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Tadschikistan: Exporte steigen um 65 %, Stoffproduktion bricht um 38 % ein
"Steppe Ahead" · 17.08.2026

Tadschikistan: Exporte steigen um 65 %, Stoffproduktion bricht um 38 % ein

Tadschikistans Stoffproduktion bricht im ersten Halbjahr 2026 um fast 38 % ein, während die Exporte dank Gold und Erzen um 65,3 % auf 1,6 Mrd. US-Dollar steigen.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“, Autor: Thomas Baier

Tadschikistans Stoffproduktion ist im ersten Halbjahr 2026 um fast 38 % eingebrochen. Das meldet die tadschikische Nachrichtenagentur Asia-Plus unter Berufung auf die staatliche Statistikbehörde. Zugleich wuchsen die Exporte des Landes um 65,3 % auf 1,6 Mrd. US-Dollar. Der Boom beruht auf Gold, Erzen und roher Baumwollfaser. Die eigene Weiterverarbeitung fällt zurück.

Mehr Baumwollfaser, weniger Stoff

Die Textil- und Bekleidungsbranche produzierte von Januar bis Juni Waren für 1,216 Mrd. Somoni. Das entspricht rund 131 Mio. US-Dollar zum aktuellen Kurs der Nationalbank Tadschikistans. Laut Asia-Plus stieg die Produktion von Baumwollfaser, auch ihr Export legte zu. Die Stoffproduktion sank dagegen um knapp 38 %. Das Land verkauft seine Baumwolle damit zunehmend roh ins Ausland, statt sie selbst zu Geweben zu verarbeiten. Im Halbjahr gingen Baumwollfasern für 61,9 Mio. US-Dollar in den Export.

Noch im Frühjahr sah die Lage besser aus. Die staatliche Nachrichtenagentur Khovar meldete für Januar bis Mai ein Plus von 7,3 % in der Textilbranche. Die Produktion von Strumpfwaren verfünffachte sich demnach, die Verarbeitung von Baumwollfaser stieg um 60 %. Umso deutlicher zeigt der Einbruch bei Stoffen die Lücke in der Mitte der Kette: Faser und Garn wachsen, Gewebe fehlen. Der Rückgang trifft eine Branche, die als Hoffnungsträger der Industriepolitik gilt. Baumwolle ist neben Aluminium und Gold einer der wenigen Rohstoffe, die das Land in großen Mengen selbst erzeugt.

Exportboom stützt sich auf Gold und Erze

Die Gesamtausfuhren erreichten im ersten Halbjahr 1,6 Mrd. US-Dollar. Das sind 623 Mio. US-Dollar oder 65,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese Zahlen nannte Bachriddin Sirodschiddinsoda, Direktor der Exportagentur bei der Regierung Tadschikistans, laut Asia-Plus am 10. Juli in Duschanbe. Der Außenhandelsumsatz stieg um 38,3 % auf 4,38 Mrd. US-Dollar. Edelmetalle und Edelsteine brachten 513,8 Mio. US-Dollar ein, Erze und Konzentrate 385,8 Mio. US-Dollar. Zusammen mit roher Baumwollfaser stammen damit rund 60 % der Exporterlöse aus unverarbeiteten Gütern. Wichtigste Abnehmer waren China, die Türkei, Usbekistan, Belgien und die Schweiz.

Die Industrie insgesamt wächst kräftig. Laut dem tadschikischen Nachrichtenportal Avesta stieg die Industrieproduktion im Halbjahr um 14,1 % auf 33,77 Mrd. Somoni, umgerechnet rund 3,6 Mrd. US-Dollar. Die verarbeitende Industrie legte um 26 % zu, getragen von Metallurgie und Lebensmitteln. Der Bergbau schrumpfte um 6,7 %. Die Textilsparte steuerte nur 1,22 Mrd. Somoni bei, weniger als ein Fünftel der Metallurgie. Auch die Gesamtwirtschaft läuft rund: Laut der Statistikbehörde wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr um 8,2 %. Die Asiatische Entwicklungsbank rechnet laut Asia-Plus für 2026 mit 7,3 % Wachstum. Die Kehrseite: Je stärker Gold und Erze die Bilanz treiben, desto anfälliger wird sie für Preisschwankungen an den Weltmärkten.

Volle Wertschöpfungskette bleibt Regierungsziel

Die Regierung kennt das Problem. Bis 2029 sollen die Exporte laut Asia-Plus auf 3,1 Mrd. US-Dollar steigen, vor allem durch verarbeitete Waren. Am 23. September lädt das Industrieministerium zum internationalen Textilforum nach Duschanbe. Es wirbt laut Khovar um „Investoren, die Textilprojekte des vollen Zyklus suchen: von der Baumwollfaser bis zum fertigen Produkt, mit 98 % erneuerbarer Wasserkraft“. Das Vorbild liegt nahe: Usbekistan hat den Export roher Baumwolle weitgehend beendet und verkauft heute Garne, Stoffe und Fertigkleidung.

Erste Schritte laufen bereits. Im Juli startete die Regierung mit dem Unternehmen Industrial Development Center ein Textilcluster, wie Khovar unter Berufung auf das staatliche Investitionskomitee berichtet. Das Projekt umfasst 83,2 Mio. US-Dollar und soll mehr als 5.500 Arbeitsplätze schaffen. Geplant ist die komplette Kette vom Baumwollanbau über Garn und Stoff bis zur fertigen Kleidung. Solche Projekte brauchen aber Jahre bis zur vollen Auslastung. Kurzfristig ändern sie an der Rohstofflastigkeit der Exporte wenig.

Für Tadschikistan steht viel auf dem Spiel. Der Exportboom hängt am hohen Goldpreis und an Erzlieferungen nach China. Fallen die Rohstoffpreise, fehlt einer der kleinsten Volkswirtschaften Zentralasiens der Puffer. Dazu kommen äußere Risiken: Laut Asia-Plus stützen Überweisungen der Arbeitsmigranten die Wirtschaft weiter, doch Störungen bei russischen Treibstofflieferungen und Probleme auf südlichen Transportrouten treiben schon jetzt die Preise. Die Textilindustrie wäre der natürliche zweite Pfeiler: Baumwolle wächst im Land, Strom aus Wasserkraft ist billig, Löhne sind niedrig. Ob Investoren anspringen, entscheidet sich an Stromversorgung im Winter, Finanzierung und Rechtssicherheit. Das Halbjahresergebnis zeigt: Von der Faser bis zum Stoff ist der Weg noch weit.

Quelle: Asia-Plus (EN) Nationalbank Tadschikistans (EN) Asia-Plus (RU) Avesta (RU) Khovar (RU)

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