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Benzin 12 % teurer: Kirgisistan holt Treibstoff von Chinas Sinopec
"Steppe Ahead" · 19.08.2026

Benzin 12 % teurer: Kirgisistan holt Treibstoff von Chinas Sinopec

Russlands Treibstofflieferungen nach Kirgisistan stocken: Bischkek verhandelt mit Sinopec, erste Tanklaster aus China sind bereits im Land.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“, Autor: Thomas Baier

Benzin der Sorte AI-92 kostet in Bischkek 87,9 Som je Liter, rund ein US-Dollar und 12 % mehr als im Mai. Russland deckte zuletzt über 90 % der kirgisischen Treibstoffimporte, doch die Lieferungen stocken. Vizekabinettschef Erlis Akunbekov verhandelte deshalb am 17. August in Urumqi mit dem chinesischen Ölkonzern Sinopec über zusätzliche Mengen. Beide Seiten vereinbarten, die Verfahren für Treibstoffimporte aus China zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Russische Lieferungen stocken, Preise steigen seit Mai

Russland lieferte von Januar bis Mai 251.000 Tonnen Benzin, 235.150 Tonnen Diesel und 48.150 Tonnen Kerosin nach Kirgisistan. Das berichtet das englischsprachige Regionalmedium The Times of Central Asia. Seit dem Sommer gerät der Nachschub ins Stocken. Die südrussische Raffinerie Orsk fiel nach einem Drohnenangriff am 11. August aus, die Reparatur dauert laut The Times of Central Asia rund sechs Monate. Die Anlage verarbeitet 6 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr. Mindestens zehn russische Regionen beschränkten Mitte August den Treibstoffverkauf. In St. Petersburg sanken die Verkäufe seit Anfang August um rund 20 %.

Die Knappheit treibt die Preise an kirgisischen Tankstellen. Die Antimonopolbehörde des Landes meldete am 17. August 87,9 Som je Liter AI-92, im Mai waren es 78,4 Som. AI-95 kostet 109,9 Som, umgerechnet 1,25 US-Dollar, Diesel 99,9 Som. Die Regierung hatte erst Ende Mai Preisobergrenzen eingeführt und Subventionen bis Ende September beschlossen. Schon Anfang Juli nahm sie AI-95 wieder aus der staatlichen Preisregulierung. Zuvor war der Kraftstoff an mehreren Tankstellen in Bischkek ausverkauft. Laut Nationalem Statistikkomitee stiegen die Verbraucherpreise von Januar bis Juli um 6,7 %.

Erste Tanklaster aus China rollen bereits

Akunbekov reiste mit Vertretern von mehr als zehn kirgisischen Ölhandelsfirmen nach Urumqi. Sinopec zählt zu den größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. „Kirgisistan ist daran interessiert, die Lieferungen von Erdölprodukten aus China zu erhöhen. Dieser Bereich hat großes Potenzial und ist eine langfristige Richtung der handelswirtschaftlichen Zusammenarbeit“, sagte der Vizekabinettschef laut The Times of Central Asia. Erste Verträge über Flugkerosin und Diesel sind unterzeichnet. Eine erste Lieferung erreichte Kirgisistan schon im Juli auf der Straße.

Mit der Führung der chinesischen Region Xinjiang vereinbarte Akunbekov zudem vereinfachte Grenz- und Lieferverfahren. Das meldet das kirgisische Nachrichtenportal Open.kg. Bis zum Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Kirgisistan sollen Abkommen über gemeinsame Ölförderung, einen Raffineriebau und Treibstofflager an der Grenze folgen. Beide Seiten sprachen zudem über die geplante Bahnstrecke China-Kirgisistan-Usbekistan, die Straße Barskoon-Bedel-Aksu und die Öffnung des Grenzübergangs Bedel. Schon im Juni hatte Akunbekov mit Sinopec-Verwaltungsratschef Hou Qijun über Gemeinschaftsunternehmen gesprochen. Parallel kauft Bischkek anderswo zu: Kasachstan liefert monatlich 15.000 bis 20.000 Tonnen Heizöl, Belarus sagte Diesel und Kerosin zu.

Eigene Raffinerien decken nur einen Bruchteil des Bedarfs

Kirgisistan verbraucht jährlich 1,6 bis 2 Mio. Tonnen Ölprodukte, rund 1,2 Mio. Tonnen davon kommen aus dem Import. Die zwei Raffinerien des Landes, Kyrgyz Petroleum Company und das chinesisch finanzierte Werk Junda in Kara-Balta, kommen auf eine Nennkapazität von 1,3 Mio. Tonnen. Tatsächlich decken sie laut The Times of Central Asia nur rund 5 % des Bedarfs, vor allem weil Rohöl fehlt. Erst nach einer Modernisierung könnten beide Werke etwa die Hälfte des Verbrauchs liefern.

Wie verwundbar die Energieversorgung insgesamt ist, zeigte der 14. August. Ein Störfall legte Stromnetze in Kirgisistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan zeitweise lahm, betroffen waren unter anderem Bischkek, Almaty und Duschanbe. Der kasachische Netzbetreiber KEGOC verweist auf den Ausfall von zwei Generatoren mit 600 Megawatt am kirgisischen Wasserkraftwerk Toktogul. Der kirgisische Netzbetreiber sieht die Ursache dagegen auf einer kasachischen Hochspannungsleitung, eine Kommission untersucht den Fall. Der Ausfall traf die Region mitten in einer Rekordnachfrage: Kirgisistans Stromverbrauch liegt 18 % über dem Vorjahr. Für den Umbau der Lieferketten zahlt das Land einen Preis: Der Lkw-Transport über den Tian Shan ist teurer als die russische Bahnlieferung, und Chinas Exportmengen sind bislang klein. Vor dem Winter bleibt offen, ob die neuen Quellen die russische Lücke schließen. Gelingt der Ausbau mit Sinopec, verschiebt sich die Energieabhängigkeit des Landes von Moskau nach Peking.

Quelle: The Times of Central Asia, The Times of Central Asia (Preisregulierung), The Times of Central Asia (Blackout), Open.kg, Open.kg (Preise) (alle EN)

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