Der milliardenschwere internationale Seehafen Turkmenbaschi am Kaspischen Meer nutzt derzeit offenbar nur einen Bruchteil seiner Kapazität. Nach Angaben von Vertretern des TRACECA-Programms (Transportkorridor Europa–Kaukasus–Asien) liegt die Auslastung des Hafens lediglich bei 25 bis 30 Prozent. Hauptgründe seien bürokratische Hürden, insbesondere Schwierigkeiten bei der Visaerteilung und Genehmigungsverfahren für Transportunternehmen.
Darauf wies Jasurbek Choriev, Generalsekretär von TRACECA und stellvertretender Verkehrsminister Usbekistans, in einem Gespräch mit Gazeta.uz hin. Seine Aussagen wurden anschließend von Turkmen News veröffentlicht.
Bürokratie bremst Transitpotenzial
Choriev betonte, dass die transkaspische Route über Turkmenistan grundsätzlich über erhebliche Vorteile verfüge. So sei der Hafen von Turkmenbaschi von der Verflachung des Kaspischen Meeres vergleichsweise wenig betroffen. Zudem verfüge Turkmenistan über eine ausreichend große Transitflotte – ein Vorteil gegenüber einigen anderen Staaten entlang des Mittleren Korridors zwischen China und Europa.
Dennoch würden diese Standortvorteile bislang nicht ausgeschöpft.
„Derzeit nutzt der Hafen von Turkmenbaschi sein Potenzial noch nicht vollständig. Insbesondere für Reedereien ist es schwierig, Visa zu erhalten. Auch bei Genehmigungen gibt es Probleme. Diese Fragen müssen aktiver angegangen werden“, erklärte Choriev.
Nach seinen Angaben liegt die Auslastung des Hafens derzeit lediglich bei etwa 25 bis 30 Prozent.
Das Interesse an der transkaspischen Route ist zuletzt gestiegen. Hintergrund sind die Unsicherheiten im Nahen Osten und die zeitweiligen Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Dennoch, so Choriev, bleiben Zuverlässigkeit und Planbarkeit die entscheidenden Faktoren für internationale Verlader.
Bereits im Januar hatte der usbekische Vizepremierminister Jamshid Khodjaev die Visabeschränkungen in Turkmenistan als ernsthaftes Hindernis für den regionalen Handel bezeichnet.
Konkurrenz im Mittleren Korridor
Für das doppelt binnenländische Usbekistan besitzen alternative Transitkorridore eine strategische Bedeutung. Turkmenistan könnte dabei eine wichtige Rolle spielen, da es – ähnlich wie Kasachstan – den Transport von Gütern über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan ermöglicht.
Derzeit dominiert jedoch Kasachstan den Güterverkehr entlang des Mittleren Korridors. Das Land investiert massiv in den Ausbau seiner Hafeninfrastruktur, Logistikkapazitäten und Flotte. Sollte Turkmenistan die bestehenden administrativen Hürden abbauen, könnte es sich jedoch zu einem ernsthaften Wettbewerber entwickeln.
Der internationale Seehafen Turkmenbaschi wurde vom türkischen Bauunternehmen GAP Construction errichtet und im Mai 2018 eröffnet. Kürzlich kündigte die Hafenverwaltung zudem die Einführung eines digitalen Hafenmanagementsystems an, um Abläufe effizienter zu gestalten.
Offiziellen Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr insgesamt 7,32 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen, was einem Anstieg von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Davon entfielen 4,47 Millionen Tonnen auf Exporte, 1,52 Millionen Tonnen auf Importe und 1,33 Millionen Tonnen auf Transitgüter.
Für das laufende Jahr wird ein Umschlagvolumen von 8,4 Millionen Tonnen erwartet – ein Plus von rund 15 Prozent. Das Containeraufkommen soll um 40 Prozent auf etwa 4.500 Container steigen.
Auch im Schiffbau plant Turkmenistan den Ausbau seiner Kapazitäten. Die Balkan-Werft hat bereits Verträge mit dem südkoreanischen Unternehmen Koryo Shipbuilding über den Bau neuer Trockenfrachtschiffe unterzeichnet.
TRACECA ist ein zwischenstaatliches Programm zur Förderung von Verkehrsverbindungen zwischen Europa, dem Kaukasus und Asien. Zu den Mitgliedern gehören Aserbaidschan, Armenien, Bulgarien, Georgien, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Moldau, Rumänien, Tadschikistan, Turkmenistan, die Türkei und Usbekistan.

