Tschechiens Einzelhandel hat im Juli real 4,8% mehr umgesetzt als im Vorjahresmonat. Das meldete das tschechische Statistikamt ČSÚ am 4. September. Gegenüber Juni stieg der Umsatz um 0,6%. Es ist der 32. Monat in Folge mit einem Plus zum Vorjahr.
Das Tempo zieht an. Im Juni hatte der Zuwachs zum Vorjahr noch bei 3,6% gelegen. Der Juli-Wert liegt damit 1,2 Prozentpunkte darüber.
Onlinehandel und Nichtlebensmittel treiben das Wachstum
Den stärksten Schub lieferte der Versand- und Internethandel mit plus 12,4%. Der Handel mit Nichtlebensmitteln wuchs um 6,6%. Kraftstoffe legten um 4,0% zu, Lebensmittel nur um 2,7%.
Bei den Fachgeschäften führten Bekleidung, Schuhe und Lederwaren mit plus 8,8%. Apotheken und Handel mit medizinischen Waren steigerten den Umsatz um 7,8%. Der Kfz-Handel blieb mit plus 0,5% fast flach.
Jana Gotvaldová, Leiterin der Handelsstatistik beim ČSÚ, ordnet die Zahlen so ein. „Der Internethandel trug am meisten zum Umsatzanstieg bei“, sagt sie laut ČSÚ-Mitteilung. Sie betont: „Der preisbereinigte Einzelhandelsumsatz stieg im Juli im Vorjahresvergleich den 32. Monat in Folge.“ Beide Zitate sind aus dem Englischen übersetzt. Die Statistiker sehen die Stärke also nicht im Supermarkt, sondern im Netz und im Regal mit Konsumgütern. Die Juli-Zahlen sind vorläufig, die endgültigen Daten folgen im März 2027.
Verbraucher blicken im September zuversichtlicher voraus
Auch die Stimmung der Haushalte hellt sich auf. Der Verbrauchervertrauensindikator stieg im September um 2,8 Punkte auf 105,1. Das teilte der ČSÚ am 24. September mit. Weniger Haushalte erwarten, dass die Wirtschaft schwächer wird. Mehr Haushalte rechnen mit besseren eigenen Finanzen. Weniger Haushalte planen, große Anschaffungen aufzuschieben.
Das Vertrauen im Handel stieg um 1,7 Punkte. Dienstleister, Industrie und Bau meldeten dagegen Rückgänge von 2,3, 2,0 und 0,6 Punkten.
Was das für deutsche Exporteure heißt
Der tschechische Konsum trägt die Konjunktur, und er wandert ins Netz. Das gilt seit mehr als zwei Jahren, wie die 32 Wachstumsmonate zeigen. Deutsche Hersteller von Bekleidung, Schuhen, Drogerie- und Elektronikartikeln finden dort wachsende Nachfrage. Wer nach Tschechien liefert, sollte Onlinehändler als Kunden gezielt ansprechen. Bei Lebensmitteln und Autos bleibt das Wachstum dünn. Wer dort liefert, braucht Preisdisziplin statt Wachstumsplänen. Auch Kraftstoffe wachsen nur mit 4,0%. Die ČSÚ-Daten für August stehen im Oktober an.
Quellen: ČSÚ, Einzelhandel Juli 2026 (EN); ČSÚ, Konjunktur- und Verbrauchervertrauen September 2026 (EN)
SK, Frankfurt


