Das polnische Wirtschaftswachstum dürfte 2026 und 2027 schwächer ausfallen als bislang erwartet. Das geht aus einem Bericht der Bank Pekao vom 12. Mai hervor. Grund sind anhaltende Spannungen im Persischen Golf, die den privaten Konsum und die Exporte belasten.
Pekao rechnet nun mit einem BIP-Wachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2026 und 2,7 Prozent im Jahr 2027. Zuvor hatte die Bank noch 3,8 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent erwartet. Die Herabstufung spiegelt aus Sicht der Analysten vor allem die Auswirkungen höherer Energiepreise auf die Binnennachfrage und den Außenhandel wider.
Energiepreise belasten Inflation
Nach Einschätzung von Pekao wird eine länger anhaltende Treibstoffkrise zunehmend zum Basisszenario. Eine klare Aussicht auf eine stabile Lösung oder eine vollständige Normalisierung der Lage rund um die Straße von Hormus sei derzeit nicht erkennbar. Die Ölpreise hätten sich deutlich über dem Niveau vor der Eskalation eingependelt.
Die Bank schätzt, dass der stärkste Effekt des aktuellen Kraftstoffpreisschocks auf die Inflation etwa fünf bis sechs Monate nach dessen Beginn sichtbar werden dürfte. Unter der Annahme, dass der Schock im März begann und bis Ende 2026 in ähnlicher Form anhält, rechnet Pekao mit einem Ölpreis von rund 100 US-Dollar je Barrel und einem Erdgaspreis von 50 Euro je Megawattstunde.
In einem solchen Szenario könnte die Energiekrise die Inflation um etwa 2 Prozentpunkte erhöhen. Pekao sieht daher wachsende Risiken von Zweitrundeneffekten. Die Bank erwartet nun, dass die jährliche Inflation bis Ende 2026 auf rund 4 Prozent steigen könnte. Damit läge sie über dem Toleranzband der Polnischen Nationalbank, das zwischen 1,5 und 3,5 Prozent um das Inflationsziel von 2,5 Prozent liegt.
Zinssenkungen rücken in die Ferne
Nach Einschätzung von Pekao hat die Lage im Persischen Golf die Bereitschaft des geldpolitischen Rates zu Zinssenkungen in diesem Jahr deutlich verringert. Die jüngste restriktive Pressekonferenz von NBP-Gouverneur Adam Glapiński habe sogar die Möglichkeit von Zinserhöhungen wieder in die Diskussion gebracht.
Der Referenzzinssatz der Polnischen Nationalbank liegt seit März bei 3,75 Prozent.
Auch der Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale. Die Arbeitslosenquote blieb im März bei 6,1 Prozent. Das Lohnwachstum beschleunigte sich im Jahresvergleich auf 6,6 Prozent, während die Beschäftigung weiter um 0,9 Prozent zurückging.
Pekao sieht vor allem in der sinkenden Arbeitskräftenachfrage ein Warnsignal. Sie deute darauf hin, dass der Arbeitsmarkt schwächer sei, als es die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote vermuten lasse.

