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Russland · 16.10.2026

Weniger Bar, mehr Yuan: Wie Russen Geld ins Ausland bringen


Seit Ende September dürfen Privatpersonen – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit – höchstens 1 Mio. Rubel in bar in die Nachbarstaaten mitnehmen, umgerechnet rund 10.700 Euro. Das Limit gilt für die Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) – Armenien, Belarus, Kasachstan und Kirgisistan – sowie für Aserbaidschan, Tadschikistan und Usbekistan. Bisher lag die Grenze beim Gegenwert von 100.000 US-Dollar. Präsident Wladimir Putin senkte sie per Erlass auf weniger als ein Achtel.

Die Banküberweisungen ins Ausland wachsen jedoch: Im Juni erreichten sie 321 Mrd. Rubel (3,4 Mrd. Euro) doppelt so viel wie im Januar.

Bargeld nur noch mit Bankbeleg

Für juristische Personen und Einzelunternehmer bestätigt der neue Präsidialerlass das vollständige Verbot der Ausfuhr von Geldbeträgen jeglicher Höhe, erweitert jedoch die Liste der Ausnahmen. Die Ausfuhr von Geldmitteln ist über ausgewählte internationale Flughäfen möglich: Die Auswahl legt die Regierung fest. Reisende müssen dabei per Bankbeleg nachweisen, dass sie die gesamte mitgeführte Summe vom eigenen Konto abgehoben haben. Ebenfalls ist die Ausfuhr von Devisen für juristische Personen im Rahmen des internationalen Verkehrs gestattet, wenn sich der Abfahrts- und der Bestimmungsort außerhalb Russlands befinden und unter der Voraussetzung, dass die Einfuhr dieser Gelder ins Land nachgewiesen wird. Ohne Nachweis zieht der Staat bei Privatleuten alles über dem Limit ein, bei Firmen den vollen Betrag.

Regierung und Zentralbank sollen binnen drei Monaten ein Verfahren vorlegen, um das ausgeführte Bargeld zu erfassen. Bislang führt der Zoll darüber keine Statistik, berichtet das Wirtschaftsportal RBC.

Laut Zentralbank wuchs der Bargeldumlauf in Russland seit Jahresbeginn um rund 2,5 Bio. Rubel (26,7 Mrd. Euro), über 1 Bio. davon allein im Juli und August.

Die Devisenüberweisungen stiegen im Juni laut Zentralbank um 50 Mrd. auf 144 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro). Die Rubelüberweisungen wuchsen um 12 Mrd. auf 177 Mrd. Rubel (1,9 Mrd. Euro). Im Januar lag die Summe beider noch bei 158 Mrd. Rubel (1,7 Mrd. Euro), zeigt eine Auswertung der Tageszeitung Izvestia. Im gesamten zweiten Quartal überwiesen Russen gut 800 Mrd. Rubel (8,5 Mrd. Euro) ins Ausland. Das Volumen entspricht laut Zentralbank dem Niveau der zweiten Jahreshälfte 2025.

Weniger Migranten, mehr Geld

Im ersten Halbjahr reisten rund 1,9 Mio. Menschen aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan zur Arbeit nach Russland ein, 15% weniger als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Daten des Grenzschutzes, die die russische Tageszeitung Vedomosti ausgewertet hat. Aus Tadschikistan kamen 17,9% weniger, aus Kirgisistan 16,7% und aus Usbekistan 13,2% weniger. Alexander Safonow von der Moskauer Finanzuniversität führt das auf die strengere Migrationspolitik zurück.

Die Arbeitsmigranten überweisen jedoch mehr Geld in ihre Heimatländer. Usbekistan erhielt im ersten Halbjahr 9,3 Mrd. US-Dollar an Überweisungen, 13% mehr als im Vorjahr.

Nach Kirgisistan stiegen die Überweisungen aus Russland im Gesamtjahr 2025 auf 2,99 Mrd. US-Dollar, nach 2,78 Mrd. Dollar im Vorjahr. In die meisten anderen Nachbarländer brachen sie ein, zeigt eine Auswertung der Wirtschaftszeitung RBC. Nach Georgien flossen 0,47 Mrd. US-Dollar, im Jahr 2022 waren es noch 2,07 Mrd. Dollar.

China-Überweisungen im Trend

Die T-Bank wickelte im vergangenen Jahr 90 Mio. Auslandsüberweisungen über rund 500 Mrd. Rubel (5,3 Mrd. Euro) ab. Das ist elfmal so viel wie vor vier Jahren.

Von Januar bis Mai 2026 wuchs ihr Volumen um 20% auf 200 Mrd. Rubel (2,1 Mrd. Euro). Die Staatsbank VTB kam im Jahr 2025 auf 294 Mrd. Rubel (3,1 Mrd. Euro), das 5,8-Fache des Vorjahres. In den ersten fünf Monaten 2026 verdoppelte sie ihr Volumen auf über 140 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro). Über 90% der VTB-Nachfrage entfallen auf Usbekistan, Tadschikistan, China und Kirgisistan.

Sergej Chromow, Vizepräsident der T-Bank, vergleicht den Markt der Auslandsüberweisungen mit dem Jahrmarktspiel „Hau den Maulwurf“: „Sanktionen haben das System nicht zerstört, sondern uns gezwungen, flexibler zu werden“, sagt er Vedomosti.

Die Überweisungen nach China wachsen am schnellsten. Kunden der T-Bank überwiesen im ersten Halbjahr 1,2 Mrd. Rubel auf chinesische Alipay-Konten, fünfmal so viel wie im Vorjahr. Im Schnitt waren das 17.000 Rubel (180 Euro) pro Überweisung, typische Beträge für Einkäufe von Privatleuten. Bei VTB liegt der Durchschnitt für Überweisungen auf chinesische Yuan-Konten dagegen bei über 100.000 Yuan, umgerechnet 13.300 Euro. Solche Summen sprechen für Warenkäufe von Kleinunternehmern. Zum 1. Oktober halbierte VTB die Gebühr für Überweisungen nach China ab 200.000 Yuan von 2% auf 1%.

Nach Westen schließen sich die Kanäle weiter. Euro- und Dollarüberweisungen von russischen Konten nach Europa sind praktisch nicht mehr möglich. Mit dem 21. Sanktionspaket vom Juli 2026 sanktionierte die EU 94 weiteren Banken und Finanzinstituten ein. Darunter sind der Transferdienst Unistream und der Betreiber des Geldüberweisungsdienstes Solotaja Korona, dessen europäische Tochter ihre Lizenz zurückgibt.

Deutschland: Anmelden statt verbieten

Seit Juni 2021 gilt die EU-Barmittelverordnung: Wer die Außengrenze der EU mit 10.000 Euro oder mehr überquert, muss den Betrag unaufgefordert und schriftlich beim Zoll anmelden. Das gilt auch für Goldbarren und Inhaberschecks. Bei Reisen innerhalb der EU müssen Reisende solche Beträge auf Nachfrage angeben. Wer gegen die Anmeldepflicht verstößt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1 Mio. Euro. Ab Juli 2027 kommt eine EU-weite Grenze für Barzahlungen hinzu: Händler dürfen dann keine Barzahlungen über 10.000 Euro mehr annehmen.

Quellen: Russ. Zentralbank 1, 2, Vedomosti 1, 2, 3, Kommersant 1, 2, RBC 1, 2, Izvestia (alle RU); Zoll 1, 2, Stuttgarter Zeitung


Quelle: Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, Weniger Bar, mehr Yuan: Wie Russen Geld ins Ausland bringen, 15.10.2026.

Dieser Beitrag wurde für die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer erstellt.

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