Kasachstan verfolgt ambitionierte Pläne: Die geplante Stadt Alatau soll sich zur Krypto-Hauptstadt Zentralasiens entwickeln. Für das Megaprojekt wurden bereits internationale Partner gewonnen und Investitionszusagen in Höhe von rund 6 Milliarden US-Dollar gesichert. Bis zur Umsetzung sind jedoch noch erhebliche regulatorische, infrastrukturelle und logistische Herausforderungen zu bewältigen.
Das Megaprojekt Alatau City wurde der internationalen Öffentlichkeit erstmals im Mai 2024 von Präsident Kassym-Jomart Tokajew vorgestellt. Derzeit befindet sich die Stadt noch in der Planungs- und frühen Entwicklungsphase.
Die neue Stadt soll rund 50 Kilometer nördlich von Almaty entstehen und als vollständig integrierte Smart City konzipiert werden. Geplant sind ein urbanes Verkehrssystem mit Robotaxis, autonomen Drohnen und Flugtaxis sowie eine Energieversorgung auf Basis von Wasserstofftechnologien.
Seit zwei Jahren unterstreichen die kasachischen Behörden ihre Unterstützung für das Vorhaben. Auf dem Solana Summit Kazakhstan 2026, der im Mai in Almaty stattfand, erklärte Arman Tastanbekov, stellvertretender Leiter des Projekts Alatau City, dass die Stadt von Grund auf mit künstlicher Intelligenz, digitaler Identität und Blockchain-Technologie aufgebaut werden solle.
Eines der architektonischen Wahrzeichen der künftigen Stadt – der Alatau Iconic Complex im Gateway District – wurde vom renommierten US-Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill (SOM) entworfen, das unter anderem den Burj Khalifa in Dubai und das One World Trade Center in New York geplant hat. Neben dem höchsten Wolkenkratzer im Südosten Kasachstans sind ein 80 Meter hoher Hotelturm sowie hochwertige Wohnanlagen vorgesehen.
Solana unterstützt den Aufbau der Blockchain-Infrastruktur
Für den Aufbau des Krypto-Ökosystems konnte Kasachstan mehrere namhafte Partner gewinnen, darunter die an der Nasdaq notierte Solana Company.
Das Unternehmen unterzeichnete kürzlich eine Absichtserklärung mit Alatau City, um den Aufbau der Blockchain- und Kryptowährungsinfrastruktur beratend zu begleiten. Die Vereinbarung wurde während einer Roadshow des Projekts in Shenzhen und Hongkong geschlossen. Nach Angaben von Cointelegraph wurden dabei insgesamt 30 Kooperationsvereinbarungen mit einem potenziellen Investitionsvolumen von mehr als 6 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.
„Wir freuen uns darauf, diese Partnerschaft weiter auszubauen und das Solana-Ökosystem in der gesamten Region zu stärken“, erklärte Joseph Chee, Chairman und CEO der Solana Company.
Die Vereinbarung stärkt Kasachstans Stellung innerhalb des Solana-Netzwerks zusätzlich. Bereits im vergangenen Jahr eröffnete das Land gemeinsam mit der Solana Foundation die erste Solana Economic Zone Zentralasiens in Astana.
Im Mai brachte außerdem die kasachische Börse KASE den ersten Solana-ETF des Landes auf den Markt. Anleger können damit über einen regulierten Börsenplatz in den SOL-Token investieren.
Die Zusammenarbeit zwischen Solana und Alatau umfasst unter anderem die Verwaltung digitaler Vermögenswerte, den Aufbau einer Blockchain-Infrastruktur, die Förderung institutioneller Investoren sowie die Entwicklung digitaler Plattformen.
CryptoCity als Testlabor für digitale Vermögenswerte
Kernstück des Projekts wird die sogenannte CryptoCity, eine Pilotzone für digitale Vermögenswerte, deren Aufbau Tokajew bereits auf dem Astana International Forum 2025 angekündigt hatte.
Die CryptoCity soll als regulatorische „Sandbox“ dienen, in der neue Anwendungen für Kryptowährungen unter realen Bedingungen getestet werden.
Einwohner und Unternehmen sollen dort digitale Vermögenswerte frei kaufen, verkaufen und besitzen können. Darüber hinaus soll es möglich sein, Kryptowährungen für den Kauf von Waren und Dienstleistungen einzusetzen.
Digitalminister Zhasslan Madiev erklärte, die CryptoCity könne internationale Entwickler, IT-Unternehmen und Start-ups anziehen und Kasachstan als regionales Technologiezentrum etablieren.
Zusätzlich prüft die Regierung Steuervergünstigungen sowie regulatorische und finanzielle Anreize für Web3-Unternehmen, die sich in Alatau ansiedeln möchten.
Kasachstan baut seine Krypto-Strategie aus
Die CryptoCity ist Teil einer umfassenderen Digitalstrategie Kasachstans. In den vergangenen Jahren hat das Land verstärkt auf Kryptowährungen, künstliche Intelligenz, Big Data und das Internet der Dinge gesetzt.
Anfang des Jahres kündigte die kasachische Nationalbank an, insgesamt 700 Millionen US-Dollar in krypto-nahe Anlageformen investieren zu wollen. Davon stammen jeweils 350 Millionen US-Dollar aus den Gold- und Währungsreserven sowie aus dem Nationalfonds.
Direkte Investitionen in Bitcoin oder andere Kryptowährungen sind dabei nicht vorgesehen. Stattdessen sollen Aktien von Technologieunternehmen, Krypto-Indexfonds und weitere Anlageinstrumente erworben werden, die mit digitalen Vermögenswerten verbunden sind.
Auch das institutionelle Krypto-Ökosystem wurde weiter ausgebaut. So nahm im vergangenen Jahr der Alem Crypto Fund, der mit Unterstützung von Binance gegründet wurde, seine Arbeit auf. Seine erste Investition erfolgte in den Binance-Token BNB, wobei die Höhe der Investition nicht veröffentlicht wurde.
Nach Angaben der Regierung soll der Fonds langfristig den Aufbau einer digitalen Staatsreserve unterstützen, während Binance die Entwicklung einer sicheren und transparenten Infrastruktur für digitale Vermögenswerte fördern möchte.
Große Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der ehrgeizigen Pläne dürfte die Umsetzung von Alatau City mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. Darauf weist unter anderem das Magazin The Diplomat hin.
Als größte Herausforderung gilt die Infrastruktur. Während die Regierung Konzepte wie Flugtaxis, Smart-City-Technologien und Kryptowährungszahlungen vorantreibt, beklagen viele Einwohner weiterhin Defizite bei der Grundversorgung – darunter eine unzureichende Versorgung mit Trinkwasser, Gas, Internet sowie schlecht ausgebaute Straßen.
Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen sind noch nicht vollständig geklärt. Zwar erhielt Alatau bereits einen Sonderstatus als Testgebiet für digitale Finanzdienstleistungen. Die Nationalbank und andere Behörden weisen jedoch darauf hin, dass eine breite Einführung von Kryptowährungen umfangreiche gesetzliche und teilweise sogar verfassungsrechtliche Änderungen erfordert.
Darüber hinaus muss es gelingen, Unternehmen, Investoren und hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen und gleichzeitig attraktive Perspektiven für die lokale Bevölkerung zu schaffen. Viele Einwohner befürchten steigende Energiekosten und sehen bislang nur begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten.
Schließlich wird der langfristige Erfolg Alataus weniger von spektakulären Technologien als vielmehr von der Fähigkeit abhängen, eine leistungsfähige öffentliche Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen bereitzustellen.
Ob sich Alatau tatsächlich zum führenden Zentrum für Blockchain-Technologie und Kryptowährungen in Zentralasien entwickeln kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.