Tschechiens Einzelhandel hat im August 4,3% mehr umgesetzt als im Vorjahresmonat. Das meldete das tschechische Statistikamt ČSÚ am 8. Oktober. Die Zahl ist preisbereinigt und gilt ohne Kfz-Handel. Im Juli lag das Plus nach Revision bei 5,1%. Gegenüber dem Juli stieg der Umsatz um 0,2%.
Internet und Mode vorn
Internet- und Versandhändler wuchsen um 15,0%. Jana Gotvaldová, Leiterin der Abteilung Handels-, Verkehrs- und Dienstleistungsstatistik beim ČSÚ, sagte: „Den höchsten Zuwachs verzeichneten wir traditionell bei den Internethändlern.“ Bekleidungs- und Schuhgeschäfte legten um 10,0% zu.
Der Handel mit Nichtlebensmitteln wuchs insgesamt um 7,4%. Der Lebensmittelhandel kam auf 3,0%. Geschäfte mit Lebensmittelschwerpunkt verbuchten 3,1%. Beim Kraftstoff sank der Umsatz um 3,2%. Der Kfz-Handel schrumpfte um 2,2%, die Werkstätten um 2,5%.
Auf Monatssicht wuchs der Handel mit Nichtlebensmitteln um 0,7%. Der Lebensmittelhandel legte um 0,3% zu. Beim Kraftstoff fiel der Umsatz um 2,1%, beim Kfz-Handel um 0,3%.
Analysten sehen Rückenwind für das Gesamtjahr
Jiří Pour, Ökonom der UniCredit Bank, ordnet das Tempo ein: Es habe „völlig dem Durchschnitt seit Jahresbeginn“ entsprochen. Petr Dufek, Ökonom der Creditas, sagte: „Die Verbraucher kauften auch diesmal deutlich mehr Kosmetik und Kleidung.“
Miroslav Novák, Analyst bei Citfin, erwartet für 2026 ein Plus von 3,5% bis 4,0%. Tereza Krček von der Raiffeisenbank rechnet mit 4,3%, auch weil die Realeinkommen der Haushalte steigen. David Marek von Deloitte hält bis zu 4,5% für möglich. Schwankende Energiepreise schreckten die Verbraucher nicht ab, so seine Einschätzung.
Die Preise dämpfen die Kauflust bisher kaum. Die Inflation lag im August nach vorläufiger ČSÚ-Schätzung bei 1,9%, nach 1,7% im Juli. Die Kerninflation stieg von 3,0% auf 3,3%. Die Zentralbank ČNB hob ihren Leitzins im Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75%. Es war die erste Erhöhung seit vier Jahren.
Was das für deutsche Exporteure heißt
Tschechische Haushalte kaufen mehr, und sie kaufen online. Hersteller von Kosmetik, Mode und Haushaltswaren erreichen den Markt über Plattformen schneller als über Filialnetze. Anbieter von Kfz-Teilen und Werkstattbedarf treffen dagegen auf einen schrumpfenden Markt. Die nächsten ČSÚ-Daten erscheinen am 5. November. Dann zeigt sich, ob der Konsum das Tempo über den Herbst hält.
Quellen: ČSÚ, Maloobchod – srpen 2026 (CS); České noviny/ČTK mit Analystenkommentaren (CS); Businessinfo.cz zur Inflation (CS)
SK, Frankfurt


