Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) verstärkt ihr Engagement in Zentralasien und im Kaspischen Becken deutlich. Milliardenhilfen für Kasachstan, Tadschikistan und Aserbaidschan deuten darauf hin, dass die Bank vor allem den Ausbau des sogenannten Mittleren Korridors vorantreiben will — jener Handelsroute zwischen China und Europa, die Russland umgeht.
Am 2. März kündigte die ADB nach einem Treffen ihres Präsidenten Masato Kanda mit Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew Finanzierungen von bis zu 5,4 Milliarden US-Dollar für die kommenden vier Jahre an. Das Geld soll Tokajews Modernisierungsprogramm unterstützen, insbesondere die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung. Für den Mittleren Korridor ist Kasachstan ein Schlüsselstaat.
„Die ADB setzt sich dafür ein, die Entwicklungsprioritäten Kasachstans zu unterstützen, die ein nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum fördern“, erklärte Kanda laut einer Mitteilung der Bank.
Nur zwei Tage später sagte Kanda auch Tadschikistan Unterstützung in Höhe von bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2026 bis 2028 zu. Das Geld soll den Aufbau eines dynamischeren Privatsektors fördern und neue Arbeitsplätze schaffen.
Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die ADB Aserbaidschan Hilfen von bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2026 bis 2029 zugesagt. Ziel sei es, die Entwicklungsprioritäten des Landes zu unterstützen und Aserbaidschan zu einem regionalen Drehkreuz für Konnektivität, Handel und Energie zwischen Zentralasien und Europa auszubauen. Das Land gilt als westliches Tor des Mittleren Korridors in Richtung Europäische Union.
Grenzübergänge und Zoll als Engpass
Zusätzlich arbeitet die ADB an einem technischen Hilfspaket zur Modernisierung von Grenzübergängen in Zentralasien und im Kaukasus. Das Projekt soll Zollverfahren entlang der Handelsrouten vereinfachen und Transitzeiten verkürzen. Ende Februar erhielt der Plan eine grundsätzliche Genehmigung.
Die Größenordnung der neuen Zusagen wird beim Blick auf die bisherigen Hilfen deutlich: Kasachstan hat seit seinem Beitritt zur Bank im Jahr 1994 insgesamt 7,7 Milliarden US-Dollar an Krediten, Zuschüssen und technischer Unterstützung erhalten. Tadschikistan bekam seit 1998 knapp 3 Milliarden US-Dollar. Die nun angekündigten Summen markieren also eine deutliche Intensivierung des Engagements.
Geopolitik spielt mit
Der Ausbau der ADB-Hilfen fällt in eine Phase, in der auch die Vereinigten Staaten ihr wirtschaftliches und diplomatisches Interesse an Zentralasien verstärken. Dahinter steht unter anderem das Ziel, die regionale Vernetzung zu fördern und den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu verbessern.
Doch es geht nicht nur um Infrastruktur. Die ADB will nach eigener Darstellung auch die wirtschaftspolitische Abstimmung zwischen den Staaten Zentralasiens vertiefen. In einer im Januar veröffentlichten Analyse schrieb die Bank, die Länder müssten von einem nachfragegetriebenen zu einem produktivitätsorientierten Wachstum übergehen. Dafür seien Reformen nötig, die Regierungsführung stärken, private Investitionen fördern und die wirtschaftliche sowie finanzielle Integration vertiefen.
Eine Bank mit großem politischem Gewicht
Die in Manila ansässige Asiatische Entwicklungsbank hat 69 Mitgliedstaaten. Größte Anteilseigner sind die USA und Japan mit jeweils etwas mehr als 15 Prozent. Es folgen China, Indien und Australien mit Anteilen von jeweils rund 6 Prozent.
Weitere Zusagen für Zentralasien könnten schon bald folgen. Anfang Mai richtet die usbekische Stadt Samarkand die diesjährige Jahrestagung der ADB aus — ein naheliegender Ort für neue Ankündigungen zur Region.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

