Kasachstan verfolgt ein umfassendes Reformprogramm, das darauf abzielt, langfristige Investitionen anzuziehen, die Kapitalmärkte zu stärken und die wirtschaftliche Diversifizierung über den Rohstoffsektor hinaus zu beschleunigen. Dies erklärten Regierungsvertreter und Wirtschaftsakteure während einer Diskussion auf der Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) in Riga.
Der stellvertretende Finanzminister Dauren Kambarov erläuterte Maßnahmen zur stärkeren Einbindung ausländischer Investoren in die kasachischen Kapitalmärkte. Dazu gehören die geplante Aufnahme kasachischer Staatsanleihen in den JP Morgan Government Bond Index sowie die Einführung eines Primärhändlersystems. Nach seinen Angaben erreichten die Bestände ausländischer Investoren an kasachischen Staatsanleihen bis Juni 2026 rund 4,4 Milliarden US-Dollar, was etwa 8% des gesamten Umlaufvolumens entspricht. Im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei weniger als 0,1%.
Vizeminister Aslan Tarbayev erklärte, dass die kasachische Wirtschaft zuletzt ein jährliches Wachstum von 5 bis 6% verzeichnet habe. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe inzwischen die Marke von 300 Milliarden US-Dollar überschritten. Im Jahr 2025 sei die Wirtschaft um 6,5% gewachsen, während die Investitionen in Sachanlagen um 13% zunahmen. Die Regierung habe sich das Ziel gesetzt, die Wirtschaftsleistung bis 2029 durch industrielle Entwicklung, Digitalisierung, den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz sowie Investitionsförderung zu verdoppeln.
Tarbayev betonte, dass sich die Reformen auf den Abbau bürokratischer Hürden, die Stärkung des Investitionsschutzes und die Schaffung eines transparenteren regulatorischen Umfelds konzentrieren. Mehr als 90% der öffentlichen Dienstleistungen seien mittlerweile digital verfügbar. Projekte wie der „Digital Tenge“ sollen zusätzlich zur Modernisierung des Finanzsystems beitragen.
Marat Yelibayev, Vorsitzender der Entwicklungsbank Kasachstans, erklärte, dass die staatliche Holdinggesellschaft Baiterek im Jahr 2025 über Finanzierungs-, Garantie- und Versicherungsprogramme Investitionen in Höhe von mehr als 21 Milliarden US-Dollar mobilisiert habe. Besonders attraktive Investitionsmöglichkeiten sieht er in den Bereichen erneuerbare Energien, Verkehrsinfrastruktur, verarbeitendes Gewerbe sowie Agrar- und Lebensmittelverarbeitung.
Zu den wichtigsten Projekten zählt die von der EBWE unterstützte Finanzierung eines öffentlich-privaten Partnerschaftsprojekts für das Krankenhaus Kokshetau im Wert von 365 Millionen Euro (417 Millionen US-Dollar). Das Vorhaben soll mehr als 730.000 Menschen in der Region Akmola zugutekommen. Darüber hinaus unterstützt ein Gigawatt-Projekt im Bereich erneuerbare Energien das Ziel Kasachstans, bis 2060 Klimaneutralität zu erreichen.
Batyrbek Mashkeev, Gründer des Pharmaunternehmens VivaPharm, verwies auf das Wachstumspotenzial des kasachischen Pharmamarktes, dessen Volumen auf rund 2,4 Milliarden Euro (2,74 Milliarden US-Dollar) geschätzt wird. Trotz des anhaltenden Preisdrucks investiere das Unternehmen mit Unterstützung der EBWE in eine neue Produktionsstätte für Onkologiemedikamente. Ziel sei es, die heimische Arzneimittelproduktion auszubauen und den Zugang zu modernen Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern.