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Tschechiens Einzelhandel wächst um 4,3%: Online-Händler legen um 15,0% zu, doch das Vertrauen sinkt

Tschechiens Einzelhandel wächst um 4,3%: Online-Händler legen um 15,0% zu, doch das Vertrauen sinkt

Tschechiens Einzelhandel hat im August real 4,3% mehr umgesetzt als im Vorjahresmonat. Das meldet das tschechische Statistikamt ČSÚ in seiner Schnellinformation vom 8. Oktober. Gegenüber Juli stieg der Umsatz um 0,2%. Die Zahlen sind vorläufig, die Juli-Werte hat das Amt revidiert. Endgültige Daten für 2026 folgen im März 2027.

Online-Händler und Non-Food tragen das Wachstum

Den stärksten Schub lieferten die Internethändler: Ihr Umsatz stieg um 15,0%. Jana Gotvaldová, Leiterin der Abteilung Handels-, Verkehrs- und Dienstleistungsstatistik beim ČSÚ, sagte: „Die höchste Zuwachsrate verzeichneten wir traditionell bei den Internethändlern.“ Das Zitat ist aus dem Tschechischen übersetzt.

Nicht-Lebensmittel legten um 7,4% zu. Bekleidungs- und Schuhgeschäfte führten mit 10,0%. Lebensmittel wuchsen um 3,0%. Tankstellen verloren 3,2%. Auch der Kfz-Handel schwächelte: Verkauf und Reparatur sanken um 2,2%.

Wie stark der Onlinekanal wächst, zeigt der Lebensmittel-Lieferdienst Rohlik. Der Konzernumsatz stieg im Geschäftsjahr bis April 2026 um 35% auf 1,45 Mrd. Euro, laut Unternehmensangaben. Auf dem tschechischen Heimatmarkt setzte Rohlik 21,7 Mrd. tschechische Kronen um, rund 900 Mio. Euro. Im vierten Quartal erzielte der Konzern erstmals ein positives EBITDA von etwa 5 Mio. Euro. Der Kosmetikhändler Notino setzte 2025 laut Unternehmensangaben 1,76 Mrd. Euro um, 11,5% mehr als 2024. Gründer Tomáš Čupr von Rohlik sagte Ende Mai: „Wir können das Kapitel schließen, in dem es hieß, Rohlik werde nie Gewinn machen.“

Die Stimmung läuft den Umsätzen davon

Das Vertrauen der Wirtschaft sinkt. Der Gesamtindikator des ČSÚ fiel im Oktober um 1,6 Punkte auf 97,9. Das Unternehmensvertrauen gab um 1,8 Punkte auf 96,6 nach. Im Handel sank es um 1,7 Punkte, in der Industrie um 5,6 Punkte. Das Konsumklima verlor 0,8 Punkte und liegt bei 104,3, nachdem es im September gestiegen war.

Jiří Obst, Leiter der Konjunkturumfragen beim ČSÚ, sagte: „Die Unternehmer schränkt vor allem die unzureichende Nachfrage erheblich ein.“ Anastasija Neradová vom selben Referat berichtet, dass die Haushalte eine Verschlechterung der Lage in den nächsten zwölf Monaten stärker fürchten.

Für deutsche Exporteure heißt das: Wer Konsumgüter nach Tschechien liefert, sollte den Onlinekanal prüfen, denn er wächst derzeit am schnellsten. Industriezulieferer müssen dagegen mit schwächerer Nachfrage rechnen. Neue Handelsdaten veröffentlicht das ČSÚ am 5. November.

Quellen: ČSÚ, Maloobchod – srpen 2026 (CS); ČSÚ, Konjunkturální průzkumy – říjen 2026 (CS); Rohlik Group, Geschäftsjahr bis April 2026 (EN)

SK, Frankfurt

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