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Kasachstans KI-Wette: Erstes Rechenzentrum des Data Center Valley startet im Juni 2027
"Steppe Ahead" · 14.08.2026

Kasachstans KI-Wette: Erstes Rechenzentrum des Data Center Valley startet im Juni 2027

Kasachstan nennt einen festen Starttermin für sein 10-Mrd.-US-Dollar-Projekt Data Center Valley: Im Juni 2027 geht in Ekibastus das erste Rechenzentrum mit 50 Megawatt ans Netz, am Ende sollen 100.000 KI-Chips Exporterlöse von 3 Mrd. US-Dollar pro Jahr liefern.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“, Autor: Thomas Baier

10 Mrd. US-Dollar, 100.000 KI-Chips, am Ende 1 Gigawatt Rechenleistung: Kasachstans Großprojekt Data Center Valley hat jetzt einen festen Starttermin. Im Juni 2027 soll im nordkasachischen Ekibastus das erste Rechenzentrum mit 50 Megawatt Leistung ans Netz gehen. Das meldete am 13. August die englischsprachige Regionalzeitung Times of Central Asia unter Berufung auf die Regierung in Astana. Der Rohbau soll bis Ende 2026 stehen, die technische Inbetriebnahme bis Mai 2027 abgeschlossen sein.

Erdarbeiten zu 90 % fertig, Umspannwerk mit 215 MW gesichert

Die Erdarbeiten für Energiezentralen und KI-Fabriken sind laut dem asiatischen Rechenzentrums-Fachportal W.Media zu 90 % abgeschlossen. Für die Stromversorgung hat das Projekt ein Umspannwerk mit 215 Megawatt übernommen. Die Anlage entsteht nach dem internationalen Zuverlässigkeitsstandard Tier III. Träger sind der Staatskonzern Kazakhtelecom, das amerikanisch-armenische KI-Unternehmen Firebird und der US-Chipkonzern NVIDIA. Die Partner hatten im Juni 2026 ein Abkommen über 10 Mrd. US-Dollar unterzeichnet. Es sieht einen Rechencluster mit 100.000 KI-Chips der neuesten NVIDIA-Generationen GB300 und Vera Rubin vor. Das erste Rechenzentrum ist die erste von vier Ausbaustufen mit je 50 Megawatt. Das Gesamtareal bei Ekibastus umfasst 1.400 Hektar. Präsident Tokajew hat 2026 zum Jahr der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz erklärt, das Valley ist dessen wichtigstes Einzelprojekt. Die Regierung beziffert die angepeilten Investitionen in den gesamten Campus auf rund 30 Mrd. US-Dollar und rechnet mit 500 hochqualifizierten Arbeitsplätzen. „Das Data Center Valley formt Kasachstans neues Exportpotenzial. Indem wir Rechenleistung im eigenen Land ansiedeln, schaffen wir die Bedingungen für das Wachstum heimischer KI-Lösungen und ziehen globale Unternehmen an“, sagte Schaslan Madijew, Vizepremier und Minister für Künstliche Intelligenz und Digitale Entwicklung.

Kohlestrom aus Ekibastus als Standortvorteil

Der Standort ist kein Zufall. Ekibastus liegt im größten Kohlerevier Kasachstans, direkt neben den Großkraftwerken GRES-1 und GRES-2. Billiger und reichlich verfügbarer Strom ist im weltweiten Wettlauf um KI-Rechenzentren das knappste Gut. Die Regierung nennt für den Campus eine Energieeffizienz-Kennzahl (PUE) von 1,25, ein wettbewerbsfähiger Wert. Kazakhtelecom hat zudem die Netzlatenz auf internationalen Strecken von 80 auf 57 Millisekunden gesenkt. „Kasachstan verwandelt Ekibastus-Kohle in digitale Exporterlöse“, sagte Kazakhtelecom-Chef Bagdat Mussin bei der Vertragsunterzeichnung im Juni. NVIDIA-Vizepräsident Rev Lebaredian ergänzte: „Kasachstan hat Energie. Weil das Land sie im Überfluss hat und noch mehr erzeugen kann, ist es ein hervorragender Ort, um zu starten.“ Das Projekt zieht bereits weitere Investoren an. Die Singapurer GK Hyperscale plant laut Times of Central Asia zwei Rechenzentren mit zusammen 200 Megawatt in den Gebieten Akmola und Karaganda. SuperX AI Technology prüft einen KI-Rechenpark mit bis zu 1 Gigawatt. Für ausländische Firmen hält das Valley zudem eine Greenfield-Zone mit 100 Megawatt Anschlussleistung bereit. Parallel arbeitet Astana laut Times of Central Asia an einem Konzept für sogenannte Daten-Botschaften: Ausländische Regierungen sollen ihre Daten in Kasachstan speichern können, ohne die Hoheit darüber abzugeben. Vorbild ist Estland, das seit 2017 eine solche Daten-Botschaft in Luxemburg betreibt.

Exportziel 3 Mrd. US-Dollar: eine Verdreifachung in kurzer Zeit

Die Regierung erwartet aus dem Verkauf von Rechenleistung Exporterlöse von mindestens 3 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Der Maßstab dafür: Kasachstans gesamte IT-Dienstleistungsexporte erreichten 2025 rund 1 Mrd. US-Dollar, nach 690,7 Mio. US-Dollar im Jahr 2024, ein Plus von 31 %. Das Exportziel bedeutet also eine Verdreifachung des heutigen IT-Sektors allein durch das Valley. Drei Fragen bleiben offen. Erstens die Energiebilanz: Kohlestrom macht die Rechenleistung billig, belastet aber die Klimabilanz möglicher westlicher Großkunden. Zweitens die Nachfrage: Verträge mit zahlenden Abnehmern für die Rechenkapazität nennt die Regierung bisher nicht. Drittens der Zeitplan: Zwischen Rohbau Ende 2026 und Volllast mit 1 Gigawatt liegen Jahre, in denen der globale Markt für KI-Rechenzentren härter umkämpft sein wird als heute. Firebird-Chef Razmig Hovaghimian gibt sich zuversichtlich. Laut ihm bringt der Start 2027 Kasachstan unter die zehn führenden Länder bei KI-Infrastruktur. Gelingt das Vorhaben, verschafft es Kasachstan eine neue Exportsäule neben Öl, Gas und Metallen. Die Region schaut genau hin: Auch Usbekistan wirbt um internationale Investoren für digitale Infrastruktur.

Quelle: Times of Central Asia, W.Media, Regierung der Republik Kasachstan, Regierung Kasachstans zu Projektdaten, Regierung Kasachstans zu Investitionsvolumen, Times of Central Asia zu IT-Exporten (alle EN)

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