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71 Mio. Euro für acht Projekte: Berlins neue Zusage an Usbekistan fällt kleiner aus
"Steppe Ahead" · 12.10.2026

71 Mio. Euro für acht Projekte: Berlins neue Zusage an Usbekistan fällt kleiner aus

Deutschland sagt Usbekistan bei den Regierungsverhandlungen in Taschkent 71 Mio. Euro für Berufsbildung, Stromnetze und Sozialschutz zu, 2024 waren es noch bis zu 176 Mio. Euro.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

71 Mio. Euro für acht Projekte: Mit dieser Zusage endeten am 7. Oktober die deutsch-usbekischen Regierungsverhandlungen in Taschkent. Das Geld fließt 2026 und 2027 in Berufsbildung, Stromnetze und Sozialschutz, wie die Deutsche Botschaft der usbekischen Nachrichtenseite Gazeta.uz mitteilte. Die Summe liegt deutlich unter der vorigen Runde: Im Oktober 2024 hatte Berlin laut Bundesentwicklungsministerium noch bis zu 176 Mio. Euro für zwei Jahre zugesagt.

Berufsbildung, Stromnetze, Sozialschutz: wohin das Geld fließt

Die Projekte setzen die Förderbank KfW, die Entwicklungsagentur GIZ und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt im Auftrag der Bundesregierung um. Vereinbart sind nach Angaben der Botschaft Programme für Handel und Privatsektor, eine Modernisierung der Berufsbildung nach deutschem dualem Vorbild, Ressourceneffizienz und erneuerbare Energien sowie der Ausbau des Stromübertragungsnetzes. Dazu kommen ein besserer Sozialschutz für verwundbare Gruppen und Normen- und Messwesen, das Feld der Bundesanstalt. Das usbekische Investitionsministerium nennt laut dem aserbaidschanischen Nachrichtendienst Trend zudem grüne Wirtschaft, technische Regulierung und öffentliche Verwaltung als Schwerpunkte. Die usbekische Delegation führte Vizeinvestitionsminister Akram Aliyev. Das Bundesentwicklungsministerium nennt als Kernfelder der Zusammenarbeit außerdem gute Regierungsführung, kommunale Wasserversorgung und Gesundheit.

Christiane Amari, Leiterin des Referats für Zentralasien, Pakistan und Afghanistan im Bundesentwicklungsministerium, führte die deutsche Delegation. Laut Gazeta.uz bekräftigte sie die deutsche Unterstützung für die Reformstrategie „Usbekistan 2030“ und die UN-Nachhaltigkeitsziele. Die Verhandlungen laufen seit mehr als 30 Jahren in festen Runden, Usbekistan ist das einzige Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Zentralasien. Der finanzielle Trend zeigt nach unten: 2024 sagte Berlin laut Ministerium 152 Mio. Euro für finanzielle und 24 Mio. Euro für technische Zusammenarbeit zu, zusammen bis zu 176 Mio. Euro. Die neue Zusage erreicht davon nur 40 %.

Handel wächst schnell, bleibt aber einseitig

Die sinkenden Hilfsgelder treffen auf wachsende Geschäfte. Der bilaterale Handel erreichte 2025 rund 1,4 Mrd. US-Dollar, 2,3-mal so viel wie 2016. Das zeigt eine Infografik der usbekischen Regierungszeitung Yangi O’zbekiston vom Juni. Seit Jahresbeginn legte der Umsatz laut dem Nachrichtensender Euronews um weitere 5 % zu. Die Struktur bleibt schief: Usbekistan lieferte 2025 Waren und Dienstleistungen für 145,6 Mio. US-Dollar nach Deutschland, gut ein Drittel davon Dienstleistungen, knapp ein Drittel Fertigwaren. Die Importe aus Deutschland erreichten 1,3 Mrd. US-Dollar, über 90 % des gesamten Umsatzes. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge.

Deutsche Investitionen und Kredite summierten sich 2025 auf 983,5 Mio. US-Dollar, nach insgesamt 5,7 Mrd. US-Dollar in den neun Jahren zuvor. 244 Unternehmen mit deutschem Kapital arbeiten im Land, 133 davon gehören vollständig deutschen Eigentümern. Bei den Deutschen Wirtschaftstagen in Taschkent unterzeichneten beide Seiten im Mai Verträge über mehr als 1 Mrd. US-Dollar. Volkswagen plant laut Euronews Fertigungsprojekte, Henkel startet neue Investitionen. „Deutsche Technologie ist hier gut bekannt und anerkannt“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Sender bei seinem Besuch in Taschkent im Juni.

Kleiner Hebel in einem schnell wachsenden Markt

Die 71 Mio. Euro sind in diesem Umfeld ein kleiner Hebel. Die Weltbank hob ihre Wachstumsprognose für Usbekistan Anfang Oktober von 6,4 auf 7,9 % für 2026 an, meldet Trend. Das Land wächst damit mehr als dreimal so schnell wie die Weltwirtschaft, für die die Weltbank 2,5 % erwartet. Zugleich wächst die Konkurrenz: 6.436 Firmen mit chinesischem Kapital stehen 244 deutschen gegenüber. Für Berlin zählt deshalb weniger die Summe als die Richtung der Projekte. Duale Berufsbildung und Stromnetze zielen auf zwei Engpässe, die deutsche Investoren direkt treffen: Fachkräfte und Energieversorgung. Für deutsche Anbieter von Ausbildungs-, Netz- und Messtechnik entsteht damit öffentlich kofinanzierte Nachfrage.

Offen bleibt, ob das reicht. Das Handelsdefizit mit Deutschland finanziert Usbekistan bisher über Kredite und Investitionszuflüsse. Beim Personal konkurriert Deutschland mit sich selbst: Mehr als 400.000 Usbeken lernen laut Euronews Deutsch, über 2.000 studieren an deutschen Hochschulen. Das 2024 vereinbarte Fachkräfteabkommen lenkt gut ausgebildete Usbeken eher nach Deutschland als in die neuen Ausbildungszentren vor Ort. Die nächste Verhandlungsrunde wird zeigen, ob Berlin die Zusagen wieder aufstockt oder den Umbau von Hilfe zu Handel fortsetzt.

Quelle: Gazeta.uz, Trend, Euronews, Yangi O’zbekiston, BMZ (EN), Spot.uz (RU)

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