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Gemüsewirtschaft: stabile Ernte, überfüllte Speicher
Russland · 25.09.2026

Gemüsewirtschaft: stabile Ernte, überfüllte Speicher


Das russische Landwirtschaftsministerium beziffert die gesamte Gemüseproduktion des Agrarsektors 2025 auf 7,6 Mio. Tonnen, Kartoffeln nicht inbegriffen. Im Jahr 2024 fiel die Ernte nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat in etwa gleich aus. Die Produktion von Freilandgemüse belief sich 2025 auf 5,3 Mio. t, ein Anstieg von 3% zum Vorjahr. Im Rekordjahr 2021 lag der Wert bei 5,7 Mio. t. Im Schnitt betrug die Ernte von Freilandgemüse in den vergangenen fünf Jahren 5,33 Mio. t. Bis 2030 soll die Ernte auf 6,2 Mio. t gesteigert werden.

Den größten Anteil an der Gemüseproduktion 2025 machten Tomaten mit 1,06 Mio. t (20%) aus, gefolgt von Weißkohl (795.000 t, 15%), Zwiebeln (636.000 t, 12%), Möhren (530.000 t, 10%), Gurken (424.000 t, 8%) und roter Bete (318.000 t, 6%). Paprika, Zucchini, Auberginen kamen zusammen auf 1,5 Mio. t (29%). Russlandweit entfielen die größten Gemüse-Anteile auf die Region Krasnodar (16%), die Gebiete Astrachan (13,6%), Wolgograd (9%), Rostow (rund 8%) und die Republik Dagestan (7,2%). Die Zahlen stammen vom russischen Landwirtschaftsministerium, der Statistikbehörde Rosstat sowie von russischen Agrarunternehmen.

Russlands Selbstversorgungsgrad bei Gemüse lag 2025 bei 89,6%, knapp unter der vom Staat angepeilten Zielvorgabe von 90%. Den höchsten Wert verzeichnete das Landwirtschaftsministerium bei Kartoffeln mit rund 98%. Zur Selbstversorgung mit Tomaten und Gurken im vergangenen Jahr machte das Ministerium keine Angaben. Andrej Kasakow, Geschäftsführer des russischen Obst- und Gemüseverbands, schätzt Russlands Selbstversorgungsgrad bei Tomaten auf 66% und bei Gurken auf ca. 95%.

Gemüsespeicher überfüllt

Die russische Agrarwirtschaft verzeichnet einen Mangel an Gemüsespeichern. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums fasst ihre Gesamtkapazität 9,38 Mio. t. Davon sind nur 3,5 Mio. t für Freilandgemüse bestimmt. Laut Experten beläuft sich der Bedarf an Lagerkapazität mit Blick auf den Export und Import auf 4,5-5 Mio. t. Der Staat subventioniert seit 2025 den Bau von Gemüsespeichern. Agrarwirte können sich 25% der Baukosten zurückerstatten lassen. Im vergangenen Jahr wurde die Speicherkapazität um 210.000 t ausgebaut, davon 120.000 t im Süden Russlands. In diesem Jahr soll das Lagervolumen um 250.000 t ausgeweitet werden.

Kartoffeln im Überfluss

Nach vorläufigen Schätzungen wird die Kartoffelernte im Agrarsektor 2026 um 11,5% auf 7,5 Mio. Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (8,4 Mio. t) zurückgehen, prognostiziert das Branchenanalyseunternehmen AB-Zentr. Die gesamte Anbaufläche für Kartoffeln beläuft sich auf 968.000 Hektar, ein Minus von rund 2% zum Vorjahr. Der Geschäftsführer von AB-Zentr Alexej Plugow führt dies auf den Preisverfall von Kartoffeln im vergangenen Jahr zurück, der die Nutzpflanze weniger rentabel machte und Landwirte daraufhin Anbauflächen reduzieren ließ. Die meisten Kartoffeln in Russland bauen jedoch Privathaushalte an. Im vergangenen Jahr betrug ihre Ernte 11 Mio. t gegenüber 10,5 Mio. t im Jahr 2024.

Gleichzeitig war die Kartoffelernte 2025 besonders ertragreich. Der Hektarertrag im erwerbmäßigen Kartoffelanbau belief sich 2025 auf 310,9 Dezitonnen je Hektar (10.000 m²). Eine Dezitonne entspricht 100 kg. Nach den Worten von Plugow war dies der beste Wert in der modernen Geschichte des russischen Kartoffelanbaus. In den vergangenen fünf Jahren lag der durchschnittliche Hektarertrag von Kartoffeln bei 274 Dezitonnen je Hektar.

Von der Mangel- zur Exportkartoffel

Russland steigerte im ersten Halbjahr 2026 seine Kartoffelausfuhren um das Elffache auf 163.000 Tonnen, berichtet das russische Branchenmagazin Pole.RF. Zu den größten Abnehmern gehörten Kasachstan (127.000 t), Turkmenistan (10.300 t) und Mongolei (7300 t). Zum Vergleich: Im selben Zeitraum 2025 exportierte Russland nur 15.000 Tonnen Kartoffeln nach Usbekistan (11.000 t) und Belarus (4000 t), sagt Alexej Krasilnikow, Geschäftsführer des russischen Kartoffelverbandes. Dieser starke Unterschied ist vor allem auf die schlechte Ernte von 2024 zurückzuführen. In dem Jahr ernteten russische Landwirte wegen extremer Wetterumschwünge um 1,4 Mio. Tonnen weniger Kartoffeln, was einem Minus von 16% gegenüber 2023 entsprach. Dementsprechend ging der Kartoffelimport Russlands zurück: von 735.700 t im Jahr 2024 auf 421.700 t im vergangenen Jahr. Größte Kartoffellieferanten Russlands waren 2025 Ägypten (268.000 t), China (61.300 t) und Belarus (32.000 t).

Türkische Dominanz

Ein Drittel aller Tomaten auf dem russischen Markt stamme aus dem Ausland, sagt Tamara Reschetnikowa, Geschäftsführerin des Marktforschungsunternehmens Technologii Rosta. Ihre Importmenge liege stabil zwischen 400.000 und 500.000 Tonnen im Jahr, so Reschetnikowa weiter. Beim Import von Tomaten, Gurken und Paprika ist vor allem die Türkei dominant. Allein im Zeitraum von Januar bis Oktober 2025 steigerte die Türkei ihre Tomaten-Ausfuhren nach Russland um 25% auf 420.000 t gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Gurken gab es ein Exportplus von 40% auf 85.000 t, bei Paprika um 15% auf 12.000 t.

Begünstigt wurden die Importe durch ein Handelsabkommen zwischen Russland und der Türkei, das die Einfuhrzölle auf türkisches Gemüse 2025 drastisch senkte. Die Importware machte den russischen Landwirten auch preislich Konkurrenz: So kostete eine türkische Tomate im Großhandel 85-90 Rubel pro kg gegenüber 110-120 Rubel pro kg für Tomaten aus russischer Produktion.

Quellen: Agroserver, Kommersant, Interfax 1, 2, 3, Pole.RF, Forbes


Quelle: Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, Gemüsewirtschaft: stabile Ernte, überfüllte Speicher, 25.09.2026.

Dieser Beitrag wurde für die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer erstellt.

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