstoff teurer
Lebensmittel und alkoholfreie Getränke kosteten 3,2% weniger als vor einem Jahr. Sie sind die einzige Warengruppe mit sinkenden Preisen. Im Monatsvergleich fielen sie um 1%, den vierten Monat in Folge. Milch wurde 2,2% billiger, Obst 4,4%, Getreideprodukte samt Brot 1,4%.
Beim Verkehr verlief es umgekehrt. Die Preise stiegen hier um 9,1% zum Vorjahr. Kraftstoffe verteuerten sich um 22,2%, allein im September um 5,5%. Von 13 Warengruppen legten 12 im Jahresvergleich zu: von 0,7% bei Bekleidung bis 9,1% beim Verkehr.
Die Kerninflation ohne regulierte Preise fiel laut Trading Economics auf 1,5%. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2021. Wohnen und Versorgung verteuerten sich dagegen um 7,8%. Im Monatsvergleich stiegen 8 der 13 Warengruppen: von 0,3% bei Körperpflege bis 2,2% bei Bildung. Vier Gruppen wurden billiger, am stärksten Freizeit, Sport und Kultur mit minus 1,1%.
Die Nationalbank erwartet einen leichten Anstieg
Branislav Karmažin, Analyst der slowakischen Nationalbank NBS, sah die Wende früh kommen. Am 2. Oktober kommentierte er die Schnellschätzung des Statistikamts. Sein Satz, hier aus dem Slowakischen übersetzt: „Die Gesamtinflation wird sich daher voraussichtlich leicht auf 3,2% beschleunigen.“ Er meint den Oktober.
Für das Gesamtjahr rechnet Karmažin mit mehr. „Im Jahr 2026 erwarten wir eine durchschnittliche Inflation von etwa 3,6%“, sagte er. Diese Prognose stammt von Anfang Oktober und kennt die Septemberzahlen noch nicht.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Für deutsche Exporteure ist die Lage zweigeteilt. Der Lebensmittelhandel in der Slowakei steht unter Preisdruck, und Händler geben diesen Druck an ihre Lieferanten weiter. Wer Konsumgüter liefert, sollte mit knappen Margen kalkulieren. Die Slowakei zahlt in Euro, ein Wechselkursrisiko entfällt. Spediteure und Industriekunden spüren dagegen den Kraftstoff, der um mehr als ein Fünftel teurer ist. Verträge mit Preisgleitklauseln für Transport schützen vor weiteren Sprüngen. Die NBS erwartet für Oktober wieder etwas mehr Teuerung, die Spielräume für Preissenkungen im Handel werden damit enger.
Quellen: Štatistický úrad SR (SK), TASR/teraz.sk (SK), Analystenkommentar NBS via openiazoch.zoznam.sk (SK), Trading Economics (EN)
SK, Frankfurt

