Der Verkehrssektor Aserbaidschans könnte seine CO₂-Emissionen bis 2030 um rund 600.000 Tonnen senken. Die dafür erforderlichen Investitionen würden sich auf etwa 18 Millionen US-Dollar belaufen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) mit dem Titel „Assessing the Impact and Potential of Carbon Pricing in the Transport Sector in CAREC Countries“.
Nach Angaben der ADB stieg die Zahl der in Aserbaidschan zugelassenen Fahrzeuge bis 2021 auf mehr als 1,3 Millionen Pkw und über 160.000 Lkw.
Die Bank geht davon aus, dass bis 2030 rund 3.000 elektrische Stadtbusse im Einsatz sein könnten. Zudem wird unterstellt, dass 1% der Lastwagen und 5% der Pkw elektrifiziert werden und 30% des Stroms an öffentlichen Ladestationen genutzt werden. Diese Maßnahmen könnten zusammen die prognostizierte Emissionsminderung ermöglichen.
Schienenverkehr als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Die Aserbaidschanischen Eisenbahnen (ADY) haben laut ADB bereits zahlreiche Maßnahmen zur Dekarbonisierung umgesetzt, darunter die fortschreitende Elektrifizierung des Schienennetzes.
2024 veröffentlichte ADY seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht und entwickelte mit Unterstützung der ADB eine Dekarbonisierungsstrategie. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an der Einführung eines unternehmensweiten Emissionshandelssystems, das mit internationalen CO₂-Handelsmechanismen kompatibel sein soll. Ziel ist es, Emissionszertifikate zu monetarisieren und internationale Klimaschutzziele zu unterstützen.
Den größten Beitrag zur Emissionsminderung sieht die ADB allerdings nicht allein in der Elektrifizierung der Bahn. Moderne Dieseltriebzüge seien bereits vergleichsweise effizient. Deutlich größere Einsparungen ließen sich erzielen, wenn mehr Güter- und Personenverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werde.
Die Treibhausgasemissionen pro Personenkilometer seien im Schienenverkehr typischerweise drei- bis fünfmal niedriger als bei Fernbussen. Im Güterverkehr verursache die Bahn je nach Transportgut drei- bis siebenmal weniger Emissionen pro Tonnenkilometer als der Straßentransport.
CO₂-Bepreisung und Subventionsabbau
Nach Einschätzung der ADB kann Aserbaidschan seine Emissionen durch eine Kombination aus einer stärkeren Nutzung der Eisenbahn, saubereren Kraftstoffen und höheren Energieeffizienzstandards deutlich senken.
Der Bericht geht davon aus, dass fossile Kraftstoffe bei den derzeitigen Entwicklungen bis 2060 weitgehend aus dem Verkehrssektor verschwinden könnten.
Im Rahmen verschiedener Modellrechnungen untersuchte die ADB auch mögliche Szenarien einer CO₂-Bepreisung im Zusammenhang mit dem schrittweisen Abbau von Subventionen für Erdgas und Erdöl.
Um die national festgelegten Klimaziele (NDC) bis 2030 zu erreichen, müsste der CO₂-Preis laut Bericht bis 2035 auf 25 US-Dollar je Tonne CO₂, bis 2050 auf 41 US-Dollar und bis 2060 auf 62 US-Dollar steigen.
Für das Szenario einer vollständigen Klimaneutralität bis 2060 wären deutlich höhere Preise erforderlich: 30 US-Dollar je Tonne CO₂ bis 2035 und 280 US-Dollar bis 2060.
Weltbank empfiehlt CO₂-Steuer
Die Weltbank empfiehlt der aserbaidschanischen Regierung laut ADB die Einführung einer CO₂-Steuer auf den Kohlenstoffgehalt sämtlicher Brennstoffe – unabhängig davon, ob sie importiert oder im Inland produziert werden. Die Steuer würde beim Eintritt der Brennstoffe in den Wirtschaftskreislauf erhoben und könnte nach Schätzungen rund 60% der gesamten Emissionen erfassen.
Nach Ansicht der Weltbank könnte das bestehende Verbrauchsteuersystem entsprechend erweitert werden.
Eine weitere Modellstudie der Weltbank kommt zu dem Schluss, dass der effektivste Weg zur Erreichung der nationalen Klimaziele in einer Kombination aus dem schrittweisen Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe und der Einführung einer CO₂-Bepreisung besteht.
Demnach würde bereits der Abbau von zwei Dritteln der bestehenden Subventionen ausreichen, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen. Gleichzeitig empfiehlt die Studie, die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung teilweise an private Haushalte zurückzugeben sowie Steuern auf Produktionsfaktoren wie Kapital, Arbeit und Boden zu senken.

