Polens Inflation steigt im September auf 4,0%. Das meldet das Statistikamt GUS in seiner Schnellschätzung vom 30. September. Im August lag die Rate bei 3,4%, im September 2025 bei 2,9%. Damit überschreitet sie das Band der Nationalbank NBP: Deren Ziel liegt bei 2,5%, mit einer Toleranz von 1 Prozentpunkt nach oben und unten. Gegenüber dem Vormonat steigen die Preise um 0,7%. Der Sprung gegenüber August beträgt 0,6 Prozentpunkte.
Kraftstoffe treiben den Anstieg
Haupttreiber ist der Sprit. Kraftstoffe kosten laut GUS 36,1% mehr als vor einem Jahr. Binnen eines Monats legen sie um 9,2% zu. Energie verteuert sich um 4,9% im Jahresvergleich und um 0,9% zum Vormonat.
Das Portal Notes from Poland nennt zwei Ursachen: das Ende staatlicher Preisstützungen und Spannungen im Nahen Osten. Schon im Juli kehrte die Mehrwertsteuer von 23% auf Kraftstoffe zurück. Die Inflation lag damals bei 3,0%. Der Bereich Verkehr verteuerte sich laut GUS binnen eines Monats um 7,4% und im Jahresvergleich um 7,0%. Seit Juli beschleunigt sich der Preisauftrieb also von Monat zu Monat: Von 3,0% über 3,4% auf nun 4,0%.
Lebensmittel dämpfen die Gesamtrate. Sie sind 0,5% billiger als vor einem Jahr. Im Monatsvergleich kosten sie 0,1% mehr.
Zinswende rückt näher
Der Wert liegt 0,1 Prozentpunkte unter den Prognosen der Analysten. Dennoch wächst der Druck auf die Geldpolitik. Der Leitzins der NBP steht bei 3,75%. Auf dem Höhepunkt 2021 und 2022 lag er bei 6,75%.
Piotr Bawolski, Direktor für strategische Kunden beim Broker Michael/Ström, sieht eine mögliche Folge. Der Wert „könnte einer der Faktoren sein, die den Druck für eine frühere Zinserhöhung als bisher erwartet erhöhen“. Er schränkt ein: Die Entscheidung hänge vom Gesamtbild der Inflation ab.
Die Analysten der Bank ING rechnen mit Zurückhaltung. Sie schreiben: „Der Rat könnte abwarten und die Zinsen im Oktober unverändert lassen. Diskussionen über eine Straffung könnten im November beginnen.“ Der Rat für Geldpolitik, kurz RPP, könnte laut dem Portal Polandinsight vor allem auf die Kerninflation schauen. Sie klammert Nahrungsmittel und Energie aus.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Deutsche Exporteure spüren die Kraftstoffpreise zuerst in der Logistik. Wer Waren per Lkw nach Polen liefert oder dort Kunden beliefert, zahlt mehr für jeden Kilometer. Preisgleitklauseln in laufenden Verträgen verdienen jetzt eine Prüfung. Investoren, die Projekte in Polen über Kredite in Złoty finanzieren, sollten den Zinspfad der NBP im Blick behalten: Eine Straffung im Winter würde die Finanzierung verteuern. Auch Importeure polnischer Waren sollten mit höheren Frachtraten rechnen.
Quellen: GUS (PL), Notes from Poland (EN), Polandinsight (EN), money.pl (PL), Polskie Radio (EN)
SK, Frankfurt


