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Russland: Trotz hoher Ölpreise nur schwaches Wachstum und hohes Budgetdefizit
Russland · 11.08.2026

Russland: Trotz hoher Ölpreise nur schwaches Wachstum und hohes Budgetdefizit

Wie stark Russlands Wirtschaft im ersten Halbjahr 2026 gewachsen ist, ist umstritten: IEF-RAS, VEB-Institut und Zentralbank schätzen das BIP-Wachstum unterschiedlich ein.

Autor: Klaus Dormann


Wie schwach die russische Wirtschaft im ersten Halbjahr gewachsen ist, ist noch ziemlich umstritten. Das „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften“ (IEF-RAS) veranschlagt den Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts im Juni und im zweiten Quartal merklich höher als das Forschungsinstitut der staatlichen Entwicklungsgesellschaft VEB. Das Statistikamt Rosstat wird voraussichtlich am 12. August eine vorläufige Schätzung für das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion im zweiten Quartal veröffentlichen (TradingEconomics).

Getäuscht haben sich bisher diejenigen, die nach dem weltweiten starken Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Krieges erwarteten, dass damit auch die Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich im russischen Bundeshaushalt steigen würden. In den ersten sieben Monaten waren sie jedoch rund 17 % niedriger als vor einem Jahr.

IEF RAS: Im zweiten Quartal wuchs Russlands BIP um 1,2 %

Das „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften“ (IEF-RAS) schätzte in der letzten Woche in seiner monatlichen „Kurzfristigen Analyse der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts“ das reale jährliche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2026 auf 1,2 %. Dabei habe sich der jährliche Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts im Juni auf 1,7 % beschleunigt (siehe rechte blaue Säule in der folgenden Abbildung).

Schätzung der monatlichen Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts
schwarze Linie: Index des realen Bruttoinlandsprodukts, Jan. 2019=100
blaue Säulen: Schätzung der BIP-Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent

IEF-RAS: Schätzung der monatlichen Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts Russlands, Index und Veränderung zum Vorjahresmonat

IEF RAS: Kurzfristige Analyse der BIP-Entwicklung; 04.08.26

Die schwarze Linie zeigt, dass der Index des realen Bruttoinlandsprodukts, der im Mai fast stagniert hatte, im Juni wieder gestiegen ist. Das IEF schätzt den saisonbereinigten BIP-Anstieg im Juni gegenüber Mai auf 0,6 %.

Das Institut stellt heraus, das wichtigste Ergebnis der Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2026 sei die Erholung der Produktion nach dem Rückgang am Jahresbeginn, Die Produktion in den „zivilen“ Wirtschaftsbereichen stabilisiere sich. Die Wirtschaft wachse trotz des Einflusses einer Reihe ungünstiger Faktoren. Dazu zählt das IEF zum einen die Sanktionen sowie die Auswirkungen der erhöhten Steuerbelastung und der restriktiven Geldpolitik. Als „neue Belastungsfaktoren“ nennt es die militärischen Angriffe auf Ölraffinerien und Warenlager in Russland.

Das VEB-Institut schätzt das Wachstum niedriger ein als das IEF

Das Forschungsinstitut der staatlichen Entwicklungsgesellschaft VEB veranschlagt die jährliche Wachstumsrate der russischen Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 in seinem am 06. August veröffentlichten „BIP-Index“ für Juni 2026 nicht wie das „Institut für Wirtschaftsprognosen“ auf 1,2 %, sondern nur auf 0,9 % (wie das russische Wirtschaftsministerium laut Interfax). Chefvolkswirt der VEB ist seit 2014 Andrey Klepach. Er war zuvor u.a. Stellvertretender Wirtschaftsminister.

Nach Schätzung des VEB-Instituts stieg das reale BIP im Juni gegenüber Mai auch nicht wie vom IEF veranschlagt um 0,6 %, sondern nur halb so stark um 0,3 % (saison- und kalenderbereinigt).

Im Juni 2026 ist das reale BIP laut dem VEB-Institut nur 1,2 % höher gewesen als im Vorjahresmonat, Das IEF-Institut schätzt die jährliche Wachstumsrate hingegen auf 1,7 %.

Die Zentralbank erwartet eine Abschwächung des Wachstums im dritten Quartal

Im ersten Quartal 2026 war das reale Bruttoinlandsprodukt laut Rosstat 0,2 % niedriger als im Vorjahr. Im zweiten Quartal wurde laut einer Schätzung der russischen Zentralbank aber ein jährliches Wachstum von 0,8 % erreicht. Das zeigen die grauen Säulen in der folgenden Abbildung der Zentralbank (Die schwarzen Punkte zeigen, dass die jährliche Wachstumsrate von 4,9 % im Jahr 2024 auf 1,0 % im Jahr 2025 gesunken ist).

Reales Bruttoinlandsprodukt, jährliche Veränderungsrate in Prozent*

Bank von Russland: Reales Bruttoinlandsprodukt Russlands, jährliche Veränderungsrate in Prozent

* Die BIP-Zahl für das zweite und dritte Quartal 2026 ist eine Schätzung der Bank von Russland.
Quellen: Rosstat, Berechnungen der Bank von Russland.
Bank of Russia: Commentary on the Bank of Russia’s Medium-term Forecast, PDF, 05.08.26

Die Zentralbank hat auch eine Prognose zur BIP-Entwicklung im dritten Quartal veröffentlicht. In einem Kommentar zu ihrer im Juli aktualisierten „Mittelfristigen Prognose“ meint die Zentralbank, dass sich die Wirtschaftsaktivität zu Beginn des dritten Quartals im Juli verlangsamt haben dürfte. Sie erwartet jetzt für das gesamte dritte Quartal eine Verlangsamung des jährlichen Wirtschaftswachstums auf 0,5 %.

Im Gesamtjahr 2026 dürfte die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts laut der „Mittelfristigen Prognose“ der Zentralbank zwischen einer völligen Stagnation und einem Wachstum von 1,0 % liegen (blaue Punkte in der obigen Abbildung der Zentralbank).

„Kyiv School of Economics“: Gebremstes Wachstum trotz hoher Energiepreise

Das Institut „Sanctions Hub of Excellence“ der Kiewer „School of Economics“ veröffentlichte Anfang August eine neue Ausgabe seiner halbjährlichen Analyse der Lage der russischen Wirtschaft. Die Analyse mit dem Titel „Sanktionen und die russische Wirtschaft“ beleuchtet u.a. die Auswirkungen des weltweiten Anstiegs der Energiepreise nach dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar auf die russische Wirtschaft. Das KSE-Institut spricht u.a. folgende Punkte an:

Der starke Anstieg der Energiepreise verschaffte Russland zwar beträchtliche zusätzliche Einnahmen. Die kurzfristigen Aussichten für die Entwicklung der Wirtschaft verbesserten sich leicht.

Im Hinblick auf die Auswirkungen des Anstiegs der Energiepreise auf die Entwicklung des russischen Staatshaushalts ist allerdings zu berücksichtigen, dass die russische Regierung im Zeitraum April bis Juni rund 620 Milliarden Rubel zur Dämpfung der inländischen Kraftstoffpreise ausgab und die Subventionen für Energieunternehmen deutlich erhöhte. Berücksichtigt man diese Ausgabensteigerungen blieben vom Anstieg der russischen Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gasbereich im zweiten Quartal um 1,6 Billionen Rubel nur rund 0,8 Billionen Rubel übrig.

Außerdem schränkten die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien und die Infrastruktur im Energiebereich die Möglichkeiten Russlands zur Nutzung der gestiegenen globalen Energiepreise zusätzlich ein. Auf dem Höhepunkt der Angriffe der Ukraine waren rund 40 % der russischen Raffineriekapazitäten betroffen. Die Benzinproduktion fiel um etwa 25 % unter das Niveau vom Juni 2025.

Das Wachstum der russischen Wirtschaft wird außerdem weiterhin durch die restriktive Geldpolitik, die schwächere Binnennachfrage und den Arbeitskräftemangel gebremst. Die Sanktionen schränken den Zugang zu Technologien ein.

In vielen Wirtschaftsbereichen ist das Wachstum deutlich gesunken

Die aktuelle Konjunkturentwicklung in Russland skizziert das KSE-Institut so:

Die Entwicklung im „Verarbeitenden Gewerbe“ verläuft weiterhin sehr ungleichmäßig:

Während „rüstungsnahe“ Branchen von staatlichen Aufträgen profitieren, hat sich die Produktion in „zivilen“ Branchen erheblich verlangsamt.

Gleichzeitig haben die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf Raffinerien eine „Kraftstoffkrise“ ausgelöst. Die Logistikkosten wurden in die Höhe getrieben und die Versorgung von Landwirtschaft, Verkehr und Industrie mit Kraftstoff erschwert.

Die konsumnahen Branchen haben an Dynamik verloren, weil die hohen Kreditkosten und ein verlangsamter Anstieg der Realeinkommen die Nachfrage der privaten Haushalte belasten. So büßten der Einzelhandel und die marktorientierten Dienstleistungen nach zwei Jahren raschen Wachstums an Schwung ein.

Verschärft wurde diese Entwicklung durch ukrainische Angriffe auf die Logistikinfrastruktur von „Wildberries“, Russlands größter E-Commerce-Plattform. Bis Ende Juli haben wiederholte Drohnenangriffe rund 10 % der Lagerkapazitäten des Unternehmens beschädigt. Der Vertrieb des Unternehmens, über den auch viele kleine und mittlere Unternehmen versorgt werden, wurde entsprechend stark beeinträchtigt.

Auch die Bautätigkeit hat nachgelassen, da hohe Finanzierungskosten weiterhin den Wohnungsbau und private Investitionen dämpfen.

Ungeplant hohes Defizit im Bundeshaushalt im ersten Halbjahr 2026

Zur Entwicklung des russischen Föderationshaushalts berichtet das KSE-Institut:

Das Defizit erreichte im ersten Halbjahr 2026 rd. 5,7 Billionen Rubel bzw. 2,7 % des BIP. Damit übertraf es bereits im ersten Halbjahr das für das Gesamtjahr 2025 geplante Defizit. Es war 51 % höher als im ursprünglichen Haushaltsplan vorgesehen war (3,8 Billionen Rubel; 1,6 % des BIP). Der Haushaltsplan wurde zwar inzwischen geändert. Auch das neue Defizitziel wurde aber um 19 % überschritten.

Kumulierter Saldo im Föderationshaushalt, in Billionen Rubel

KSE-Institut: Kumulierter Saldo im russischen Föderationshaushalt in Billionen Rubel

Kyiv School of Economics: Russia Chartbook: Stalled Domestic Borrowing Poses Threat to Budget Financing; Energy Windfall Fades as Oil Prices Moderate, 29.07.26

Die Finanzierung des Haushaltsdefizits wird für Russland immer schwieriger. Das Finanzministerium stützte sich im ersten Halbjahr stark auf inländische Kredite und seine Kassenbestände, während der „Nationale Wohlfahrtsfonds“ nur noch in begrenztem Umfang genutzt wurde.

Gegen Ende des Zeitraums führten steigende Kreditkosten und eine schwächere Nachfrage der inländischen Banken dazu, dass sich bei Auktionen von Staatsanleihen keine Käufer fanden (siehe Videos von TLDR News EU: Russia Suspends Bond Auctions: Could Putin Default? 23.07.26; Russia’s Bond Yields Spike: Is Putin in Trouble? 08.07.26). Die Regierung kann zwar weiterhin Schulden über staatliche Banken aufnehmen, jedoch nur zu höheren Kosten.

Der Konflikt zwischen der Geldpolitik und der Fiskalpolitik hat sich verschärft

Das KSE-Institut sieht die Geldpolitik der russischen Zentralbank in einem Konflikt mit der starken Steigerung der Ausgaben zur Finanzierung der Kriegsausgaben:

Die russische Zentralbank versucht, die durch die hohen Kriegsausgaben ausgelöste Inflation durch eine restriktive Geldpolitik einzudämmen. Demgegenüber erhöht die Regierung die Ausgaben und die Kreditaufnahme zur Kriegsfinanzierung weiter.

Die Besorgnis über „eine fiskalische Dominanz“ verstärkt sich. Jüngste Gesetzesänderungen erlauben es, dass die Ausgaben und die Staatsverschuldung die im bisherigen Haushaltsgesetz festgelegten Grenzen überschreiten. Anhaltend hohe Zinsen könnten die Aktivitäten des Privatsektors weiter einschränken.

Russlands Perspektiven bleiben von den Energiemärkten abhängig

Die Entwicklung der russischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2026 wird nach Einschätzung des KSE-Instituts maßgeblich vom Tempo der „Normalisierung“ der globalen Energiemärkte und der Fortsetzung der ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur abhängen. Das Institut skizziert die beiden folgenden Szenarien:

Ein Anhalten der „globalen Ölkrise“ würde die russischen Exporte und Staatseinnahmen zwar weiterhin stützen. So könnte aber weder die „Treibstoffkrise“ in Russland gelöst werden noch das Haushaltsdefizit auf ein tragbares Niveau sinken.

Eine schnelle Rückkehr zu einem Überschuss des Angebots auf dem globalen Ölmarkt würde für Russland geringere Öleinnahmen bedeuten. Russland wäre bei einer anhaltenden Stagnation der Wirtschaft wachsenden fiskalischen Problemen ausgesetzt.

Die Einnahmen im Bundeshaushalt aus dem Öl- und Gasbereich sind gesunken

Trotz des Anstiegs der Energiepreise nach dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind die staatlichen Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich im russischen Bundeshaushalt im ersten Halbjahr 2026 im Vorjahresvergleich erneut deutlich gesunken.

Sie waren in den ersten 6 Monaten des Jahres 2026 mit 3,66 Billionen Rubel um 22,7 % niedriger als ein Jahr zuvor. Das KSE-Institut veröffentlichte dazu folgende Übersicht.

Föderaler Haushalt:
Einnahmen, Ausgaben und Saldo in Billionen Rubel

KSE-Institut: Föderaler Haushalt Russlands – Einnahmen, Ausgaben und Saldo in Billionen Rubel

Kyiv School of Economics: Russia Chartbook: Stalled Domestic Borrowing Poses Threat to Budget Financing; Energy Windfall Fades as Oil Prices Moderate, 29.07.26

Atlantic Council: Die Öl- und Gaseinnahmen waren rund 1/3 niedriger als 2024

Auch Charles Lichfield, Direktor des Atlantic Councils GeoEconomics Center, und sein Mitarbeiter Brendon Chen weisen auf den Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen im russischen Bundeshaushalt hin. Sie berichten:

Die Schließung der Straße von Hormus in diesem Jahr bot Russland zwar die Möglichkeit, sein Öl zu höheren Preisen zu verkaufen. Diese preisbedingten Zuwächse der Einnahmen wurden jedoch durch einen Rückgang der Exportmengen wieder aufgehoben.

Anfang 2026 legten zudem ukrainische Drohnenangriffe 30 bis 45 Prozent der russischen Raffineriekapazität lahm, was zu Treibstoffknappheit in Russland und geringeren Ausfuhren von Öl auf dem Seeweg führte.

Auch die westlichen Sanktionen wurden verschärft, unter anderem durch eine niedrigere Ölpreisobergrenze der Europäischen Union und neue Maßnahmen gegen Unterstützer der Schattenflotte.

Infolgedessen sanken die Einnahmen im föderalen Haushalt Russlands aus dem Öl- und Gasbereich im ersten Halbjahr 2026 auf 3,661 Billionen Rubel. Sie erreichten damit nur noch rund 64 Prozent der Einnahmen im ersten Halbjahr 2024 (siehe rote Säulen in der folgenden Abbildung).

Entwicklung des russischen Föderationshaushalts:
1. Halbjahr 2022 bis 1. Halbjahr 2026

Gesamte Ausgaben: blaue Linie
Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich: rote Säulen
Einnahmen aus der Mehrwertsteuer: blaue Säulen
Sonstige Einnahmen: graue Säulen

Atlantic Council: Entwicklung des russischen Föderationshaushalts, 1. Halbjahr 2022 bis 1. Halbjahr 2026

Atlantic Council; Charles Lichfield and Brendon Chen:
Russia will sacrifice its civilian economy on the altar of the war effort, 05.08.26

Auch in den ersten sieben Monaten waren die Öl- und Gaseinnahmen niedriger

Über die jüngste Entwicklung der Einnahmen des Bundeshaushalts aus dem Öl- und Gasbereich einschließlich Juli berichtete Kommersant zusammengefasst:

Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich von Januar bis Juli beliefen sich laut dem Finanzministerium auf 4,595 Billionen Rubel. Sie waren damit 17 % geringer als im Vorjahr. Hintergrund dafür sind die niedrigen Preise in den ersten beiden Monaten des Jahres. Vor dem Krieg zwischen den USA und dem Iran lagen die russischen Ölpreise im Januar und Februar bei 40 bis 45 US-Dollar pro Barrel.

Angesichts des Rückgangs der Ölpreise in den letzten Monaten erscheinen die Aussichten, das geplante Öl- und Gassteueraufkommen für 2026 von 8,9 Billionen Rubel zu erreichen, ungewiss. Nachdem der durchschnittliche Preis für Urals-Rohöl (Trading Economics) im April auf 94,9 US-Dollar pro Barrel gestiegen war, fiel er laut dem Wirtschaftsministerium im Mai auf 86,5 US-Dollar, im Juni auf 63,5 US-Dollar und im Juli auf 59 US-Dollar pro Barrel. In den ersten sieben Monaten lag der Durchschnittspreis für russisches Urals-Rohöl bei 66,6 US-Dollar – und damit über den im Haushalt eingeplanten 59 US-Dollar pro Barrel.

Die Zentralbank rechnet mit einem weiteren Rückgang des durchschnittlichen Jahrespreises. Ihre aktualisierte mittelfristige Prognose vom 24. Juli geht von einem Urals-Ölpreis von 60 US-Dollar pro Barrel in diesem Jahr und 50 US-Dollar im nächsten Jahr aus. In einem Kommentar zu dieser Prognose vom 5. August merkte die Zentralbank an: „Trotz des vorübergehenden Preisanstiegs aufgrund des Angebotsschocks durch den Konflikt im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus ist mit einer Fortsetzung des Ölpreisrückgangs zu rechnen, sobald sich die Lage normalisiert.“

Neben dem Ölpreis beeinflusst auch der Rubel-Wechselkurs die Höhe der Öl- und Gaseinnahmen. Im Haushaltsplan 2026 wurde von einem Wechselkurs von 92,2 Rubel/Dollar ausgegangen. Der tatsächliche Durchschnittskurs für die sieben Monate lag laut Zentralbank aber deutlich darunter bei 76,5 Rubel/Dollar (Pro US-Dollar, der durch Öl- und Gasausfuhren eingenommen wird, sind dem Haushalt also niedrigere Einnahmen als geplant in Rubel zugeflossen).

Ein weiterer Faktor, der die Öleinnahmen des Haushalts beeinflusst, sind die tatsächlichen Produktionsmengen. Die russischen Regierungsbehörden veröffentlichen hierzu keine Daten. In ihrer Zusammenfassung der Leitzinsdiskussion vom 5. August merkte die Zentralbank lediglich an, dass „Schäden an Ölraffinerien zu einem Rückgang der Produktion von Erdölprodukten und der Nachfrage nach Rohöl führten. Die Kapazität der Transport- und Hafeninfrastruktur reichte nicht aus, um die freigewordenen Rohölmengen für den Export umzuleiten. Infolgedessen ging auch die Ölproduktion zurück.“

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Klaus Dormann

Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen in Russland und den GUS-Staaten.

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